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Kardinäle Kasper und Koch: Höchste Zeit, an Gott zu denken

28.05.2026 15:47
Deutschland/Kirche/Religion/Welt
Tagung "Gott in der Welt von heute" der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart - " Von Norbert Demuth (KNA)
Stuttgart, 28.05.2026 (KAP/KNA) Am Anfang stand ein Eingeständnis der eigenen Mühsal: "Mit diesem Vortrag habe ich mich so schwergetan wie mit keinem anderen vorher", sagte Kardinal Walter Kasper am Donnerstag in Stuttgart. Über "Gott in der Welt von heute" zu sprechen, sei ein weites Feld. Doch dann wurde der 93-Jährige, der viel in der Welt herumgekommen ist und einst Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen war, recht schnell konkret.

Kasper warnte die katholische Kirche in Deutschland davor, andere Teile der Weltkirche mit Reformvorschlägen zu belehren. Man dürfe sich nicht arrogant verhalten oder die Marschrichtung angeben wollen, sagte Kasper. "Das wäre die beste Methode, sich unbeliebt zu machen in der Welt."

Kircheneinheit oder Anarchie

Ratschläge nach dem Motto "Wir sagen, wie es weitergeht" akzeptiere heute keiner mehr, sagte der emeritierte Kurienkardinal. Die Ortskirchen sollten die "Einheit der einen Kirche" beachten, sonst gebe es Anarchie.

Mit Blick auf die hiesige Kirche stellte er fest: "In Deutschland stecken wir momentan in einer tiefen Krise." Kasper kritisierte einen "Pessimismus und Skeptizismus, der in Deutschland so üblich geworden ist". In Afrika dagegen wachse das Christentum. Inzwischen gebe es mehr Katholiken in Afrika als in ganz Europa, wo eine "Gotteskrise" herrsche. "Diese Krise ist ein Sonderweg Europas."

"Aufklärung der Aufklärung nötig"

Er forderte, die Verkündigung des Gottesglaubens ins Zentrum der kirchlichen Arbeit zu rücken. Mit Blick auf die Aufklärung im 18. Jahrhundert - also jener Bewegung, die die Vernunft in den Mittelpunkt rückte - sagte Kasper: "Es ist eine Aufklärung der Aufklärung nötig und schon im Gange." Gerade in Frankreich, dem Land der Aufklärung, gebe es derzeit christliche Aufbrüche.

Gegenwärtig sei generell eine Zeit des Aufwachens und der Transformation der Kirche. Gott wirke nicht mit Gewalt und großem Triumph, sondern "zart" und "wie Hauch", sagte Kasper unter Berufung auf biblische Quellen. Gott sei selbst Liebe und Licht. "Wir sollen deshalb keine Dunkelmänner sein, die Angst machen, sondern Licht in die Welt bringen."

"Die wichtigste Aufgabe für Christen"

Kasper sprach bei der Tagung "Gott in der Welt von heute" der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Anlass war der 25. Jahrestag der Kardinalsernennung des früheren Rottenburger Bischofs. Kasper war von 1989 bis 1999 Bischof der württembergischen Diözese. Der amtierende Bischof Klaus Krämer war bei dem Vortrag zugegen.

Gekommen war aus Rom auch Kurienkardinal Kurt Koch (76). Der ehemalige Bischof von Basel ist seit 2010 im Vatikan Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Koch betonte ähnlich wie zuvor Kasper: "Für Christen gibt es heute keine wichtigere Aufgabe als den Gottesglauben zu den Menschen zu bringen." Es sei "höchste Zeit, an Gott zu denken". Koch betonte: "Die Frage nach Gott muss Vorrang vor Kirchenfragen haben."

Vielen Zeitgenossen sei Gott heute fremd oder überflüssig. "Manche haben sogar vergessen, dass sie Gott vergessen haben", sagte Koch. Die Kirche habe daher die Aufgabe, Menschen in einer säkularisierten und angeblich entzauberten Welt den Zugang zu Gott wieder zu öffnen.

Mensch ist "unheilbar religiös"

Denn der Mensch an sich sei "unheilbar religiös" - nicht in dem Sinne, dass er krank wäre. Sondern als Ebenbild Gottes, das ohne die religiöse Dimension gar nicht richtig verstanden werden könne.

Eigentlich, so der Kurienkardinal, habe deshalb jeder Mensch in seinem Wesen eine Offenheit für Gott angelegt und müsse gar nicht "um sich selbst kreisen".

Ohne Gott "zu Tode amüsieren"?

Jedoch sei dort, "wo Menschen der Himmel gleichsam verschlossen ist", die Versuchung groß, den Himmel auf Erden zu suchen und zu finden. Dafür stünden nur wenige Betätigungsfelder zur Verfügung: "Jene des Amusements, der Arbeit und der Liebe", zählte Koch auf. Daher bestehe "die große Gefahr, dass die Menschen sich zu Tode amüsieren, zu Tode arbeiten oder sich sogar noch zu Tode lieben". Eine Beziehung zu Gott hingegen sei "erlösend".
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