Veranstaltung bis 24. Mai geht Frage nach, wie Europa mit Allmachtsphantasien in Ost und West umgehen soll - Mit Autor Rabinovici, evangelischer Bischöfin Richter und Bischof Marketz
Klagenfurt, 22.05.2026 (KAP) Die Ärztin und Sozialberaterin Umyma El-Jelede (54) wurde am Donnerstagabend in Fresach mit dem Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte der Stadt Villach ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte im Rahmen der Europäischen Toleranzgespräche Fresach (ETG), die heuer unter dem Motto "Widerstand & Verantwortung" stehen, meldete der Evangelische Pressedienst epdö am Freitag. Rund 40 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen befassen sich bis Sonntag mit der Frage, wie Europa mit den Allmachtsphantasien in Ost und West umgehen soll. Unter den Vortragenden sind u.a. der Historiker und Autor Doron Rabinovici, die evangelische Bischöfin Cornelia Richter sowie der Kärntner Bischof Josef Marketz.
Das Engagement von El-Jelede für Mädchen und Frauen aus afrikanischen und arabischsprachigen Gemeinschaften sei beispielgebend; ihr Wirken für Verständnis, Bildung und soziale Integration eine Grundlage für den Zusammenhalt einer pluralistischen Gesellschaft, lautete die Begründung der Jury. Die gebürtige Sudanesin praktizierte in Libyen als Ärztin und Chirurgin, bevor sie 2004 aus politischen Gründen flüchten musste. Nach drei Jahren in einem Caritasheim in Wien erhielt sie Asyl in Österreich. Ab 2007 baute sie für das Frauengesundheitszentrum FEM Süd ein Beratungsangebot für Frauen auf. Für ihr Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung erhielt sie u.a. 2014 den Menschenrechtspreis der Bundessportorganisation.
Zentrum des protestantischen Widerstands
Am Donnerstagvormittag waren die diesjährigen Europäischen Toleranzgespräche Fresach offiziell eröffnet worden. In ihrer Begrüßungsrede widmete sich Andrea Mattioli dem Thema "Widerständig sein" aus protestantischer Sicht. Die Superintendentin der Diözese Kärnten-Osttirol und Obfrau des ETG-Veranstalters "Denk.Raum.Fresach" (DRF) erinnerte an das Zitat "Hier stehe ich, ich kann nicht anders", das Martin Luther zugeschrieben wird. Diese Aussage sei eine, die Protestanten seit jeher begleite. Das Gewissen sei dabei allein an Gottes Wort gebunden und dem Glauben verpflichtet.
Auch das Dorf Fresach sei in der Zeit des Geheimprotestantismus ein Zentrum des protestantischen Widerstands gewesen. Die Evangelischen damals "brauchten keine Obrigkeit, nicht einmal einen Pfarrer", erinnerte die Superintendentin. Auch heute werde man genötigt, Stellung zu beziehen. Als Christinnen und Christen könne man nicht anders, als Verantwortung ernst zu nehmen und wahrzunehmen. Mattioli: "Wir müssen immer wieder um die Wahrheit ringen und sie anwenden auf unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Politik. Diese Wege wollen wir auch weiterhin in Fresach suchen und vertiefen."
Programm
Eröffnet wurde die traditionelle Dialogwoche bereits am 17. Mai mit einem "GehDENK-Konzert" aus Anlass des 100. Geburtstages von Ingeborg Bachmann, die zeitlebens gegen die "herrschenden Verhältnisse" anschrieb, wie es in der Ankündigung hieß. Die Eröffnungsrede am Donnerstag hielt der Historiker und Autor Doron Rabinovici. Danach folgte das "Europaforum" mit Diskussionen rund um "Wie weit darf Widerstand?". Die Eröffnungsworte sprachen dazu der Kärntner Bischof Josef Marketz, der ehemalige SPÖ-Europapolitiker und Präsident des Kuratoriums vom Denk.Raum.Fresach Hannes Swoboda sowie der ehemalige evangelische Superintendent und Obmann des Vereins Denk.Raum.Fresach, Manfred Sauer. Im Anschluss folgte das "Europaforum" mit Diskussionen.
Das "Wirtschaftsforum" am 22. Mai steht im Zeichen von "Ihr da oben, wir hier unten" mit Beiträgen zu den Themen: "BigTech statt BigMac: Widerstand zwecklos?", "Die Magie des kindlichen Wesens", "Widerstand und Wandel" sowie "Innere Haltung und äußerer Widerstand". Den Abschluss bildet eine Podiumsrunde zum Thema "Aufstand der Flüsse, Rebellion der Wälder".
Die Europäischen Toleranzgespräche
Die Europäischen Toleranzgespräche finden seit 2015 alljährlich zu Pfingsten statt und behandeln gesellschaftliche Entwicklungen und politische Bildung zu Fragen der sozialen Integration, Demokratie und Menschenrechte. Die Gespräche haben ihren Ursprung in den Fresacher Schriftstellertagungen, die von 1972 bis 1996 unter der Ägide des Kärntner SchriftstellerInnenverbands (KSV) stattfanden. Die Veranstaltungen werden live aufgezeichnet und auf fresach.org, YouTube und Facebook gestreamt. (Details und Tickets: www.fresach.org/tagesprogramm)