Grünwidl: Pfingsten als "Kompass" in der KI-Revolution
24.05.202613:25
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Wiener Erzbischof: Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz bringen ethische Herausforderung - Pfingstfest als Gegenentwurf zu Einsamkeit, Aufrüstung und gesellschaftlicher Spaltung
Wien, 24.05.2026 (KAP) Das Pfingstereignis als geistlichen "Kompass" in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI): Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat angesichts der technischen Umbrüche "mehr denn je" zu Weisheit, Menschlichkeit und ethischer Orientierung aufgerufen. "Da hilft der Geist der Erkenntnis und der Weisheit wie ein innerer Kompass. Er bringt Orientierung in den Wissensdschungel, Herzensbildung in die Klugheit, er meldet sich in der leisen Stimme des Gewissens, wenn wir unseren Wertekanon bilden", so der Erzbischof am Sonntag im Wiener Stephansdom. KI könne "Werkzeug oder Waffe" sein, sagte Grünwidl. Nötig seien daher Rahmenbedingungen, damit neue Technologien "dem Fortschritt der Menschlichkeit, der Würde des Menschen und einer guten Zukunft dienen".
Mit Verweis auf die für Montag (25. Mai) angekündigte KI-Enzyklika von Papst Leo XIV. erinnerte Grünwidl daran, dass der Papst seinen Namen bewusst in Anlehnung an Leo XIII. gewählt habe, der die sozialen Folgen der Industrialisierung thematisierte. Heute stehe die Welt erneut vor einer Revolution. Entscheidend sei dabei nicht, technische Entwicklungen "zu verteufeln oder einfach abzusegnen", sondern die Frage, wie mit ihnen umgegangen werde.
So würden aktuell die "großartigen digitalen Vernetzungsmöglichkeiten" nicht verhindern, dass sich neue Formen von Einsamkeit und Anonymität bilden. Und weiter: "Digitale Medien können Distanzen überwinden, aber keine menschliche Nähe herstellen." Dem stellte Grünwidl den Heiligen Geist als Kraft der Verbindung und Versöhnung gegenüber. Nicht Technik und Wohlstand machten das Leben reich, sondern "die persönlichen Beziehungen, das Miteinander und die Gemeinschaft".
Wissen versus Bildung
Auch die rasante Wissensvermehrung durch KI bedeute nicht automatisch ethischen Fortschritt oder bessere Bildung, so der Wiener Erzbischof. Daten und Wissen allein würden nicht ausreichen. "Es braucht heute mehr denn je Orientierung, damit wir Wahrheit und Lüge, Wichtiges und Unwichtiges, Gut und Böse erkennen und unterscheiden können. Da hilft der Geist der Erkenntnis und der Weisheit wie ein innerer Kompass."
Mit Blick auf Weltkirche wie Weltlage verband Grünwidl die Pfingstbotschaft schließlich mit einem Appell gegen Krieg, soziale Ungleichheit und Umweltzerstörung. Die Welt sei zwar digital vernetzt, zugleich aber "gespalten und verfeindet". Während Milliarden in Aufrüstung investiert würden, hungerten Millionen Menschen. Der Heilige Geist könne helfen, die Welt "menschlicher, friedlicher, hoffnungsvoller" zu machen.