Rund 300.000 Besucher bei der "Langen Nacht der Kirchen"
29.05.202622:35
(zuletzt bearbeitet am 29.05.2026 um 22:56 Uhr)
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Wiener Stephansdom war wieder Besuchermagnet Nummer eins - Erzbischof Grünwidl: "Wichtiges und vitales Lebenszeichen der Kirchen in Österreich"
Wien, 29.05.2026 (KAP) An die 300.000 Besucherinnen und Besucher haben nach Schätzungen auch heuer wieder an der "Lange Nacht der Kirchen" teilgenommen. Unter dem Motto "MUTeinander" öffneten am Freitagabend rund 600 Kirchen und kirchliche Einrichtungen verschiedener Konfessionen bis in die späten Nachtstunden ihre Türen und Tore und luden zu insgesamt 1.700 Veranstaltungen bzw. Programmpunkten. Das gute Wetter tat ein Übriges und machte im Blick auf die Besucherzahlen weitgehend wett, dass heuer die Diözese Feldkirch pausierte und sich auch in der Erzdiözese Salzburg nur einige wenige Kirchen an der "Langen Nacht" beteiligten.
Besuchermagnet Nummer Eins war einmal mehr der Wiener Stephansdom. Dompfarrer Toni Faber, der wie jedes Jahr persönlich zigtausende Hände schüttelte, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress davon, dass der Dom wieder von unglaublich vielen Menschen gestürmt worden sei. Allein im Stephansdom waren es laut dem Dompfarrer rund 30.000 Besucher.
Die heuer zum 22. Mal veranstaltete Kirchennacht sei ein "wichtiges und vitales Lebenszeichen der Kirchen in Österreich", sagte der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Abend im Kathpress-Interview. "Es ist eine Art, niederschwellig Kirche mit offenen Türen zu erleben, die ein buntes Programm anbietet und wo ich hoffe, dass viele Menschen Kirche auch wieder sehr positiv erleben und einladend."
Die Besucherinnen und Besucher der Kirchennacht erwartete erneut ein vielfältiges Programm mit Konzerten, Diskussionen, besonderen Führungen, sozialen Initiativen, Performances und spirituellen Angeboten - bei freiem Eintritt und ohne Anmeldung bei den meisten Veranstaltungen. An der ökumenischen Großveranstaltung nehmen stets alle im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertretenen Kirchen teil.
Die "Lange Nacht der Kirchen" sei auch für die kleineren Kirchen im Land eine große Chance, sagte die evangelische Bischöfin Cornelia Richter gegenüber Kathpress. Das besonders vielfältige Programmangebot lasse die Menschen quasi "durch die Kirchen flanieren". "Lasst euch nicht entmutigen!", rief Richter mit Blick auf das diesjährige Motto der Kirchennacht auf. In der Bibel stehe der Satz "Fürchte dich nicht!" so oft wie kein anderer Satz: "Man kann immer im Kleinen, hier und jetzt und Schritt für Schritt, etwas bewirken und das würde ich gerne weitergeben", sagte die evangelische Bischöfin.
Inspiriert von der biblischen Erzählung des blinden Bartimäus ("Fasse Mut, steh auf!") lud die "Lange Nacht" dazu ein, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, Neues zu wagen und gesellschaftliche Herausforderungen nicht allein zu bewältigen. Ein sichtbares Zeichen für Begegnung, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzte man in Kooperation mit der zivilgesellschaftlichen Initiative "Österreich der runden & eckigen Tische". An mehreren Orten, darunter auch im Innsbrucker Bischofshaus und im Erzbischöflichen Palais in Wien wurden Abendessen und Tischgespräche organisiert, um Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammen und miteinander ins Gespräch zu bringen.
Dompfarrer Faber resümierte, es sei wieder eine Freude gewesen, "so viel Menschen willkommen zu heißen und auch so viele dankbare Menschen zu verabschieden, die mir durch die Bank Komplimente machten für die Lange Nacht der Kirchen, für das, was der Dom zu bieten hat und was auch ich als Seelsorger in 30 Jahren geleistet habe".
Superintendent: "Aufbrechen von Blasen kann gelingen"
"Das Aufbrechen von Blasen kann gelingen." Dieses Resümee hat der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist Freitagnacht im Kathpress-Gespräch zur Langen Nacht der Kirchen gezogen. Geist bestritt die Nacht in der Wiener Superintendentur gemeinsam mit der katholischen Pfarrer Wolfgang Unterberger in einem etwas ungewöhnlichen Format zum Thema "Mathematik, Theologie und Schach". Auf geistliche Impulse der beiden Pfarrer folgte ein kleines Schachturnier, bei dem der exzellente Schachspieler Unterberger gegen die Besucher Simultanschach spielte. Unter den Herausforderern war auch Superintendent Geist.
Wie die Partie ausgegangen ist, wurde nicht verraten, aber der Abend habe gezeigt, so Geist, dass man mit originellen Angeboten über den üblichen kirchlichen Rahmen hinaus viele Menschen ansprechen könne. Insofern habe die "Lange Nacht der Kirchen" auch in ihrer 22. Auflage nichts von ihrer Kraft verloren. "Wir konnten Blasen aufbrechen und die Begegnung von Menschen ermöglichen, die sich sonst wohl niemals begegnet worden wären", so Geist abschließend.