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Ecuador 24 Jänner-5 Februar 2015
Fußball-WM
Bild Copyright: © Hageneder/Jugend Eine Welt

Wie Fußball das Leben benachteiligter Kinder verändern kann

05.06.2026 14:53
Österreich/Entwicklungshilfe/Hilfsorganisation/Fußball/Sport/Soziales/Jugendliche/Kind
Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer: WM verstärkt Wirkung des Sports als Türöffner zu Bildung und Hilfe - Potenzial des Fußballs für Entwicklung stark unterschätzt
Wien, 05.06.2026 (KAP) Die am 11. Juni anlaufende Fußball-WM ist ein Weltereignis, das ein Milliardenpublikum beschäftigt, Hoffnungen bündelt und viele Potenziale beinhaltet, die weit über die Bereiche Sport, Tourismus und Wirtschaft hinausgehen: Auch für die Entwicklungsarbeit - insbesondere die Bildungs- und Sozialarbeit bei Kindern und Jugendlichen - stellt das Turnier eine enorme Chance dar, hat der Entwicklungsexperte Reinhard Heiserer am Freitag im Interview mit Kathpress dargelegt. Das von ihm geleitete Hilfswerk Jugend Eine Welt unterstützt weltweit Projekte, in denen der Fußball zum Schlüssel für positive Lebensveränderung wird. Sein Fazit: "Die Wirkung des Fußballs wird völlig unterschätzt."

In Ländern mit starker Fußballkultur - viele davon in Afrika, Lateinamerika und Asien - prägt die WM den Alltag über Wochen hinweg: Besonders Kinder und Jugendliche verfolgen die Spiele intensiv und orientierten sich an Spielern, "die aus ähnlichen Lebensverhältnissen stammen könnten und es bis an die Spitze geschafft haben", so Heiserer über die dortige Wahrnehmung des Turniers. Erst recht wenn Exoten im Rampenlicht stehen - beim Auftaktspiel Mexiko gegen Südafrika etwa - oder Teams aus ärmeren Ländern ein Sieg gegen starke Gegner gelingt, wecke dies Begeisterungsstürme.

Stofffetzen und Steine genügen

Übersehen wird laut dem Geschäftsführer oft, dass Fußball der Entwicklungszusammenarbeit einen niederschwelligen Zugang zu Kindern in Armutsregionen gewährt. Das runde Leder sei "eines der wenigen globalen Phänomene, das überall verstanden wird und überall funktioniert". Er erlaube es, Kinder nicht über Programme, sondern über ihre eigene Begeisterung zu erreichen. Der Sport sei dabei kein Ziel an sich, sondern werde zum Türöffner für Beziehung und pädagogische Arbeit.

Zentral sei dabei die einfache Zugänglichkeit des Spiels, Material brauche man kaum: "Ein improvisierter Ball aus Stofffetzen oder zusammengebundenen Plastikteilen und ein paar Steine als Tore reichen schon aus. Diese Niederschwelligkeit ermöglicht Kindern die Teilnahme unabhängig von ihren sozialen Voraussetzungen." Werde zumindest minimale Infrastruktur bereitgestellt - ein Platz, Trikots oder Beleuchtung etwa - hebe dies die Motivation, da es Kindern Verlässlichkeit und Struktur im Alltag vermittle.

Vom stabilen Anker zum Türöffner

In den von Jugend Eine Welt unterstützten Projekten der Salesianer Don Boscos wird darauf seit jeher geachtet; Sport und insbesondere der Fußball bilden hier ein zentrales Element, stets eingebettet in ein umfassendes Bildungs- und Betreuungssystem. Für die Kinder - in Slums ebenso wie in offenen Jugendzentren bis hin zu Flüchtlingslagern - bildet der Fußball dort oft "einen der wenigen stabilen Anker im Alltag", wie Heiserer formulierte. Aus der regelmäßigen Teilnahme entstünden Beziehungen, die Türöffner werden für die Teilnahme an Lern- und Hilfsangeboten, die vom Schulbesuch über gesunde Ernährung bis hin zu familiärer Stabilisierung reichen.

Welche Wirkung der Sport entfalten könne, sah Heiserer in seinen Erfahrungen aus Ecuador bestätigt. Straßenkinderteams, die sich in Turnieren gegen Teams aus reichen Schulen durchsetzten, erlebten erstmals, "dass ihre soziale Herkunft nicht über ihren Wert entscheidet", so der Experte. Solche Erfahrungen stärkten das Selbstbild deutlich, wovon die kästenweise Pokale und Auszeichnungen von Turnieren in den Straßenkinder-Zentren zeugten.

Auch im familiären Umfeld spiele Fußball eine wichtige Rolle. Eltern würden in die Programme einbezogen und erhielten Einblick in die Aktivitäten ihrer Kinder. Das schaffe Vertrauen, insbesondere in prekären Lebenssituationen, in denen Sicherheit und Verlässlichkeit zentral seien, wie Heiserer darlegte. Durch die Verbindung von Sport, Betreuung und Bildung entstehe ein strukturierter Alltag, der Entwicklung überhaupt erst ermögliche.

Kritikpunkte Verteilung, Transparenz und Nachhaltigkeit

Neben diesen Chancen verwies Heiserer auch auf Grenzen. Fußball könne soziale Probleme nicht lösen, aber er könne Alternativen schaffen und riskante Lebenswege unterbrechen. In problematischen Stadtvierteln, etwa im mexikanischen Tijuana, seien Sportplätze zu Orten geworden, an denen Konflikte im Spiel statt auf der Straße ausgetragen würden. Das ersetze keine strukturellen Lösungen, wirke aber stabilisierend im Alltag.

Kritisch beurteilte Heiserer Entwicklungen im internationalen Fußball. Dieser sei "ein Milliardenmarkt geworden, in dem wirtschaftliche Interessen oft dominieren". Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und Transparenz großer Verbände stellten sich ebenso wie die nachhaltige Nutzung von Infrastruktur nach Großereignissen.

(Kathpress-Themenschwerpunkt zur Fußball-WM unter www.kathpress.at/wm2026)
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