Vatikan baut ganz auf Sonne: Papst beschleunigt Energieprojekt
02.06.202615:13
Vatikan/Italien/Papst/Umwelt/Energie
Papst richtet Stiftung "Fratello Sole" zum Bau von großer Agrivoltaik-Anlage nördlich von Rom ein
Vatikanstadt , 02.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. will den Ausbau erneuerbarer Energien für den Vatikan vorantreiben. Mit einer eigenen Stiftung soll die bereits unter seinem Vorgänger geplante große Agrivoltaik-Anlage, die den gesamten Kirchenstaat mit Strom versorgen soll, zügig gebaut werden. Das teilte der Vatikan am Dienstag mit. Die Einrichtung kombiniert die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen mit der Gewinnung von Solarstrom.
Schon Papst Franziskus (2013-2025) hatte den Bau im Jahr 2024 angestoßen. Die Anlage soll auf vatikaneigenem Gelände bei Santa Maria di Galeria im Nordwesten von Rom entstehen. Dort befinden sich auch die Sendemasten von Radio Vatikan. Das Areal umfasst 424 Hektar und ist damit deutlich größer als der Vatikanstaat. 1951 wurde es durch einen Vertrag zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl zum exterritorialen Gelände erklärt.
Papst Leo XIV. hatte das Gelände bereits kurz nach seinem Amtsantritt besucht. Nun soll sich die von ihm am 1. Juni gegründete Stiftung "Fratello sole" (Bruder Sonne) um den Bau und die Verwaltung der Anlage kümmern. Zudem ist sie zuständig für die Erzeugung, Verteilung, den Verkauf, die Lieferung und die Überwachung der Stromversorgung des Kirchenstaats. Geleitet wird sie von der Regierungschefin des Vatikanstaats, Raffaella Petrini, und dem Chef der vatikanischen Güterverwaltung, Erzbischof Giordano Piccinotti.
Netz-Vertrag mit Italien
Erst vergangene Woche war ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Italienischen Republik in Kraft getreten, der den Betrieb der Anlage in Ponte Galeria ermöglicht. Demnach wird der Vatikan künftig den dort gewonnenen Solarstrom ins italienische Netz einspeisen und kann umgekehrt kostenlos Strom aus diesem Netz beziehen. Wenn der auf vatikanischem Terrain erzeugte Strom den Eigenbedarf des kleinsten Staates der Welt übertrifft, geht die überzählige Energie ins Eigentum des italienischen Staates über.
Würde der Vatikan das gesamte ihm gehörende Gelände bei Ponte Galeria mit Solar-Paneelen bedecken, könnte er bis zu 200 Millionen Kilowattstunden jährlich produzieren. Das wäre mehr als das Zehnfache des Eigenbedarfs des kleinsten Staates der Welt.
Vatikanstaat wird Solarstrom aus noch zu bauender riesiger Fotovoltaik-Anlage nördlich von Rom künftig ins italienische Netz einspeisen und umgekehrt kostenlos Strom aus diesem Netz beziehen