Diözese Linz würdigt Putz für unermüdlichen Einsatz für lebendige Erinnerungskultur - Stelzer ehrte Theologin und Historikerin zum 80. Geburtstag zur "Konsulentin der Wissenschaft"
Linz, 22.05.2026 (KAP) Die Theologin und Historikerin Erna Putz ist anlässlich ihres 80. Geburtstags für ihren jahrzehntelangen Einsatz in der Erinnerungskultur gewürdigt worden. Am Donnerstag - dem Tauftag von Franz Jägerstätter (1907-1943) sowie sein liturgischer Gedenktag - wurde "Jägerstätter-Botschafterin" Putz von der Diözese Linz und dem Land Oberösterreich für ihre Forschung zu Franz und Franziska Jägerstätter und ihren Einsatz für eine lebendige Erinnerungskultur ausgezeichnet. Landeshauptmann Thomas Stelzer verlieh ihr zudem den Titel "Konsulentin der Wissenschaft", hieß es in einer Aussendung der Diözese Linz am Freitag.
Der Linzer Diözesanbischof Scheuer hob vor allem den Beitrag von Putz zur historischen Aufarbeitung hervor. Sie habe wesentlich dazu beigetragen, dass Franz Jägerstätter international bekannt wurde und 2007 seliggesprochen werden konnte. "Franz Jägerstätter wäre ohne dein Engagement nicht seliggesprochen worden", so Scheuer im Gottesdienst im Linzer Dom. Jägerstätter wurde 1943 als Kriegsdienstverweigerer von den Nationalsozialisten hingerichtet.
In seiner Predigt betonte Scheuer, Jägerstätter habe sich die innere Freiheit in der Diktatur und im Gefängnis bewahrt: "Der äußere Verblendungszusammenhang führte zu keiner Abstumpfung des Gewissens, die Meinung der Massen nicht zur Anpassung seiner Urteilskraft, die Nazi-Ideologie nicht zur Menschenverachtung und Gottlosigkeit, die äußere Unfreiheit nicht zur Knechtung des Willens, das Gehabe der Macht der Starken nicht zum Willen zur Macht."
Jägerstätters Beispiel zeige, dass nur die Wahrheit wirklich frei mache. "Heute sind die Kontexte vielleicht anders, aber es geht auch um Fragen des Rechts auf Leben, um Menschenwürde und um Menschenrechte, um Demokratie bei Populismus und Rechtsextremismus, um Gerechtigkeit und Gemeinwohl bei Hunger, Flucht und Klimakrise. Eine menschengerechte Demokratie braucht das Ringen um die Wahrheit", sagte Scheuer.
Titel "Konsulentin der Wissenschaft" verliehen
Im Anschluss verlieh Landeshauptmann Stelzer der Jubilarin den Titel "Konsulentin der Wissenschaft" des Landes Oberösterreich. Er würdigte Putz als zentrale Forscherin und Vermittlerin der Jägerstätter-Biografie und als prägende Persönlichkeit der regionalen Erinnerungskultur. "Sie sind damit zum Vorbild geworden - zum Vorbild für den Mut zum Miteinander und auch für den Mut zum Frieden", so der Landeshauptmann.
Mit Erna Putz werde eine "mutige, couragierte, hochkompetente, leidenschaftliche Persönlichkeit" gewürdigt, die Person, Geschichte, Wirken und Wirkung von Franz Jägerstätter wie kaum jemand anderer erforscht, aufbereitet und zugänglich gemacht habe, so Stelzer.
Auch beim folgenden Festakt mit rund 100 geladenen Gästen hob Bischof Scheuer die Rolle von Putz als "die Botschafterin des Seligen" hervor. Weitere Redebeiträge kamen u.a. von Michael Fuchs, Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz (KU Linz), Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer sowie Elisabeth Jungmeier, Mitglied des diözesanen Jägerstätter-Beirats und Repräsentantin von Pax Christi bei den Vereinten Nationen in Wien.
Festgabe mit 37 Beiträgen
Andreas Schmoller und Verena Lorber vom Franz und Franziska Jägerstätter Institut (FFJI) an der KU Linz stellten schließlich die Festgabe vor, die das FFJI gemeinsam mit Bischof Scheuer zum 80. Geburtstag von Erna Putz herausgegeben hat. Für die Publikation wurden 37 Beiträge und Laudationes zusammengetragen, die auf 120 Seiten Putz und ihr Wirken würdigen. Angehörige sind darin ebenso vertreten wie langjährige Wegbegleiter und -begleiterinnen sowie Mit-Engagierte in der Gedenkarbeit. Auch kirchliche Verantwortliche wie Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Benno Elbs oder Bischof em. Maximilian Aichern haben Worte der Würdigung formuliert - Aichern noch eine Woche vor seinem Tod Ende Jänner 2026. Als Titel wurde ein Zitat von Putz verwendet, das sie im Kontext der Entdeckung der Jägerstätter-Schriften 1979 im Haus von Franziska Jägerstätter getätigt hat: "Es würde mir die Hände verbrennen, wenn ich dies nicht weitergäbe."
Wirken und Forschung
Erna Putz, die 1946 in Ohlsdorf geboren wurde, beschäftigt sich seit den 1980er-Jahren mit dem Leben von Franz und Franziska Jägerstätter. 1985 veröffentlichte sie eine maßgebliche Biografie, zudem edierte sie Schriften und Briefe des Widerstandskämpfers. In der Folge initiierte sie mehrere Gedenkprojekte, darunter das "Gedächtnisbuch Oberösterreich".
Auslöser für ihr Interesse an Franz Jägerstätter war laut eigener Aussage 1979 eine Reportage über St. Radegund im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Linzer KirchenZeitung. Im Zuge dessen lernte sie die Mesnerin der Pfarre, Franziska Jägerstätter, die Witwe des Widerstandskämpfers, kennen. Durch diese Begegnung erhielt Putz Zugang zu den Schriften von Jägerstätter und begann ihre Forschung.
1980 nahm Erna Putz eine Stelle als Pfarrhaushälterin in Ostermiething an und begann ihre Forschungen im Rahmen eines Doktorats. 1985 erschien ihre Biografie zu Franz Jägerstätter, unzählige Publikationen, Vorträge und Auftritte folgten. Von 1983 bis 2007 organisierte sie um den 9. August das jährliche Jägerstätter-Gedenken mit Seminar in Ostermiething und St. Radegund. Hinzu kamen vermehrt Initiativen zur Erinnerung an weitere Opfer des Nationalsozialismus ("die Wolke der Zeugen"). Erna Putz ist Mitglied des diözesanen Jägerstätter-Beirats und Initiatorin des Projektes "Gedächtnisbuchs Oberösterreich".
Für ihr Wirken erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, darunter das Goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich sowie ein Ehrendoktorat der Katholischen Privat-Universität Linz.