Internationale Konferenz tagte u.a. im Stift Göttweig - Abt Schöder: Europa entsteht überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen - Plädoyers für neues europäisches Sicherheitskonzept
St. Pölten, 22.05.2026 (KAP) Am Freitag ist im Stift Göttweig das 30. "Europa-Forum Wachau" mit zahlreichen Aufrufen zu größerer europäischer Einheit zu Ende gegangen. Das Stift Göttweig verstehe sich nicht nur als Ort des Gebetes und des Glaubens, "sondern immer auch als Ort der Begegnung, des Dialogs und der Verantwortung für die Gesellschaft", zog dabei etwa der Abt von Stift Göttweig, Patrick Schöder, eine positive Bilanz des Forums. Der christliche Glaube sei nicht nur ein historischer Bestandteil der Entwicklung Europas, sondern ein prägendes Wertesystem. Europa entstehe überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, und wo Menschen bereit seien, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern das Gemeinwohl hochzuhalten, so Abt Schöder.
Von Montag bis Freitag diskutieren beim "Europa-Forum Wachau" hochkarätige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Grafenegg, Krems und im Stift Göttweig miteinander. Am letzten Tag hatten Bundeskanzler Christian Stocker, NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner oder auch der ehemalige NATO-Generalsekretär und dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen das Wort ergriffen.
Landeshauptfrau Mikl-Leitner sagte laut einer Aussendung: "Der Auftrag lautet heute mehr denn je, Europa neu zu denken, als Wirtschaftsraum, aber vor allem auch als Sicherheits- und Schutzprojekt". Europa müsse mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen", so die Landeshauptfrau: "Die Frage ist längst nicht mehr, ob Europa sicherheitspolitisch stärker werden muss, sondern nur noch, wie schnell und wie entschlossen wir diesen Weg gehen".
Stocker: Brauchen wehrhaftes Österreich
Man erlebe gerade große Veränderungen, betonte Bundeskanzler Stocker in seiner Rede. Er nannte u. a. die russische Aggression in der Ukraine, den Krieg im Nahen Osten oder ein immer stärker werdendes China. Manche wünschten sich in dieser Situation "die Vergangenheit herbei", aber die Welt bewege sich nie zurück. Die Phase, "in der wir den Frieden als selbstverständlich angenommen haben", sei "leider vorbei", und der größte Fehler sei jetzt, "die Gegenwart nicht wahrhaben zu wollen". Der Erfolg Österreichs in seiner Geschichte sei immer "darin gelegen, auf Veränderungen richtig zu reagieren", zeigte sich Stocker überzeugt. Darum brauche es jetzt erstens "ein wehrhaftes Österreich, das in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen".
Stocker: "Was uns schützt, ist eine starke, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee und eine Gesellschaft, die auch bereit ist, sich selbst zu verteidigen." Zweitens brauche es "eine starke Europäische Union", er sei überzeugt, "dass unsere Mitgliedschaft in der EU alternativlos ist". Genauso alternativlos sei aber auch, "dass sich die EU weiterentwickeln muss", und der Anspruch Österreichs müsse sein, "diese Weiterentwicklung mitzugestalten". Drittens brauche es "eine starke Wirtschaft", so Stocker, denn "das ist nicht nur eine ökonomische Frage, sondern auch eine Frage unserer Sicherheit".
Plädoyer für "Allianz der Demokratien"
Die alte europäische Sicherheitsordnung sei "vorbei" und werde auch nicht zurückkommen, meinte der ehemalige NATO-Generalsekretär Rasmussen. In der neuen Ordnung gebe es mit China, Russland und den USA drei Machtzentren, jeder übe seine Macht mit unterschiedlichen Mitteln aus, verwies er auf "chinesische Waren, russisches Öl und amerikanische Sicherheit". Derzeit riskiere man einen "gefährlichen Zerfall der europäischen Sicherheitsarchitektur" und eine "schrittweise Aushöhlung", und es sei "Zeit zu handeln".
In diesem Zusammenhang sprach er sich für eine "Allianz der Demokratien" aus. Als Kern dieses Bündnisses nannte er die "D7" - die EU, Großbritannien, Kanada, Japan, Australien, Neuseeland und Südkorea. "Sieben Stimmen, die gemeinsam ein großes Gewicht haben", so Rasmussen. Gleichzeitig solle diese Allianz durch Bündnisse in jeder Region ergänzt werden. Weiters trat er für "eine neue europäische Sicherheitsarchitektur ein", man müsse auch "mehr für unsere Verteidigung ausgeben", forderte er. Dabei gehe es "nicht nur darum, wieviel wir ausgeben, sondern auch wie wir es ausgeben", betonte der ehemalige NATO-Generalsekretär.
Michael Linhart, Präsident des "Europa-Forums Wachau", sah "als die wichtigste Erkenntnis dieser Europa-Forums-Woche, dass nur ein in seiner Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit gestärktes Europa sich den globalen Herausforderungen erfolgreich stellen kann". Europa müsse "nach außen Einigkeit zeigen" und "mit einer Stimme auftreten", zeigte er sich überzeugt. Das Europa-Forum verkörpere seit Jahrzehnten "den Geist des Brückenbauens", so Linhart: "Lassen Sie uns gemeinsam auch die nächsten 30 Jahre in Europa gestalten."
Hochkarätiges europapolitisches Diskursforum besteht seit 30 Jahren - Politische Gespräche ab 21. Mai in Göttweig u.a. mit Bundeskanzler Stocker, Außenministerin Meinl-Reisinger, Innenminister Karner, EU-Kommissar Brunner und dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten Magyar