Appell zu Rückkehr auf "Weg des Dialogs mit Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein"
La Paz, 26.05.2026 (KAP/KNA) Nach mehr als 20 Tagen voller Proteste und Straßenblockaden bietet die katholische Kirche in Bolivien sich als Vermittlerin an. In einer Stellungnahme ruft sie "die Konfliktparteien und die Regierungsbehörden dazu auf, angesichts der schwierigen Lage, in der sich das Land befindet, den Weg des Dialogs mit Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein wieder aufzunehmen".
Die Kirche erkenne an, dass es berechtigte Forderungen und Anliegen bestimmter Bevölkerungsgruppen gebe, die Beachtung verdienten, heißt es laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) in einer vom Bischof von El Alto, Giovani Arana, zugleich Generalsekretär der Bischofskonferenz, am Montag (Ortszeit) verlesenen Erklärung. Gleichzeitig warnten die Bischöfe jedoch vor dem zunehmenden Leid der Bevölkerung durch die anhaltenden Blockaden: Familien litten unter Versorgungsengpässen, Kranken fehle es an medizinischer Versorgung, es herrschten Unsicherheit und Angst, besonders unter den Ärmsten und Schwächsten.
Präsident Paz offen für Dialog
Um die Krise zu lösen, seien ein echter Wille zur Verständigung und die Bereitschaft, starre Positionen aufzugeben, notwendig. Die Kirche sei bereit, alle aufrichtigen Bemühungen um Annäherung und Versöhnung zu begleiten. Boliviens konservativer Präsident Rodrigo Paz erklärte: "Ich werde mich nach Kräften um einen Dialog bemühen, aber alles hat seine Grenzen."
Regierungsvertreter werfen dem linkspopulistischen Ex-Präsidenten Evo Morales vor, gezielt Proteste zu schüren, um von Vorwürfen und Ermittlungen wegen Missbrauchs und Menschenhandels abzulenken und seine Verhaftung zu verhindern. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, wirtschaftspolitische Entscheidungen auf Kosten der einkommensschwachen Bevölkerungsschichten zu treffen.