Fachbereich Forst will mit neuer "Waldstrategie" und "Waldwirtschaftsplan" Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und nachhaltigem Handeln begegnen - 40.000 Festmeter Holz pro Jahr auf 6.770 Hektar Wald erwirtschaftet
Graz, 05.06.2026 (KAP) Den Wald klimafit zu machen, ist für den Leiter des diözesanen Fachbereichs Forst in der Steiermark alternativlos. Ein solcher brauche eine vorausschauende, aktive Bewirtschaftung, die sich an die gegebenen Klimaverhältnisse anpasst, so Wolfgang Böheim im Interview mit dem steirischen "Sonntagsblatt" (aktuelle Ausgabe). Der diözesane Fachbereich Forst bewirtschaftet in der Steiermark rund 6.770 Hektar Wald, und Naturschutz wird in den Wäldern der Diözese großgeschrieben. Doch diese stehen auch in einem Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und nachhaltigem Handeln gemäß der Umwelt-Enzyklika "Laudato si'", so Böheim. Um diesem zu begegnen, brauche es eine gute "Waldstrategie" und einen durchdachten "Waldwirtschaftsplan", die in der Diözese gerade entwickelt werden.
Der Waldwirtschaftsplan biete ein langfristiges Konzept für die nachhaltige Bewirtschaftung eines Waldes, das den aktuellen Zustand der Bestände beschreibt und Pflege- und Nutzungsmaßnahmen festlegt. Die Waldstrategie "bündelt Maßnahmen, um den Wald widerstandsfähig zu machen, seine ökologische Vielfalt zu sichern und eine nachhaltige Nutzung für kommende Generationen zu gewährleisten", berichtete Böheim. Dazu zähle etwa die Förderung von Baumartenvielfalt. "Je vielfältiger ein Wald aufgebaut ist, desto besser kann er mit Hitze, Trockenheit, Stürmen und Schädlingen umgehen", erklärte der Fachmann.
Natur- und Klimaschutz
"Wir pflanzen und pflegen den Wald mit dem heutigen Wissen um den Klimawandel", führte Böheim aus. In der Vergangenheit habe man in den verschiedenen Regionen der Steiermark viel Fichte gepflanzt, weil sie zu den am schnellsten wachsenden Baumarten in Österreich zähle und damit wirtschaftlich wertvoll sei. Allerdings komme die Fichte natürlicherweise erst ab 600 bis 800 Metern Seehöhe vor. "Das hat so lange funktioniert, bis die fortschreitende Klimaveränderung die bisherigen Bedingungen änderte", so Böheim.
Nun soll das neue Bewirtschaftungskonzept an die Waldflächen in den unterschiedlichen steirischen Regionen angepasst werden. "Das heißt: Wir pflanzen verschiedene Baumarten - auch solche, die eine längere Umtriebszeit als die Fichte haben, wie etwa die Eiche." Für den Naturschutz wird in den Wäldern der Diözese Totholz auf der Waldfläche belassen. Erntemaschinen würden so eingesetzt, "dass sie den Waldboden größtmöglich schonen". Daneben will die Diözese kirchliche Waldflächen den Menschen als Erholungsraum zugänglich machen - "etwa, indem wir Wege für Wanderer oder Radfahrer bereitstellen", berichtete Böheim, der sich einen besseren Umgang der Menschen mit der Natur wünscht.
40.000 Festmeter Holz pro Jahr
Neben Böheim arbeiten elf Personen - vier Förster, ein Forstadjunkt, fünf Forstarbeiter und eine Kollegin für die Verrechnung - an der Bewirtschaftung der kirchlichen Wälder. Die vier Förster betreuen jeweils zwischen 1.400 und 2.000 Hektar Wald. Dazu zählen Pfründenwälder von Pfarren sowie weitere Waldflächen kirchlicher Rechtsträger - etwa des kirchlichen Vermögensfonds. Mitbetreut werden auch Wälder des Domkapitels oder des Priesterheims. Pro Jahr verkauft die Diözese ca. 40.000 Festmeter Holz.
"Ein Teil des Geldes fließt wieder in die Bewirtschaftung der Wälder und wird u. a. genutzt für Aufforstungen, Pflegemaßnahmen bei den Kulturen, Schutz vor Schädlingen, Wegeerhaltung oder Grenzsicherung. Der Großteil des Geldes fließt in die Priester-Besoldung mit ein", berichtete der Forstwirt. Dies sei historisch gewachsen, denn ursprünglich hätten die Priester ihren Lebensunterhalt durch die Bewirtschaftung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen einer Pfarre selbst bestritten. "Um die finanzielle Schieflage zwischen Pfarren mit viel Grundbesitz und anderen, die wenig hatten, auszugleichen, wurde zentralisiert und ein einheitliches Besoldungsschema geschaffen."