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Enzyklika: Papst zitiert auch Tolkien, Frankl, Arendt und Platon

25.05.2026 16:24
(zuletzt bearbeitet am 25.05.2026 um 16:26 Uhr)
Vatikan/Papst/Enzyklika/Literatur
Unter den 224 Quellenangaben des Lehrschreibens "Magnifica humanitas" finden sich vier Personen, die nicht zur katholischen Lehrtradition zählen
Vatikanstadt, 25.05.2026 (KAP) In seiner Enzyklika "Magnifica humanitas" kann Papst Leo nicht nur reichlich aus den Quellen der Katholischen Soziallehre schöpfen, unter den insgesamt 224 Fußnoten des Dokuments gibt es auch vier Überraschungen. So findet der "Herr der Ringe" von John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien genauso Eingang in die Sozialenzyklika des Kirchenoberhaupts wie Gedanken von Viktor Frankl, Hannah Arendt und Platon, die allesamt nicht das katholische Lehramt vertreten.

Beide ehrwürdige Herren treten ausschließlich in Weiß auf. Doch ist die Gewandfarbe offenbar nicht das einzige, was Papst Leo XIV. und Gandalf den Weißen, Zauberer aus dem "Herrn der Ringe", verbindet. Denn, das im 213. Absatz der Enzyklika wörtlich übernommene Zitat aus dem dritten Band der Reihe, "Die Rückkehr des Königs", stammt - wenn auch im Lehrschreiben nicht namentlich erwähnt - von Gandalf: "Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden."

Papst Leo sieht in dieser Äußerung aus dem Buch die Verantwortung der Kirche im Bezug auf den Umgang mit KI gut beschrieben. "Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Taten der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen", heißt es im Lehrschreiben: "Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können."

Arendt, Frankl, Platon

Auf Arendt verweist Leo XIV. in jenen Passagen des Lehrschreibens, in denen er vor den Gefahren der Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz warnt. In Absatz 134 zitiert er aus Arendts 1951 erschienenem Werk über "Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft". Der ideale Untertan totalitärer Herrschaft seien "Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktion (d. h. der Wirklichkeit der Erfahrung) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (d. h. den Maßstäben des Denkens) nicht mehr existiert".

Dass es bei allem unmenschlichen Verhalten, von Menschen verursachten Tragödien und trotz aller menschlichen Begrenztheit immer auch Raum gibt für Mitgefühl und die aufrichtige Sorge um die Bedürfnisse andere, untermauert der Papst mit einem Frankl-Zitat aus dessen Schrift "Grundkonzepte der Logotherapie". "Viktor Frankl sagte zu Recht, dass wir in Momenten des Grauens 'den Menschen kennengelernt [haben], wie er wirklich ist. Der Mensch ist schließlich jenes Wesen, das die Gaskammern von Auschwitz erfunden hat; aber er ist auch jenes Wesen, das diese Gaskammern mit erhobenem Haupt betreten hat, mit dem Vaterunser oder dem Sch'ma Jisrael auf den Lippen'", schreibt Leo in Absatz 121. Der Wiener jüdische Arzt und Psychotherapeut erlebte und überlebte das Grauen der NS-Konzentrationslager.

Auf den antiken Philosophen Platon greift Papst Leo bei seiner Forderung nach einem Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter zurück. "Die Erziehung zum Umgang mit KI bedeutet daher auch, zu lernen, wann und wofür man sie nicht einsetzen sollte", schreibt das Kirchenoberhaupt in Absatz 140 und warnt davor, dass die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der man via KI eine Antwort oder eine Zusammenfassung erhält, auch die Gefahr berge, den Wunsch nach dem Stellen von Fragen zu ersticken. Ein Nachteil, den er mit Einsichten Platons untermauert: "Wie Platon schrieb, werden die tiefgründigsten und wichtigsten Dinge erst nach viel Zeit und Mühe erlernt, indem man sich mit anderen austauscht und Konzepte und Erfahrungen wie Feuersteine aneinander 'reibt', bis der Funke des Verständnisses in uns entflammt."
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