Erzabt Hortobágyi zuversichtlich ob künftiger Zusammenarbeit mit Tisza-Regierung
Budapest, 26.05.2026 (KAP) In der neuen ungarischen Regierung werden künftig der katholische Kulturhistoriker und Philosoph György Heidl und der Jurist István Czeti für Kirchenfragen zuständig sein. Ministerpräsident und Tisza-Parteichef Peter Magyar hat den 58-jährigen Heidl, der seit Langem eine zu enge Verflechtung von Kirche und Staat in Ungarn kritisiert, als auch für Kultusangelegenheiten verantwortlichen Staatssekretär für gesellschaftliche Beziehungen nominiert; Czeti, er unterrichtete bisher Römisches Recht an der Budapester ELTE-Universität, soll als stellvertretender Staatssekretär die Zuständigkeit für Kirchen und Religionsgemeinschaften übernehmen, wie ungarische Medien berichten.
Das gesamte Staatssekretariat ist dem Ministerium für Gesellschaftliche Beziehungen und Kultur von Minister Zoltán Tarr (54) unterstellt, das u.a. auch die Bereiche Nationalpolitik, Zivilgesellschaft und Nationalitäten-Angelegenheiten umfasst. Der neue Kulturminister Tarr, früher Hochschulseelsorger und Pfarrer der reformierten Kirche in Ungarn, ist seit Mitte 2024 stellvertretender Vorsitzender der Tisza-Partei. In einer Stellungnahme erklärte er, die Regierung wolle "die Kultur, die Kirchen oder die Zivilgesellschaft nicht steuern, sondern lediglich den Rahmen für ihr freies Funktionieren sichern".
Der neu ernannte Staatssekretär Heidl ist Autor und Herausgeber zahlreicher renommierter Fachzeitschriften und hat mehrere hundert Publikationen im Bereich Ästhetik und Philosophiegeschichte veröffentlicht. Seit 2018 ist er Universitätsprofessor, zwischen 2019 und 2023 auch Dekan der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Pécs. Von 2014 bis 2018 arbeitete Heidl als Bereichsleiter für Wissenschaft, Kultur und Kommunikation in der Diözese Pécs.
Heidl kritisierte in der Zeit der Orban-Regierung immer wieder die "Allianz zwischen der aktuellen politischen Macht und kirchlichen Führungspersonen". Dass Kirchen in großem Umfang Bildungs-, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen betreiben, birgt aus seiner Sicht die Gefahr, dass deren Finanzierung eine Abhängigkeit der Kirchen vom Staat verfestigt. Die Kirchen, so Heidl, müssten daher ein grundlegendes Interesse daran haben, sich aus der "Fessel der Staatsmacht" zu befreien, um ihre ursprüngliche Sendung erfüllen zu können.
Erzabt Hortobágyi zuversichtlich
Zuversichtlich hinsichtlich der Zusammenarbeit mit dem neuen Ministerium und Staatssekretariat äußerte sich der Erzabt von Pannonhalma, Cirill Hortobágyi. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Dienstag) betonte er, dass die ernannten Personen sowohl über die notwendige Ausbildung als auch über Erfahrung und persönliche Eignung verfügten. Man teile die grundlegende Sichtweise, wonach Kirche und Staat als getrennte Entitäten betrachtet werden müssen, und der Staat sowohl die freie Tätigkeit ohne äußere politische Einflussnahme als auch die dafür notwendigen Rahmenbedingungen gewährleisten solle. Es sei wichtig, dass die Kirche in dieser vielfältigen Welt ihre Meinung frei äußern könne, so der Erzabt.
Hortobágyi benannte Finanzfragen und den Religionsunterricht als wesentlich in den Staat-Kirche-Beziehungen. Der Erzabt brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die katholische Kirche in Person der jüngst zur bildungspolitischen Hauptberaterin der Ungarischen Bischofskonferenz ernannten Rita Rubovszky eine gut vorbereitete Verhandlungspartnerin habe. Die bisherige Generaldirektorin der Zisterziensischen Schulbehörde war nach dem Wahlsieg von Magyars Tisza-Partei kurzfristig als mögliche Bildungsministerin gehandelt worden.
Religions- oder Ethikunterricht verpflichtend
Zum Religionsunterricht in Ungarn sagte Hortobágyi, dass es derzeit die freie Entscheidung der Eltern sei, ob ein Schüler konfessionellen Religionsunterricht oder Ethik besuche. Die Finanzierung hierfür sei bislang vom Staat gewährleistet worden. Man müsse sich nun mit der zukünftigen Praxis auseinandersetzen, erklärte der Erzabt.
In Ungarn wurde der verpflichtend wählbare Ethik- oder Religions- und Moralkundeunterricht 2011 schrittweise an staatlichen Schulen eingeführt und bis 2016 auf alle acht Klassenstufen der Grundschule ausgeweitet. Nach Daten aus dem Jahr 2025 wählen an staatlichen Grundschulen etwa 46 Prozent der Schüler Religionsunterricht und 54 Prozent Ethikunterricht. Unter Einbeziehung der kirchlichen Schulen liegt der Anteil der Schüler im Religionsunterricht bei über 60 Prozent. Die Einführung der verpflichtenden Wahlmöglichkeit führte zugleich zu einem deutlichen Rückgang des Religionsunterrichts in Pfarrgemeinden.
Nach Ansicht Hortobágyis darf der Wandel des politischen und kulturellen Umfelds seitens der Kirche nicht als Verlust erlebt werden, sondern als geeigneter Moment, die eigene reale Situation zu erkennen. Der Benediktiner-Erzabt betonte, dass heute nicht mehr entscheidend sei, welches gesellschaftliche Gewicht die Kirche habe, sondern wie glaubwürdig ihre Präsenz sei. Auch in Ungarn zeigten sich das Ende gesellschaftlicher Automatismen, ein Generationsbruch und der Verlust institutionellen Vertrauens. Parallel dazu sei der persönliche Charakter des Glaubens stärker in den Vordergrund gerückt.