Bischof Hermann Glettler über "Magnifica Humanitas": "Stark an prophetischer Warnung und anwaltschaftlich auf der Seite der Hoffnung" - "Zukunft entscheidet sich nicht an der Leistungsfähigkeit unserer Systeme, sondern daran, ob wir Verantwortung übernehmen"
Innsbruck, 25.05.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat mit "Magnifica Humanitas" eine "dringend benötigte Orientierung für unsere Zeit" vorgelegt, die "bestimmt kulturprägend weit über den kirchlichen Bereich hinaus" sein wird. Das hat Bischof Hermann Glettler am Pfingstmontag in einer Stellungnahme zur neuen Enzyklika des Papstes gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress betont. Schon nach einer ersten Lektüre des Textes überzeuge der "positive Ansatz des Lehrschreibens: Papst Leo fordert uns auf, auch angesichts der Versprechungen der KI die Größe der menschlichen Person, ja die 'Schönheit des Menschseins' als Korrektiv und Maßstab zu bewahren", so Glettler, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für den Bereich "Gesellschaftliches Engagement" zuständig ist.
Die neue Enzyklika sei "stark an prophetischer Warnung, bleibt aber dennoch anwaltschaftlich auf der Seite der Hoffnung.", unterstrich Glettler, der auch für die kürzlich von der Bischofskonferenz eingesetzte "Arbeitsgruppe zum Umgang der Katholischen Kirche in Österreich mit Künstlicher Intelligenz" zuständig ist. "Papst Leo vermittelt auch die Gewissheit, dass wir Wege und Werkzeuge finden werden, um mit den 'neuen Realitäten' verantwortungsvoll umzugehen."
In der Tradition großer sozialkirchlicher Lehrschreiben nehme Papst Leo XIV. eine "klare Zeitdiagnose" vor und setze zugleich einen eigenen, stark anthropologisch und kulturkritisch zugespitzten Akzent. "Es geht nicht um Einzelprobleme, sondern um eine Richtungsentscheidung für die ganze menschliche Zivilisation - um die Entscheidung zwischen Macht und Beziehung", betonte Glettler.
"Entwaffnung der KI"
Als zentrale Passage der Enzyklika bewertete der Bischof die Ausführungen zum Aufbau einer "Zivilisation der Liebe" und zur "Entwaffnung der KI": "KI zu 'entwaffnen', bedeutet nicht, auf Technik zu verzichten, sondern sie der Logik von Macht und Dominanz zu entziehen." Es gehe darum, die vermeintliche Selbstverständlichkeit aufzubrechen, mit der technische Überlegenheit mit einem Recht zu herrschen verbunden wird. Glettler wörtlich: "Damit bleibt die Enzyklika nicht bei der Diagnose stehen, sondern eröffnet eine Perspektive der Hoffnung. Fortschritt wird neu verstanden - nicht als Steigerung von Macht, sondern als Vertiefung von Beziehung und Verantwortung."
Über dem gesamten Dokument stehe ein Leitwort, das alles zusammenfasst: In der Zeit der Künstlichen Intelligenz haben wir die "dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben", so der Bischof unter Verweis auf Absatz Nummer 15 in der Enzyklika. "So wird Magnifica Humanitas zu einem geistlichen und kulturellen Weckruf. Die Zukunft entscheidet sich nicht an der Leistungsfähigkeit unserer Systeme, sondern daran, ob wir Verantwortung übernehmen - für den Menschen und für eine Kultur der Begegnung, der Liebe und des Friedens."
Glettler resümierend: "Die neue Enzyklika ist ein energischer Aufruf, die menschliche Begegnung und das Menschliche selbst in allen Bereichen bewusst neu ins Zentrum zu stellen - und nicht blind einer Technik zu vertrauen, so verlockend auch deren Versprechungen sind."
Bischofskonferenz-Vorsitzender: Leo XIV. benennt positive Errungenschaften des Fortschritts, "zeigt aber auch deutlich die mannigfaltigen Risiken auf, die uns als Gesellschaft erwachsen, wenn der Mensch sich letztlich selbst verdrängt"
Anthropic-Mitgründer bei Vorstellung der Sozialenzyklika von Papst Leo: "Wir brauchen informierte Kritiker, die den Labors sagen, wenn wir versagen. Wir brauchen moralische Stimmen, die sich von Anreizen nicht beugen lassen."