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Moskauer Patriarch versetzt Bischof nach Koks-Fund nach Brasilien

04.06.2026 14:52
Russland/Tschechien/Brasilien/Kirche/Justiz, Kriminalität/Leute/Orthodoxe
Nach einem Drogenfund in seinem Auto in Tschechien soll der frühere russisch-orthodoxe Außenamtsleiter Hilarion nun nach Südamerika - Hilarion spricht von "Provokation"
Moskau/Prag, 04.06.2026 (KAP/KNA) Nach mehrtägigem Polizeigewahrsam in Tschechien wegen Verdachts auf Drogenbesitz versetzt die russisch-orthodoxe Kirche ihren früheren Außenamtschef nach Brasilien. Metropolit Hilarion (Alfejew) sei künftig für zwei Gemeinden im Süden Brasiliens zuständig, teilte das Moskauer Patriarchat am Donnerstag mit. Die Entscheidung von Patriarch Kyrill I. wurde damit begründet, dass der 59-jährige ranghohe Geistliche seine Tätigkeit im westböhmischen Karlsbad (Karlovy Vary) "aus objektiven Gründen" nicht fortsetzen könne.

Unterdessen bestätigte die tschechische Polizei gegenüber der Zeitung "Denik N", dass es sich bei der weißen Substanz, die bei einer Kontrolle im Auto des Metropoliten gefunden worden war, um Kokain handle. Nach zwei Tagen in Polizeigewahrsam kam Hilarion Ende Mai wieder auf freien Fuß und kehrte umgehend nach Russland zurück. Er bestreitet, Drogen besessen oder transportiert zu haben, und spricht von einer Provokation. Die Polizei untersucht den Fall weiter. Bislang wurde niemand angeklagt.

Hoher Geistlicher, ungewisse Zukunft

Hilarion leitete von 2009 bis 2022 das Außenamt des Moskauer Patriarchats und pflegte enge Kontakte zu den Päpsten Benedikt XVI. (2005-2013) und Franziskus (2013-2025). Nach kritischen Äußerungen zur Rolle seiner Kirche im Ukraine-Krieg wurde er 2022 aus dieser Funktion enthoben und zum Metropoliten von Budapest und Ungarn ernannt. Angesichts von Missbrauchsvorwürfen wurde er 2024 auch der Leitung der Diözese entbunden und in den Ruhestand versetzt. Die Kirchenleitung entsandte ihn damals zum Dienst nach Karlsbad.

Der Metropolit sucht derweil den Eindruck zu untermauern, dass Patriarch Kyrill I. zu ihm steht. In seinem Telegram-Kanal veröffentlichte Hilarion jüngst ein Foto, das ihn bei einem gemeinsamen Gottesdienst neben dem Kirchenoberhaupt zeigt. Vor den Skandalen war er als möglicher Nachfolger des Patriarchen gehandelt worden.
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