Bischof Wilmer: Kirche muss Digitalisierung und KI mitbegleiten
22.05.202615:43
Deutschland/Vatikan/Kirche/Gesellschaft/KI/Arbeit
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz erwartet in Papst-Enzyklika "eine christlich-sozialethische Antwort auf den Digitalkapitalismus des 21. Jahrhunderts im Sinne einer Orientierung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft"
Düsseldorf, 22.05.2026 (KAP/KNA) Die Digitalisierung, insbesondere durch die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), führt zu einem Wandel der Gesellschaft. Auch die katholische Kirche müsse deshalb diese Entwicklung im Auge behalten und begleiten, meint der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer.
Das treffe vor allem dann zu, wenn KI den Arbeitsmarkt beeinflusst. "Menschliche Arbeit ist für die Kirche nie nur ein bloßer Produktionsfaktor, sondern ist Ausdruck menschlicher Würde und gesellschaftlicher Teilhabe", schrieb der Hildesheimer Bischof in einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag für das "Handelsblatt". Mit der Transformation der Arbeitswelt stünden deswegen "nicht nur ökonomische, sondern zutiefst menschliche Fragen für jeden Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt im Raum".
Sorge vor Austausch durch KI im Job
Der künftige Bischof von Münster verwies auf Sorgen und Ängste von Beschäftigten, dass KI ihre Jobs gefährden könnte. "Während Unternehmen auf gesteigerte Produktivität und Automatisierung abzielen, fragen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welchen Platz der Mensch künftig noch in einer digitalisierten Wirtschafts- und Arbeitswelt haben wird." Auch erhielten große Technologiekonzerne immer mehr Macht. "Sie prägen öffentliche Debatten, kontrollieren Informationsströme, sammeln riesige Datenmengen und beeinflussen demokratische Prozesse ebenso wie Arbeitsmärkte."
Gerade in Deutschland treffe diese Debatte "auf eine ohnehin verunsicherte Gesellschaft und Arbeitswelt", so Wilmer. Gleichzeitig nannte er auch positive Fortschritte durch KI, etwa in der Medizin, die das Leben vereinfachten.
Die großartige Menschheit
Der Bischof äußerte sich anlässlich des Lehrschreibens von Papst Leo XIV. zum Thema KI. Die Enzyklika mit dem Titel "Magnifica Humanitas" (Deutsch: Die großartige Menschheit) soll am Pfingstmontag veröffentlicht werden. Sie steht in der Tradition der ersten Sozialenzyklika "Rerum novarum" von Amts- und Namensvorgänger Leo XIII. von 1891.
Damals war es die industrielle Revolution, die das Arbeitsleben der Menschen von Grund auf veränderte. "Die Kirche setzte sich erstmals systematisch mit den Fragen moderner Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit auseinander", so Wilmer. "Arbeiterrechte, gerechter Lohn und der verantwortliche Umgang mit Privateigentum wurden zu wesentlichen Motiven der sich in der Folgezeit immer weiter entwickelnden katholischen Soziallehre."
Antwort auf "Digitalkapitalismus"
Das greife Leo XIV. nun 135 Jahre später wieder auf, erklärte Wilmer. Es gehe um "eine christlich-sozialethische Antwort auf den Digitalkapitalismus des 21. Jahrhunderts im Sinne einer Orientierung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und gleichzeitig ein Ernstnehmen von KI als positive Chance für den Alltag."