Innsbrucker Theologe im "Standard": Absage der Veranstaltung mit Peter Thiel ist vertane Chance zum Dialog und zum Verstehen - Kritiker verkennen, wie stark in den USA theologische Argumente politisch ins Gewicht fallen
Wien, 03.06.2026 (KAP) Enttäuscht über die Festwochen-Ausladung von US-Tech-Milliardär Peter Thiel hat sich der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver gezeigt. Es wäre spannend gewesen, mit Thiel über aktuelle Entwicklungen in Fragen der Künstlichen Intelligenz, des Multilateralismus und des Krieges im Iran zu diskutieren - speziell angesichts der jüngsten Enzyklika "Magnifica Humanitas" von Papst Leo XIV., die sich als "subtile Kritik an Thiel" lesen lasse, schrieb Palaver in einem Gastbeitrag im "Standard" (3. Juni). Doch stattdessen habe man im Zuge der Debatte über den geplanten Thiel-Auftritt diesen als "Verbrecher, Menschenverächter, Demokratiefeind oder Fundamentalist" bezeichnet. Das erinnere an einen "Empörungstribalismus", so Palaver unter Verweis auf den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen.
Palaver, der Thiel seit vielen Jahren kennt und mit ihm auch schon an der Theologischen Fakultät in Innsbruck diskutiert hat, hatte gemeinsam mit Festwochen-Intendant Milo Rau die Diskussion unter dem Titel "Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik" konzipiert. Ein Leak hatte dann laut Palaver zu einer vorzeitigen Empörung und anschließenden Debatte über die Einladung Thiels geführt. Dabei würden die lautstarken Kritiker, die sich mit der Absage letztlich durchgesetzt haben, verkennen, "wie sehr heute gerade in den USA theologische Argumente politisches Gewicht haben", so Palaver. Wer Religion als "vernachlässigbaren Überbau" abtue, werde auch nicht verstehen, warum Donald Trump und James David Vance "so allergisch auf die Kritik von Papst Leo reagierten".
Abschließend appellierte Palaver, künftig im Kulturbetrieb darauf zu achten, dass in solchen Debattenformaten "das Konkrete anstelle der Abstraktion" Vorrang haben sollte. Milo Rau stehe für einen solchen Ansatz, der "aus den Empörungstribalismen auszubrechen" versuche, indem er "übliche Diskursschranken" überschreite. Palaver: "Ist das mit Thiel möglich? Wir wissen es nur dann, wenn wir uns auf das Gespräch einlassen und Abstraktionen hinter uns lassen. Diesmal ist Rau an Künstlerinnen und Künstlern seines eigenen Festivals gescheitert. Vielleicht braucht er zukünftig einen Brecht-Test für Mitstreiterinnen und Mitstreiter - die Wahrheit ist konkret -, damit sich keine dialogverhindernden Abstraktionen seinen Grenzüberschreitungen in den Weg stellen."
Im Anschluss an eine eigens einberufene öffentliche und hitzige Debatte über die Einladung Thiels u.a. mit Palaver und Rau im Wiener Odeon-Theater hatte sich das Beratungsgremium der Festwochen prinzipiell für die Einladung Thiels ausgesprochen. Durch Absage-Drohungen verschiedener Künstlerinnen und Künstler hatte sich Intendant Rau schließlich dennoch genötigt gesehen, die Veranstaltung mit Thiel abzusagen.
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