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Theologe plädiert für mehr Praxisorientierung in Priesterausbildung

03.06.2026 11:20
Deutschland/Kirche/Priesterausbildung
Deutscher Pastoraltheologe Sellmann sieht noch Nachbesserungsbedarf, damit Geistliche auch komplexe Organisationsprozesse in Kirchengemeinden gut steuern können
Bonn, 03.06.2026 (KAP) Der Pastoraltheologe Matthias Sellmann hat seinen Ruf nach einer praxis- und organisationsbasierteren Priesterausbildung erneuert. Priester in Deutschland seien künftig auf vielen Ebenen gefordert, sie würden in den wachsenden Pastoralräumen "quasi die Verantwortung für ein mittelständisches Unternehmen übernehmen", sagte Sellmann im Interview dem Portal "katholisch.de". "Sie werden als Manager und Motivierer gefragt sein."

Kritisch sieht der Leiter des Bochumer Zentrums für angewandte Pastoralforschung (zap) daher, dass sich die neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung in Deutschland, die "Ratio Nationalis", trotz aller Fortschritte weiterhin zu sehr auf die Ausbildung der eigenen, reifen Persönlichkeit fokussiere. "Meine Sorge ist: Wenn man das Priesterbild fast ausschließlich darüber definiert, entsteht eine massive menschliche und organisationale Überforderung für die Kandidaten wie auch für die Verantwortlichen in der Ausbildung."

Den Priesteramtskandidaten müsse stärker vermittelt werden, dass sie nicht nur über Weihe und Charakter, sondern auch über ihre Rolle innerhalb der Gemeinde wirken. "Ich sage das mal zugespitzt: Wer als Priester seine Rollenanteile verweigert, dessen Motivation droht auszubrennen. Das ist dann im Hinblick auf Priestergesundheit und Arbeitgeberfürsorge ein ganz dringliches Thema", erklärte Sellmann. Er habe es schon miterlebt, dass "viele hoch idealistische Priester" mit großer liturgischer Motivation gestartet seien, und dann durch die nicht-geistlichen Anforderungen an sie desillusioniert wurden.

Pfarrer müssten auch Teams führen, Gremien moderieren, Gebäude und Finanzen verantworten, Freiwillige koordinieren und komplexe Organisationsprozesse steuern. "Ich halte es für problematisch, wenn man solche Aufgaben fast ausschließlich über das eigene Charisma bewältigen soll", so der Pastoraltheologe.

Echte Fortschritte

Vor rund zwei Jahren hatte das zap im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) eine große Priesterbefragung durchgeführt. Diese hatte bereits gezeigt, dass insbesondere administrative Aufgaben von vielen angehenden Priestern als deutlich untergeordnet angesehen wurden. Sellmann machte damals "eine starke Notwendigkeit zum Umsteuern in der Berufungspastoral und der Priesterausbildung" aus.

Die im März von der DBK veröffentlichte neue Ausbildungsordnung tritt im Oktober in Kraft. Positiv hebt Sellmann daran hervor, dass es darin eine stärkere Sensibilität für die Machtposition des Priesters sowie für die Missbrauchsproblematik gebe. Das seien echte Fortschritte, sagte der Theologe.
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