Leo XIV. trifft in Barcelona seinen alten "Safari"-Freund wieder
01.06.202611:25
Spanien/Religion/Leute/Papst
Als der heutige Papst noch durch die Savanne von Tansania raste - Korrespondentenbericht von Manuel Meyer (KNA)
Barcelona, 01.06.2026 (KAP/KNA) In der Kirche Sant Agustí im Raval-Viertel von Barcelona herrscht Betrieb: Wände werden gestrichen, Blumenkästen aufgebaut. Es wird geputzt und geschrubbt. Pfarrer Faustin John Mlelwa fegt gerade den Altar. "Schließlich wollen wir uns von der schönsten Seite zeigen, wenn der Papst kommt", sagt Mlelwa mit herzlichem Lachen. Leo XIV. wird die Gemeindekirche am 10. Juni im Rahmen seiner Spanienreise besuchen. Geplant ist ein Treffen mit Vertretern von rund 90 Organisationen, die im Bereich der Armutsbekämpfung tätig sind. Das Raval-Viertel gehört zu den sozial problematischen der Hafenmetropole. Viele Migranten leben hier.
Die Messen der Augustí-Gemeinde werden vor allem von Filipinos, Peruanern und Ecuadorianern besucht. "Viele von ihnen leben in ärmlichen und schwierigen Verhältnissen, einige sind obdachlos", berichtet Mlelwa der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Seine Pfarrei sammelt für sie Lebensmittel und Kleidung. "Ich hoffe, dass viele Nachbarn und Einwohner Barcelonas durch den Besuch des Papstes auf unsere Arbeit aufmerksam werden und uns noch mehr mit Spenden helfen."
Mlelwa freut sich sehr auf den Besuch des Papstes und darauf, ihn persönlich am Eingangstor seiner Pfarrei willkommen zu heißen. Denn die beiden kennen sich relativ gut, auch wenn sie sich seit Jahren nicht mehr gesehen haben. "Er ist zwar nun der Papst, aber es fühlt sich an, als würde mich ein Freund besuchen", verrät der Augustiner mit der sanften Stimme.
Prevost gab Gas
Er und der heutige Papst lernten sich 2003 in Tansania kennen. Mlelwa stammt aus dem ostafrikanischen Land. "Robert Prevost war damals der Generalprior unseres Ordens und war in Tansania, um die verschiedenen Augustinergemeinden persönlich kennenzulernen." Mlelwa sollte ihn zu den Gemeinden fahren. In einem Geländewagen legten sie zwei Wochen lang rund 2.000 Kilometer quer durch das Land zurück.
Um ihm eine Verschnaufpause zu gönnen, bot sich der heutige Papst an, auch mal das Steuer zu übernehmen. "Ich glaube aber fast, er hatte einfach Lust, mal durch die afrikanische Savanne zu heizen". Mlelwa benutzt das Wort "heizen" bewusst. "Der Papst war ein ziemlicher Raser, drückte ordentlich aufs Gas. Man sah ihm an, dass es ihm Spaß machte. Doch ich befürchtete die ganze Zeit nur, dass uns in jedem Moment ein Elefant oder eine Giraffe vors Auto laufen könnte und er bei der Geschwindigkeit nicht mehr rechtzeitig bremsen kann."
Es sei eine anstrengende, lange Reise gewesen. "Doch Prevost hat sehr viel Humor, hat die Stimmung mit Witzen und lustigen Anekdoten aufgeheitert", erinnert er sich. Und er habe den Papst als einen "sehr einfachen, bodenständigen und herzlichen Menschen kennengelernt". In den sehr bescheidenen Unterkünften habe er sich nie beschwert. Selbst mit dem Essen in den einfachsten Restaurants oder Ständen am Wegrand sei er zufrieden gewesen. "Er fragte mich immer, was ich nehmen würde und bestellte sich dann dasselbe", erinnert sich Mlelwa noch gut.
Mutige Entscheidung
Er fuhr den heutigen Papst aber nicht nur durch sein Land. Er übersetzte auch Prevosts Predigten aus dem Englischen ins Suaheli, die Amtssprache Tansanias und Zweitsprache des Priesters. Auf der langen Reise durch die afrikanische Wildnis haben sie viel miteinander gesprochen. "Er wollte wissen, warum ich Augustiner geworden bin, wollte über mein Leben erfahren."
Mlelwa wurde 1962 im Süden Tansanias in der Provinz Njombe geboren, "in einem kleinen abgelegenen Dorf mitten in der Savanne namens Mabanda". Heute leben dort über 10.000 Menschen. Seine erste religiöse Begegnung faszinierte ihn sofort. "Ich war zehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal in einer Kirche war. Wie der Priester sprach, beeindruckte mich. Ich sagte zu meiner Mutter: 'Ich möchte so sein wie er'." Aber die Mutter meinte erst einmal, das sei unmöglich. "Sie meinte, Priester seien gebildete Menschen, und das sei ein Beruf für Weiße. Denn sie hatte noch nie einen schwarzen Priester gesehen."
Mlelwa ließ sich nicht entmutigen. "Ich begann sofort mit dem Katechismus-Unterricht, um getauft zu werden und die Erstkommunion zu empfangen. Zu meiner Firmung kam ein Bischof. Er war schwarz wie ich. Da dachte ich mir: 'Es ist möglich.'" 1981 trat er ins Priesterseminar ein. Seit 1996 ist er Priester. "Mein Vater wollte nicht, dass ich Priester werde, aber am Tag meiner Weihe weinte er vor Rührung." Mlelwa studierte Theologie in Rom, wurde im spanischen Valladolid zum Diakon geweiht und kehrte nach Tansania zurück, wo er 15 Jahre lang als Priester wirkte.
Falsche Gewandfarbe
Dann bat Mlelwa darum, nach Peru gehen zu dürfen. Dort traf er eines Tages Prevost auf einem Augustinerkongress wieder, konnte ihn aber nicht grüßen. "Es waren zu viele Menschen um ihn herum. Doch später sagte man mir, er habe mich von weitem gesehen und wollte mit mir sprechen. Leider kam es nicht mehr zum Treffen. Aber jetzt sehe ich ihn ja wieder", sagt Pfarrer Mlelwa.
Doch vor dem Wiedersehen muss er sich noch ein neues Ordensgewand kaufen. "In Afrika tragen wir Augustiner traditionell weiß und nicht schwarz wie hier in Europa. Aber den Papst kann ich wohl schlecht in weiß empfangen."