Litauen: Neue Leitung für Russland-kritische orthodoxe Kirche
05.06.202613:20
Litauen/Kirche/Politik/Konflikte/Orthodoxie
Neuer Exarch des Ökumenischen Patriarchats für Litauen, Bischof Panaret (Psaraftis), wird am Wochenende Leitung der Kirche vor Ort übernehmen - Patriarch Bartholomaios unternimmt Litauen-Besuch
Vilnius/Istanbul, 05.06.2026 (KAP) Die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel hat bei ihrer jüngsten Sitzung einen neuen Exarchen für Litauen gewählt. Archimandrit Panaret (Psaraftis) wird künftig den Titel Bischof von Tamissos tragen und das litauische Exarchat des Ökumenischen Patriarchats leiten, wie der "Nachrichtendienst Östliche Kirchen" (NÖK) in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Seine Inthronisation fand bereits am 31. Mai in Istanbul am Sitz des Ökumenischen Patriarchats (Phanar) statt. Bischof Panaret soll am 7. Juni zusammen mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios in Litauen eintreffen.
Der Besuch des Patriarchen findet auf Einladung des römisch-katholischen Erzbischofs von Vilnius, Gintaras Grusas, statt. Auf dem Programm steht unter anderem die Teilnahme des Patriarchen am von der katholischen Kirche ausgerichteten "Weltkongress der Barmherzigkeit". Am Sonntag, 7. Juni, werden Patriarch Bartholomaios und der neue Exarch Panaret die orthodoxe Göttliche Liturgie in der Dreifaltigkeitskirche in Vilnius feiern. Nach dem Gottesdienst ist ein offizielles Treffen mit Vertretern der orthodoxen Gemeinde in Vilnius geplant.
Bischof Panaret wurde in Kreta geboren, einen Teil seiner theologischen Ausbildung absolvierte er an der Moskauer Geistlichen Akademie, um Russisch zu lernen und das theologische Ausbildungssystem der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) kennenzulernen. Seit 2014 diente er in Istanbul, in den letzten Jahren betreute er die dortige russischsprachige Kirche des Apostels Andreas.
In Litauen bestehen zwei parallele orthodoxe Jurisdiktionen. Einerseits die orthodoxe Erzdiözese Litauen, die zur Russischen orthodoxen Kirche gehört, und andererseits das Exarchat des Ökumenischen Patriarchats. Das Exarchat wurde infolge des Übertritts mehrerer litauischer orthodoxer Geistlicher aus der zu Moskau gehörenden Kirche zum Ökumenischen Patriarchat eingerichtet. Zudem wurden auch zwei Geistliche der Belarussischen Orthodoxen Kirche aufgenommen, die aus Belarus geflohen waren. Die nunmehrige Bischofsernennung ist ein weiterer Schritt, die Strukturen der Kirche in Litauen zu festigen.
Zugleich strebt auch die orthodoxe Erzdiözese Litauen nach mehr Unabhängigkeit von Russland. Dennoch sind die litauischen Behörden besorgt über den nach wie vor gegebenen Einfluss Moskaus. Geheimdienste und Politik warnten zuletzt immer wieder "Aktivitäten von russischen Sicherheitsdiensten" innerhalb der Erzdiözese.
Die orthodoxe Erzdiözese wies die Verdächtigungen stets zurück. Die Verbindung zum Moskauer Patriarchat sei rein kanonisch, sie habe nichts mit der aktuellen Politik eines beliebigen Landes zu tun, sondern sei eine Frage der kirchlichen Tradition und religiösen Identität. Vonseiten der Erzdiözese weist man auch darauf hin, dass man sich um einen Status als autonome Kirche innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche bemühe und sich seit dem Beginn der russischen Großinvasion in der Ukraine klar gegen den Krieg positioniert und den Angriff verurteilt habe. In allen Gemeinden der Erzdiözese seien Geflüchtete aus der Ukraine zu vollwertigen Mitgliedern geworden, das wäre kaum geschehen, wenn in diesen Kirchen der "ideologische Einfluss des Kremls" verbreitet würde.