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Kardinal Müller erneuert Kritik an Piusbruderschaft

27.05.2026 11:48
Vatikan/Schweiz/Kirche/Konflikte/Piusbruderschaft
Traditionalistische Priesterbruderschaft teilt derweil Namen von Kandidaten zu angekündigter Bischofsweihe ohne Zustimmung des Papstes mit
Linz/Rom/Econe, 27.05.2026 (KAP) Ex-Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller sieht keinen Spielraum für eine volle Wiedereingliederung der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. in die katholische Kirche sofern diese nicht auch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zur Gänze anerkennt. "Die ganze Hermeneutik des katholischen Glaubens würde gesprengt, wenn man außerhalb des Lehramtes der Bischöfe in der Gemeinschaft mit dem Papst noch eine andere menschliche Instanz anerkennen müsste, die nach subjektivem Empfinden und Gutdünken sich autorisiert fühlt, die Einheit des jeweils letzten Konzils mit dem vorangehenden Lehramt festzustellen", sagte Müller in einem vom Portal "kath.net" am 26. Mai veröffentlichten Interview. Erneut hielt der Kardinal fest, dass eine Bischofsweihe ohne ausdrückliche Erlaubnis des Papstes nicht zu rechtfertigen sei.

Die Piusbruderschaft sei keine Ortskirche, die einen Sonderstatus beanspruchen könnte, sondern "nur ein lockerer Zusammenschluss von Priestern und Gläubigen, die sich als Bollwerk gegen die vermeintlichen Irrtümer verstehen, die ihrer Meinung nach von Rom gefördert oder geduldet würden", so Müller, und weiter: "Woher sie ihre Kontrollfunktion gegenüber dem Papst ableitet und beansprucht, erschließt sich der theologischen Vernunft des katholischen Glaubens nur schwer." Aus Sicht des Kardinals ist klar: "Man kann nicht gut katholisch sein, wenn man verbindliche Aussagen des kirchlichen Lehramtes seinem subjektiven Maßstab unterwirft."

"Niemand hat Anspruch auf Bischofsweihe"

Müller kritisierte in dem längeren Gespräch auch erneut die von der Piusbruderschaft geplanten Bischofsweihen ohne Zustimmung des Papstes. "Niemand hat Anspruch auf die Bischofsweihe (...) um den Bestand seiner Organisation rein menschlichen Rechtes zu gewährleisten. Denn dann würde die Kirche in Interessengruppen auseinanderfallen." Die Priesterbruderschaft begründet die für 1. Juli angekündigten eigenen Bischofsweihen mit der Sorge um ihren Fortbestand und einer diesbezüglichen Notlage. "Nur in einem Zustand der extremen Verfolgung, wenn der Kontakt zur Weltkirche und zu Rom völlig ausgeschlossen ist, wäre die Weihe eines Bischofs im Gewissen vor Gott und der im Glauben vorausgesetzten Einheit mit dem Papst moralisch gerechtfertigt", wies Müller dies zurück.

"Die angemessene Lösung wäre es, wenn sich die Piusbruderschaft nicht anmaßt, dem Papst die Bedingungen zu ihrer vollen Wiedereingliederung in die katholische Kirche zu diktieren, sondern wenn sie gemäß dem I. Vatikanum, auf das sie sich so gern beruft, anerkennt, dass man ohne die volle Gemeinschaft mit Papst Leo XIV. nicht voll und ganz katholisch sein kann", fügte der ehemalige Glaubenshüter hinzu. Und: "Weder der sogenannte Progressismus, der die geoffenbarte Wahrheit Christi den wechselnden Strömungen des Zeitgeistes ausliefert, noch der Traditionalismus, der die Gesamttradition der Kirche reduziert auf ein paar fixe Ideen, kann der Weg der Kirche sein."

Vier Kandidaten zur Bischofsweihe

Unterdessen hat die Piusbruderschaft die Namen jener vier Kandidaten mitgeteilt, die am 1. Juli in Econe im Schweizer Wallis zu Bischöfen geweiht werden sollen. Da Papst Leo XIV. die Weihe wegen lehrmäßiger Differenzen mit der Bruderschaft nicht erlaubt hat, droht den Kandidaten sowie dem weihenden Bischof nach dem Kirchenrecht die von selbst eintretende Exkommunikation.

Es handelt sich demnach um den Schweizer Pascal Schreiber, den US-Amerikaner Michael Goldade und die Franzosen Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Der italienische Generalobere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, betonte laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA), die Zeremonie am 1. Juli habe "keinen anderen Zweck, als die Spendung der Sakramente (...) gemäß dem traditionellen Ritus der Heiligen Römischen Kirche und dem Glauben aller Zeiten aufrechtzuerhalten".

Es gehe um einen "Dienst an den Seelen und an der Kirche inmitten dieser beispiellosen Glaubenskrise", so Pagliarani; und weiter: "Unser Wille, der heiligen katholischen Kirche zu dienen, bleibt unerschütterlich, im Bewusstsein der dringenden Pflicht, das, was wir empfangen haben, treu und vollständig weiterzugeben; das heißt das, was die Kirche immer geglaubt, gelehrt und praktiziert hat."

Nein zu Reformen des Konzils

Die Piusbruderschaft lehnt die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab, insbesondere jene zu Ökumene und Religionsfreiheit. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.

Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht. Von den vier 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch Alfonso de Galarreta (69) und Bernard Fellay (68). Ihre Weihen sind nach dem Kirchenrecht unerlaubt, aber gültig.

"Keine parallele Autorität in der Kirche"

Der jetzige Generalobere Pagliarani betont, die Auswahl und die anstehende Weihe der Kandidaten entsprängen "keineswegs dem Willen, eine Jurisdiktionsgewalt für sich zu beanspruchen oder eine parallele Autorität innerhalb der Kirche zu errichten". Sie stellten auch in keiner Weise eine Leugnung, Ablehnung oder Herausforderung der uneingeschränkten Jurisdiktionsgewalt des Papstes über die Weltkirche dar.

Daher habe man Leo XIV. "aus Respekt vor der höchsten Autorität der Weltkirche" die Unterlagen dieser Priester vorgelegt; dazu "Erläuterungen, die für das richtige Verständnis dieses Vorgehens" erforderlich seien.
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