Schau in Räumen der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg widmet sich bis 30. Juni einem der dunkelsten Kapitel der Salzburger und österreichischen Geschichte
Salzburg, 02.06.2026 (KAP) Unter dem Titel "Die Würde des Menschen ist antastbar? NS-Euthanasie in Salzburg" widmet sich eine neue Ausstellung in den Räumen der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte Salzburgs und Österreichs. Bis 30. Juni werden die Morde an Menschen mit Beeinträchtigungen und Krankheiten in Salzburg aufgezeigt und die Schicksale der Opfer und die Verantwortung der Täterinnen und Täter dokumentiert. Auch Formen des Widerstands gegen die NS-Verbrechen sowie neue Ansätze der Erinnerung werden kritisch beleuchtet. Die Eröffnung fand am Montag in der Fakultät statt.
Nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurden auch in Salzburg die sogenannten "erbgesundheitlichen" Maßnahmen des NS-Regimes in der österreichischen Gesellschaft umgesetzt. Menschen mit Beeinträchtigungen unterschiedlichster Art, psychischen Erkrankungen oder anderen Beeinträchtigungen wurden gedemütigt, entrechtet, zwangssterilisiert und schließlich ermordet. Allein aus Stadt und Land Salzburg wurden mindestens 500 Menschen im Rahmen der NS-"Euthanasie"-Verbrechen getötet, wie es in einer Aussendung der Veranstalter heißt. Viele wurden aus Pflegeanstalten und Krankenhäusern deportiert und in Tötungsanstalten wie Schloss Hartheim ermordet. Andere starben durch gezielte Unterversorgung oder systematische Vernachlässigung.
Die Ausstellung mache deutlich, "dass hinter jeder Zahl, hinter jedem Opfer individuelle Lebensgeschichten stehen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Namen, Familien, Hoffnungen und Zukunftsplänen, die als 'lebensunwert' diffamiert und vernichtet wurden".
Die Ausstellung widmet sich auch den Täterinnen und Tätern und ihren Handlungsspielräumen. Dabei werde sichtbar, "dass die Verbrechen nicht allein von den Spitzen des NS-Regimes organisiert wurden". Vielmehr seien Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungsbeamten und andere Bedienstete an Auswahl, Registrierung, Deportation, Ermordung und Vertuschung der Opfer beteiligt gewesen. Gezeigt werde exemplarisch, wie die Vernichtungsmaschinerie nur durch das Mitwirken zahlreicher Einzelner funktionieren konnte.
Gleichzeitig thematisiert das Projekt die erschreckende Tatsache, dass nach 1945 nur wenige Verantwortliche juristisch belangt wurden. Viele Verfahren verliefen im Sand, zahlreiche Täterinnen und Täter hätten sich einer Bestrafung entzogen oder wurden nie angeklagt.
Mutige Beispiele des Widerstands
Neben den Verbrechen richtet die Ausstellung den Blick auch auf Menschen, die sich dem NS-Regime widersetzten. So zum Beispiel die Ordensschwester Anna Bertha Königsegg, die in der Pflegeanstalt Schloss Schernberg versuchte, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Krankheiten vor der Deportation zu schützen. Trotz persönlicher Gefährdung und mehrfacher Verhaftung durch die Gestapo setzte sie sich gegen die Verschleppung von Schutzbefohlenen ein.
Darüber hinaus werden weitere Formen zivilen Ungehorsams dokumentiert - von Hebammen, die Neugeborene mit Beeinträchtigungen nicht meldeten, bis zu Personen, die trotz Verbots über die Morde sprachen und Familien über das Schicksal ihrer Angehörigen informierten.
Die Ausstellung entstand als gemeinsames Projekt von Studenten der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Schülern der HLWM Annahof Salzburg sowie Experten des Salzburg Museums und Studierenden der Universität Salzburg. Menschen mit Beeinträchtigungen waren an der Entwicklung der Ausstellung beteiligt. Ergänzend wurden eine Broschüre und ein Audioguide in einfacher Sprache erstellt, um möglichst vielen Besuchern einen selbstbestimmten Zugang zu den Inhalten zu ermöglichen. Die Verantwortlichen sehen das Projekt nicht nur als historischen Rückblick, sondern auch als Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Inklusion, Menschenrechte und den Wert menschlichen Lebens.