Fotografischer Essay thematisiert die gesellschaftliche Unsichtbarkeit von Frauen, Altern und Care-Arbeit - Crowdfunding soll Projekt verwirklichen
Klagenfurt, 28.05.2026 (KAP) Der fotografische Essay "SCHWESTER" der Wiener Fotografin Teresa Novotny handelt von Frauen, Care-Arbeit und Unsichtbarkeit. Er zeigt Ordensfrauen, die ihr Leben ohne große öffentliche Aufmerksamkeit der Pflege anderer verschrieben haben und solche, die nun selbst auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Zurzeit leben 40 Missionsschwestern vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg in Kärnten, das auch eine Pflegestation für die Schwestern beherbergt, die ihren Dienst auf der Welt bereits geleistet haben. Novotny, die im Sommer 2024 eine Woche mit den Schwestern verbracht hat, will ihren Bildern mit den Lebensgeschichten der Ordensfrauen einer immer kleiner werdenden Gemeinschaft ein "bleibendes" Format geben: Mit Hilfe von Crowdfunding soll ein Buch über das Fotoprojekt entstehen.
Novotny ist Agnostikerin und Feministin und hatte sich eigentlich immer dagegen gewehrt, in ein Frauenkloster zu fahren, um dort Urlaub zu machen, wie sie im Interview mit den Ordensgemeinschaften Österreich berichtet. Sie habe nach dem Ankommen drei Tage fast durchgeschlafen - aus Erschöpfung, nach einer "fürchterlichen Trennung", ausgelaugt von anspruchsvollen Jobs und dem Alltag als Mutter. Dann sei ihr bewusst geworden, dass sie mit den Ordensfrauen mehr Themen und Lebensrealitäten verbinden als angenommen: die gesellschaftliche Unsichtbarkeit von Frauen, Altern und Care-Arbeit.
"Viele unterschiedliche Lebensrealitäten, von versorgend bis hin zu versorgt werden, sind da nebeneinander", beschrieb Novotny das Kloster, zu dem ein Gästebetrieb mit Restaurant, ein Kindergarten, ein Klosterladen, ein Garten und ein ganzer Bauernhof zählen. Früher kümmerten sich die Schwestern, die vor Kurzem ihr 90-jähriges Bestehen gefeiert haben, noch selbst um alle Betriebe. In der Pflegestation etwa kümmert sich externes Pflegepersonal um die pflegebedürftigen Schwestern, weil die meisten Ordensfrauen selbst schon zu alt sind, um diese Aufgaben noch zu übernehmen. "Es gibt nur mehr sehr vereinzelt Schwestern, die noch Gemeindearbeit leisten, z.B. in Seniorenheimen oder als Bewährungshelferinnen", berichtete Novotny.
Resilienz und Widerstandsfähigkeit
Alle Schlüsselpositionen waren mit Frauen besetzt, als die Medienkünstlerin vor Ort war. "Da fand ich es dann noch mal interessanter, mir weiter zu überlegen, dass dieser Ort Teil einer sehr patriarchalen Struktur, die katholische Kirche, ist, in der diese Frauen altern. "Doch die Frauen kümmern sich umeinander, betonte Novotny. "Pflege ist hier kein Vorgang, sondern Beziehung. Sie hört nicht auf. Sie verwandelt sich".
Im Kloster Wernberg zeige sich ein Altern in Würde - für die Fotografin fast ein Akt der Resilienz und Widerständigkeit gegenüber der patriarchalen Struktur der Kirche und Gesellschaft.
Gleichzeitig seien auch diese Frauen den gleichen Dynamiken der Gesellschaft ausgesetzt, "und das ist mit einer strukturellen Unsichtbarkeit und auch wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden - obwohl sie bis ins hohe Alter leistungsfähig sind und das auch leben." Da aber diese Form des Zusammenlebens - viele Frauen an einem Ort, möglichst selbstverwaltet, im Idealfall viele Generationen unter einem Dach - "eine komplett andere ist, als wir das gewohnt sind", gebe sie neue Ideen für Kooperation und Kollektive. Etwa: Welche Bedingungen und Architektur muss vorhanden sein, um sichere Räume für Frauen zu schaffen, auch im Alter? Was kann das wirtschaftlich bedeuten, vor allem auch hinsichtlich einer gesellschaftlichen Wertschätzung von Care-Arbeit?
Wenn das Funding-Ziel bis Mitte Juli erreicht wird, kann das Buch vor Weihnachten 2026 erscheinen, so Novotny. "Es ist eine Alles-oder-Nichts-Kampagne, das heißt das Buch wird nur erscheinen, wenn genug Leute vorbestellen und unterstützen." (Info: https://www.startnext.com/schwester-fotobuch)