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Exemplar der Enzyklika 'Magnifica humanitas'
Magnifica Humanitas
Bild Copyright: © Lola Gomez/Vatican Pool/KNA

Am Puls der Zeit: Orden und Theologen würdigen neue KI-Enzyklika

02.06.2026 13:53
Österreich/Papst/Medien/Technologie/Enzyklika/KI
Heimische Ordensgemeinschaften: Abschließende Imperative der Enzyklika treffen sich mit dem Anspruch eines zeitgemäßen Ordenslebens - Philosophin Paganini: Rezeption wird über Erfolg der Enzyklika entscheiden - Sozialethiker Neuhold: Papst beharrt auf Chance zur Gestaltung der neuen Technologie
Wien/Graz/Innsbruck, 02.06.2026 (KAP) Die vor gut einer Woche erschienene erste Enzyklika von Papst Leo XIV. - "Magnifica Humanitas. Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz" - beschäftigt weiterhin Theologen wie Philosophen und die heimischen Orden. Letztere äußerten sich am Dienstag in einer Presseaussendung und begrüßten die hohe Wertschätzung, die Papst Leo in seiner Enzyklika der Katholischen Soziallehre entgegengebracht hat sowie, dass die KI-Thematik mit den brennenden Fragen von Krieg und Frieden verknüpft wurden. Wichtig sei die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen im Umgang mit KI und bei der Förderung des Friedens, betonten die Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Sr. Franziska Madl, und der Zweite Vorsitzende, Propst Anton Höslinger.

Speziell die die Enzyklika abschließenden fünf Imperative bzw. Appelle hätten einen direkten Bezug zum Ordensleben, da diese sich mit dem Anspruch des Ordenslebens treffen würden, "das exemplarisch für das Glaubensleben sein und in die menschliche Gesellschaft hineinwirken möchte", so Madl und Höslinger. Die Imperative, mit denen der Papst seine Enzyklika beschließt, lauten: "Bleiben wir der Wahrheit treu!", "Investieren wir in die Bildung, die bei uns selbst beginnt!", "Pflegen wir Beziehungen!", "Lieben wir die Gerechtigkeit und den Frieden!" sowie eine Betonung vom Gebet und seiner "transformierenden" Kraft.

Paganini: Enzyklika ist "am Zahn der Zeit und durchaus sehr konkret"

Der Innsbrucker Philosophin und Sozialethikerin Claudia Paganini zufolge sei es zum einen "beachtlich", dass sich der Papst in dieser Breite und mit diesem Fokus auf das Thema KI einlasse, das aktuell sehr viele Menschen beschäftige. Auch sei es gut, dass der Papst das "Normative" hervorstreiche, "was hinter der KI eigentlich mitschwingt" - und was nur wenigen Menschen, die KI-Tools nutzen, bewusst sei, sagte Paganini im Interview mit "VaticanNews". Vieles hänge nun jedoch davon ab, wie die Enzyklika rezipiert werde. Schließlich können man durchaus bezweifeln, "dass diejenigen Leute, die KI vergöttlichen und in KI vielleicht sogar eine neue Gottheit sehen, die Enzyklika aufmerksam lesen und sich durch die entsprechenden Passagen hinterfragt und kritisiert fühlen."

Weniger problematisch erachtete die christliche Philosophin, die selber ein Buch über KI geschrieben hat, die rasche technologische Entwicklung, die eine Enzyklika im Blick auf die Technik und die Anwendungsfelder rasch alt aussehen lasse: "Die grundsätzlichen Überlegungen des Papstes, die das Ganze tragen und stützen und die aus der christlichen Sozialethik entwickelt sind und auf die konkreten momentanen technischen Begebenheiten angewendet sind, werden auch längere Zeit bestehen bleiben. Da ist der Papst, würde ich sagen, am Zahn der Zeit und auch durchaus sehr konkret."

Neuhold: Gestaltungsraum statt "lähmender Pessimismus"

Grundsätzlich positiv bewertete schließlich auch der emeritierte Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold die Enzyklika. Darin verfalle der Papst löblicherweise "nicht einem lähmenden Pessimismus, der die Zeit für die Wahl schon vorbei sieht", sondern er sehe und beschreibe die Chance, "die Technologie so zu gestalten, dass sie ein Werkzeug zur Bewältigung der Herausforderungen wird", schrieb Neuhold in einem Beitrag im steirischen "Sonntagsblatt".

Auch die Zuspitzung auf die Frage der künftigen Entwicklung in Richtung Babel oder in Richtung Jerusalem (als biblische Synonyme für menschliche Hybris auf der einen Seite und eine Stadt, in der Mensch und Gott gemeinsam wohnen, auf der anderen Seite) sei produktiv: "Babel oder Jerusalem - das hängt davon ab, welchen Weg wir wählen: den einer den Menschen nach ihrem Bild gestaltenden KI, die sich an die Stelle Gottes setzt, oder den Weg mit Gott auf Gott hin, auf dem KI - als Mittel der Gestaltung der Lebensbedingungen aller - Einsatz finden kann."
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