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Matthias Beck
Medizin
Bild Copyright: © Paul Wuthe/Kathpress

Theologe: Biblisches Tötungsverbot gilt auch für begleitenden Suizid

04.06.2026 12:40
(zuletzt bearbeitet am 04.06.2026 um 14:10 Uhr)
Österreich/Suizidbeihilfe/Kirche/Glaube/Krankheit
Mediziner und Seelsorger Beck äußert sich im "Krone"-Interview über "Fall Marcel": Medizinisch und psychologisch-spirituell noch einiger Spielraum vorhanden - Niederösterreicher wählt nach Arbeitsfall und jahrelangen Schmerzen assistierten Suizid
Wien, 04.06.2026 (KAP) Der "Fall Marcel" hat zu einer neuen ethischen Debatte über assistierten Suizid, der in Österreich seit 2022 erlaubt ist, geführt. Seit einem schweren Arbeitsunfall in einem Betrieb der metallverarbeitenden Industrie im Jahr 2013 leidet ein junger Niederösterreicher unter den schweren Folgen seiner Verletzungen. Vor zwei Jahren hat er sich für einen begleiteten Suizid entschieden, der in diesen Tagen vollzogen werden soll. Nach Bekanntwerden des Falls in der "Kronen Zeitung", an die sich der junge Mann gewandt hat, um seine Geschichte zu erzählen, hat sich auch der Theologe und Mediziner Matthias Beck zu Wort gemeldet: Er habe "hohen Respekt" vor der Biografie des Mannes, habe aber das Gefühl, dass in seinem Fall noch nicht alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien.

"Wenn man so einen Leidensweg hinter sich hat, verstehe ich aber sehr gut, dass man sich wünscht, es soll jetzt mal Schluss sein. Trotzdem gäbe es medizinisch und psychologisch-spirituell noch einigen Spielraum", so Beck gegenüber der "Krone" (Donnerstag). Er sei traurig, "dass Marcel das offenbar schon so endgültig beschlossen hat", denn es gebe immer ein Zurück. Für ihn als katholischen Seelsorger habe sich die Frage gestellt, wie gut er begleitet wird. Beck selbst bot an, mit dem jungen Mann zu sprechen. "Ich weiß natürlich nicht, ob Marcel gläubig ist, vielleicht ist er auch Atheist. Aber die meisten Atheisten, die ich kennengelernt habe, sind gar keine Atheisten. Sie sind nur vollgestopft mit falschen Gottesbildern."

Als Mitglied der Ethikkommission, die die österreichische Bundesregierung berät, habe er die Entscheidung für den gesetzlich erlaubten assistierten Suizid 2022 "mitgetragen", erklärte Beck, Pfarrer der Kirche St. Josef zu Margareten im fünften Wiener Gemeindebezirk. "Das habe ich auch meinen Bischöfen gesagt. Es ist ein relativ strenges Gesetz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Wir haben aus katholischer Sicht das Beste herausgeholt." Als Theologe könne er nicht zu 100 Prozent zustimmen, weil es den zehn Geboten widerspreche, "aber als Mediziner und Medizinethiker muss ich abwägen. Der Staat muss ein Gesetz für alle Bürger machen."

"Du sollst nicht töten"

"In den zehn Geboten steht: Du sollst nicht töten! Das gilt auch für assistierten Suizid", so Beck. Allerdings heiße es im Alten Testament auch: "Du sollst nicht morden." Mord habe immer mit "niederen Beweggründen" zu tun, was auch der Grund dafür sei, warum man das Wort "Selbstmord" meiden sollte. "Wichtig ist mir auch zu sagen, dass jemand, der sich tötet, das nicht einfach so macht. Dieser Mensch ist immer in einer großen Not und deswegen muss man ihm helfen", so Beck, der selbst einige Zeit in der Psychiatrie gearbeitet hat - "auch mit vielen Menschen, die sich töten wollten oder es zum Teil auch getan haben".

Wie schon der österreichische Psychiater Erwin Ringel festgestellt habe, würden diese leidenden Menschen zunehmend einen Tunnelblick bekommen, "und dann nicht mehr nach rechts und links schauen können. Deshalb ist psychologische und spirituelle Begleitung so wichtig", so Beck. Er würde mit Marcel gern über Fragen der Autonomie und Selbstbestimmung sprechen. "Der Mensch ist nie ganz autonom. Wir sind ja immer auch in Relation zu Mitmenschen, Partnern, Geschwistern, Eltern. Aber wenn man so lange im Rollstuhl sitzt und so viele Schmerzen und Krämpfe hat, hat man vielleicht nicht mehr die Kraft, Rücksicht auf andere zu nehmen."
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