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Kardinal lobt Vergebungsbitte für Sklaverei in Papst-Enzyklika

25.05.2026 15:36
Deutschland/Vatikan/Papst/Kirche/Gesellschaft/Enzyklika/Ethik/KI
Kölner Erzbischof Woelki weist auf überraschende Aspekte in neuer Sozialenzyklika von Leo XIV. hin
Köln, 25.05.2026 (KAP/KNA) Der deutsche Kardinal Rainer Maria Woelki hat die neue Papst-Enzyklika zum Thema KI als fast schon historisch gewürdigt. Besonders beeindrucke ihn die "aufrichtige Vergebungsbitte" für die Sklaverei, betonte er in einer ersten Stellungnahme.

Der Papst schaffe in seinem am Montag vorgestellten ersten Lehrschreiben etwas, was ohne Beispiel sei, fügte der Kölner Erzbischof hinzu: "Er verbindet eine aufrichtige Vergebungsbitte der Kirche für ihre historische Mitschuld an der Sklaverei mit einer prophetischen Anklage der Gegenwart. Und er prägt einen Begriff, der die ethische Debatte unserer Zeit verändern kann: Er fordert, die Künstliche Intelligenz zu entwaffnen."

Alles andere als technikfeindlich

Dabei sei "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) alles andere als ein technikfeindliches Dokument. Der Papst erkenne ausdrücklich an, Technologie könne "heilen, verbinden, bilden und unser gemeinsames Haus schützen". Das Potenzial der KI sei enorm - solange man sie als Werkzeug zum Guten gebrauche. Woelki ergänzte: "Auf meinen Reisen in die Ukraine und ins Heilige Land habe ich gesehen, was es bedeutet, wenn Algorithmen über Ziele entscheiden, während die Opfer Gesichter, Namen und Familien haben."

Der Papst bringe auf den Punkt, was er dort empfunden habe, so der Kardinal weiter: "Es existiert kein Algorithmus, der Krieg moralisch vertretbar machen könnte." Und Leo XIV. gehe dann sogar noch weiter und fordere die Überwindung der Theorie des "gerechten Krieges". Diese werde allzu oft herangezogen, um alle möglichen Kriege zu rechtfertigen. "Das ist ein mutiger Schritt, der die katholische Friedensethik auf eine neue Stufe hebt", betonte Woelki.

"Entwaffnen" als Schlüsselbegriff

Besonders bewege ihn dabei das Wort "entwaffnen". Der Papst schreibe, entwaffnen bedeute nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrsche. Es bedeute, sie Monopolen zu entziehen, sie hinterfragbar und anfechtbar und damit lebensfreundlich zu machen.

Leo XIV. würdige die technologische Innovation sogar als "eine menschliche Form der Teilnahme am göttlichen Schöpfungsakt". Umso ernster, so Woelki, sei der Maßstab, den er mit Verweis auf Papst Johannes Paul II. (1978-2005) anlege: "Macht KI das menschliche Leben auf dieser Erde wirklich in jeder Hinsicht 'menschlicher'? Macht sie das Leben 'menschenwürdiger'?"

Vergebungsbitte für Skalverei

Der Kölner Erzbischof verwies weiterhin darauf, dass der Papst nicht nur nach vorn blicke: "Er blickt auch mit einer Ehrlichkeit in die Geschichte zurück, die mich tief beeindruckt. Er bittet im Namen der Kirche um Vergebung für die Mitschuld an der Sklaverei - und schlägt dann den Bogen zu den unsichtbaren Ausbeutungsketten unserer digitalen Gegenwart: zu den Kindern in den Minen, den unsichtbaren Datenarbeitern, den Opfern des Menschenhandels über digitale Plattformen. Seine Warnung sollte uns alle aufrütteln."
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