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Hilfsgüter-Ausgabe an Flüchtlingsfamilien in Anjar, Libanon
Krieg
Bild Copyright: © Torossian-Brigasky

Libanon: Helferin berichtet von neuer Fluchtwelle und Angst

03.06.2026 10:17
Libanon/Krieg/Flüchtlinge/Krise/Hilfsorganisation
Wienerin Torossian-Brigasky schildert dramatische Lage in Anjar - Weitere Vertriebene erreichen armenisches Dorf in der Bekaa-Ebene
Beirut, 03.06.2026 (KAP) Die Lage im Libanon hat sich nach Angaben der österreichischen Helferin Waltraud Torossian-Brigasky in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Aus dem ostlibanesischen Ort Anjar berichtete die Wienerin von einem neuerlichen Zustrom von Binnenvertriebenen aus den umkämpften Gebieten im Süden des Landes. "Ein neuer Flüchtlingsstrom durchzieht das Land in Richtung Beirut", schrieb Torossian-Brigasky am Mittwochmorgen an die Nachrichtenagentur Kathpress.

Besonders betroffen seien die Regionen um Nabatieh, Tyrus und Sidon. Dort würden die Kämpfe und Luftangriffe an Intensität zunehmen. Torossian-Brigasky sprach von schweren Bombardierungen und schilderte eine wachsende Belastung der Zivilbevölkerung. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Dienstagabend vier Tote und 127 Verletzte bei einem Angriff nahe eines Krankenhauses in Tyrus, das dabei selbst schwer beschädigt wurde.

Auch die militärische Lage hat sich zuletzt verändert. Die israelische Armee weitete ihren Einsatz im Südlibanon aus und überschritt nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vergangenes Wochenende den Litani-Fluss. Große Gebiete südlich des Flusses wurden zur Kampfzone erklärt. Die Entwicklungen lösten eine neue Fluchtbewegung aus, wobei es nach Angaben österreichischer Hilfswerke inzwischen über 1,5 Millionen Menschen Binnenvertriebene allein durch die Kämpfe der letzten Monaten gab.

Bereits Ende Mai hatte sich das libanesische Sozialministerium mit einem Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gewandt. "Der neuerliche Flüchtlingszuwachs ist von der Regierung nicht mehr alleine zu bewältigen", so Torossian-Brigasky. Unter anderem in Anjar, einem mehrheitlich von Armeniern bewohnten Ort in der Bekaa-Ebene nahe der Grenze zu Syrien, werden neu ankommende Familien in Schulen, kirchlichen Einrichtungen und anderen Notquartieren untergebracht. "Hier im Dorf verzeichnet man ebenfalls einen neuen Flüchtlingszuwachs. Sämtliche Vorbereitungen wurden bereits getroffen", so die Helferin.

Obwohl die Sicherheitslage in Anjar selbst vergleichsweise ruhig sei, präge der Krieg den Alltag. "An die 24-stündige Drohnenüberwachung kann man sich nur schwer gewöhnen", schrieb die Helferin. In der Nacht auf Montag hätten zwei heftige Explosionen in unmittelbarer Nähe Panik ausgelöst. "Alles hat gescheppert. Ich habe so etwas noch nie erlebt." Angst habe sie in diesem Moment dennoch nicht verspürt. Derzeit sei die Lage unklar, widersprüchliche Meldungen über einen eventuellen Waffenstillstand hätten zuletzt die Gerüchteküche angeheizt. Mit einer raschen Lösung des Konflikts rechne zwar niemand, dennoch gäben die Menschen die Hoffnung auf Frieden nicht auf, so die Wienerin.

Gemeinsam mit lokalen Behörden und Hilfsorganisationen unterstützt Torossian-Brigasky die Versorgung der Vertriebenen. Am 2. Juni übergab sie nach eigenen Angaben Spendengelder in Höhe von 10.000 US-Dollar an vier Einrichtungen in Anjar, darunter medizinische Hilfsdienste, eine Kinderklinik, die Armenische Evangelische Kirche sowie die Gemeindeverwaltung. Die Mittel sollen für medizinische Versorgung, Unterbringung und soziale Unterstützung von Flüchtlingsfamilien verwendet werden. Die Not bleibe groß, betonte die Helferin. In den kommenden Tagen will sie mehrere Unterkünfte besuchen, darunter eine katholische Schule, in der zahlreiche Vertriebene untergebracht sind.

(Spendeninfo: MTCS, Mrs. Torossian's Community Support N.G.O., Raiffeisenbank NÖ-Wien AG, IBAN: AT24 3200 0000 1701 5876)
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