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Buch würdigt ksoe als Akteurin gesellschaftspolitischer Debatten

05.06.2026 10:17
Österreich/Kirche/Soziales/Gesellschaft/Kath.Sozialakademie/Buch
Autor und Sozialethiker Mautner will mit Publikation "Seismograph und Impulsgeberin" Leistungen der Katholischen Sozialakademie für Gegenwart und Zukunft fruchtbar machen
Wien, 05.06.2026 (KAP) Als "Seismograph und Impulsgeberin" beschreibt der Theologe und Sozialethiker Josef P. Mautner die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) in seinem gleichnamigen Buch. Die im Mandelbaum Verlag erschienene Publikation zeichnet die Entwicklung der Einrichtung von 1958 bis zu ihrem Umbau 2021 nach. Zentrales Anliegen ist es laut Autor, die Leistungen der ksoe nicht nur zu dokumentieren, sondern für Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen. "Die ksoe hat über Jahrzehnte hinweg eine Brückenfunktion zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik erfüllt und dabei christliche Soziallehre in konkrete Handlungsfelder übersetzt", so Mautner im Kathpress-Interview. Eine Buchpräsentation findet u.a. am 16. Juni in der Wiener Buchhandlung FAKTory statt.

Das Buch "Seismograph und Impulsgeberin. Die Katholische Sozialakademie Österreichs 1958-2021" verstehe er dabei als Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rolle kirchlicher Sozialethik. "Das Buch ist aber keinesfalls als Abrechnung mit kirchlichen Entscheidungen gedacht", so der Autor über den gewählten Zeitraum und die ksoe-Umstrukturierung im Jahr 2021. Denn bis heute würden zentrale Impulse der ksoe weiterwirken, etwa in Netzwerken wie der Armutskonferenz oder in Formen gesellschaftspolitischer Bildungsarbeit.

Auf Basis von Gesprächen mit mehr als 50 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bündelt es unterschiedliche Perspektiven auf die ksoe. Die Geleitworte zum Buch kommen vom verstorbenen Bischof em. Maximilian Aichern OSB (1932 - 2026) und Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der noch als Volkswirtschaftsprofessor an der Uni Wien als ksoe-Referent wirkte.

Sozialhirtenbrief und Ökumenisches Sozialwort

Innerkirchlich wird besonders die koordinierende Rolle der ksoe beim ökumenischen Sozialwort hervorgehoben. Der breit angelegte Beteiligungsprozess habe neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen eröffnet und nachhaltige Impulse für sozialethische Debatten gesetzt, betont Mautner. Auch bei sozialethischen Hirtenbriefen sei die Akademie beteiligt gewesen und habe dabei u.a. partizipative Arbeitsweisen "tief in die Kirche hineingewirkt".

"Die ksoe war in Österreich eine zentrale Akteurin der politischen Erwachsenenbildung und maßgeblich in der Organisationsentwicklung engagiert", so Mautner über einen weiteren Schwerpunkt. Aus anfänglich Projekten in kirchlichen Betrieben kamen in der Folge auch Kooperationen mit großen Unternehmen zustande. Im Zentrum seien dabei immer Fragen der Mitarbeiterbeteiligung, der Führungskultur und der Umsetzung sozialethischer Prinzipien wie Personalität und Subsidiarität in der Arbeitswelt gestanden. Ziel sei es gewesen, "Selbstwirksamkeit" zu fördern und Mitarbeitende als handelnde Subjekte ernst zu nehmen, beschreibt Mautner den Fokus.

Spannungsfelder und Politik

Gleichzeitig zeigt das Buch die Spannungsfelder, in denen sich die ksoe bewegte, etwa in punkto Politik. Während in der Anfangsphase eine gewisse Nähe zur ÖVP bestand, betonte die ksoe später mehr ihre Unabhängigkeit und kooperierte verstärkt mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, beschreibt der Autor die Genese. Die Spannung habe sich auch aus dem Anspruch ergeben, kirchliche Verwurzelung mit gesellschaftlicher Offenheit zu verbinden.

Auch innerkirchlich blieb die Arbeit der ksoe nicht unumstritten. Ihre eigenständige Positionierung und Rolle als kritische Begleiterin gesellschaftlicher Entwicklungen hätten immer wieder Reibungen ausgelöst, weist Mautner hin. Der Einschnitt 2021, der mit einem grundlegenden Umbau und dem Ende zentraler Arbeitsbereiche wie der politischen Erwachsenenbildung einherging, wird im Buch als Zäsur beschrieben.

Die Publikation wirft aber die grundsätzliche Frage nach der Rolle kirchlicher Sozialethik in heutigen gesellschaftlichen wie politischen Diskursen auf. Ob es dafür neue institutionelle Formen braucht oder ob diese Aufgabe verstärkt von zivilgesellschaftlichen Initiativen übernommen wird, lässt das Buch offen.

An diese Debatten knüpft auch die Buchpräsentation am 16. Juni in der Wiener Buchhandlung FAKTory an. Unter dem Titel "Demokratie braucht Bildung. Erwachsenenbildung und Demokratie" diskutiert Mautner mit der Politikwissenschafterin Sieglinde Rosenberger über die Bedeutung politischer Bildung in Zeiten demokratischer Herausforderungen. "Wir stehen gerade noch an einer Gabelung: Demokratie oder Autokratie. Der politischen Erwachsenenbildung kommt in einer Zeit, in der vielerorts die Demokratie im Sterben liegt, eine wichtige Bildungsaufgabe zu", so Rosenberger. Veranstalter sind die Katholische Arbeiter Österreichs (KABÖ) und das Renner-Institut.
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