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Kritik an Festwochen
Kultur
Bild Copyright: © Jutta Steiner/Kathpress

"Nicht um jeden Preis": Thiels Auftritt bei Wiener Festwochen abgesagt

30.05.2026 20:53
Österreich/Kultur/Kunst/Politik/Theater/Festwochen
Öffentliche Debatte "Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik" mit Thiel und Theologe Palaver am 7. Juni abgesagt
Wien, 30.05.2026 (KAP) "Nicht um jeden Preis", begründete der Festivaleiter der Wiener Festwochen, Milo Rau, die am Samstag getroffene Entscheidung, den US-amerikanischen Tech-Milliardär Peter Thiel nicht bei den Wiener Festwochen auftreten zu lassen. In den letzten Tagen hagelte es in den Medien, aus den eigenen Reihen der Festwochen und in der Öffentlichkeit Kritik an der Entscheidung, Thiel eine Plattform in Wien zu bieten. "Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst. Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend und im Rahmen der Republic of Gods thematisch konsequent gefunden hätte", so Rau in einer Aussendung.

Ein Beharren auf der Veranstaltung stünde jedoch im Widerspruch zu seiner Wertschätzung für das künstlerische Programm und alle daran Beteiligten. Aufgrund der medialen Debatte um die Einladung hatte die Geschäftsführung verschiedene Gremien um ihre Einschätzung gebeten. Am Freitag fand gemäß einem eigenen "Cancel-Prozedere" eine öffentliche Debatte unter dem Titel "Soll Peter Thiel bei den Wiener Festwochen sprechen?" im Odeon Theater statt.

Neben vielen Befürwortern der Einladung hagelte es scharfe Kritik, insbesondere an Festivalintendant Milo Rau, der harte Vorwürfe einstecken musste: Thiel sei kein "Grenzgänger", sondern ein echter Krimineller. Rau nehme die Aufmerksamkeit von anderen Kunstschaffenden, er ziehe berufliche Vorteile aus der Einladung, er stehe gern in den Schlagzeilen und biete einem faschistoiden Machtdespoten eine Bühne. Eine Stimme aus dem Publikum schlug vor, Thiel bei der Veranstaltung aktionistisch zu verhaften.

Am Samstag fanden weitere Besprechungen im Gremium statt. "Diese Gesellschaft ist und muss stark genug sein, um auch polemische, spaltende, unsolidarische, extremistische, undemokratische oder verfassungswidrige Stimmen und Beiträge zu ertragen, zu erdulden, ihnen entgegenzutreten, sie aufzudecken und ihnen entgegenzuwirken." So das Statement des im Zuge des Cancel-Prozederes einberufenen Beratungsgremiums, bestehend aus Natasha Tripney (Autorin und Kritikerin in London und Belgrad, Mitglied des Programmbeirats), Monika Mokre (Politikwissenschaftlerin, Mitglied des Rats der Republik) und Matthias Pees (Intendant der Berliner Festspiele).

Doch nachdem sich die Wiener Festwochen "einer wachsenden Anzahl kritischer Stimmen und immer zahlreicheren politisch oder ethisch motivierten Absagen von Beteiligten des künstlerischen Programms gegenübersehen" würden und "diese Absagen in ihrer Gesamtheit die diesjährigen Festwochen in einem untragbaren Umfang" schwächten, habe sich die Geschäftsführung entschlossen, die Debatte mit Peter Thiel abzusagen, hieß es.

Geplant war eine öffentliche Debatte zum Thema "Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik" mit Thiel am 7. Juni mit dem Theologen und Thiel-Kenner Prof. Wolfgang Palaver im Hotel InterContinental. Dieser verteidigte am Freitag die Einladung Thiels als Chance, "ihm Fragen zu stellen und seine Thesen kritisch zu diskutieren". Er habe den Eindruck, dass viele Medien und Menschen nicht "kapieren" würden, was Thiel überhaupt mache. "Es ist wichtig zu verstehen, wie Menschen, die so große Macht haben, ticken, denn guten Widerstand und alternative Modelle kann man nur dann fördern, wenn man sich nicht mit groben Etiketten zufriedengibt", erklärte er im Interview mit Kathpress.
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