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Skulptur einer Schwangeren
Bild Copyright: © aktionleben.at

Bindung schon vor der Geburt: Expertin betont Rolle der Mutter

07.06.2026 12:43
Österreich/Familie/Kind/Psychologie/Schwangerschaft
Bindungsanalytikerin Maria Reiter-Horngacher: Schwangerschaft als Raum für Selbstwahrnehmung, Beziehung und emotionale Entwicklung des Kindes
Klagenfurt, 07.06.2026 (KAP) Die Beziehung zwischen Mutter und Kind beginnt nach Einschätzung der Salzburger Osteopathin und Bindungsanalytikerin Maria Reiter-Horngacher lange vor der Geburt. Im Interview mit der Kärntner Kirchenzeitung "Der Sonntag" (aktuelle Ausgabe) schilderte die Therapeutin die Schwangerschaft als entscheidende Phase für die Entwicklung dieser Bindung. Die von ihr praktizierte Bindungsanalyse verstehe sich als "Methode der vorgeburtlichen Beziehungsförderung". Ziel sei es, die Verbindung zwischen Mutter und Kind bereits während der Schwangerschaft bewusst zu stärken. Dafür müsse keine besondere Problemlage vorliegen. Oft reichten "die Sehnsucht oder Neugier, dem eigenen Kind zu begegnen".

Im Mittelpunkt stehe die Wahrnehmung des ungeborenen Kindes als eigenständige Persönlichkeit. Nach einem ausführlichen Erstgespräch über die Lebensgeschichte der Frau und familiäre Erfahrungen folgen sogenannte "Babystunden", in denen Schwangere angeleitet werden, sich auf innere Bilder, Gefühle, Worte oder Träume einzulassen. "Jede Frau erlebt das anders", sagte Reiter-Horngacher. Manche nähmen Bilder wahr, andere Gefühle oder einzelne Worte. Es gebe "keinen festgelegten Weg - jede Frau begegnet ihrem Inneren auf ihre eigene Weise".

Für einen guten Start ins Leben seien aus ihrer Sicht weniger äußere Rahmenbedingungen ausschlaggebend als die Fähigkeit der Mutter, sich selbst wahrzunehmen. Fast alle Frauen wollten ihrem Kind das Beste ermöglichen, betonte die Therapeutin. Entscheidend sei jedoch, dass auch schwierige Gefühle Platz haben dürfen. "Eine Schwangerschaft ist dann gut, wenn eine Frau sich selbst spüren darf - mit all ihren Gefühlen." Das ungeborene Kind erlebe diese Emotionen mit "und bekommt so einen Eindruck davon, was Menschsein bedeutet", erklärte Reiter-Horngacher.

Wahrnehmen statt Vermeiden

Belastende Erfahrungen wie Konflikte, Trauer oder Ängste ließen sich oft nicht einfach beseitigen. Wichtig sei daher nicht ihre Vermeidung, sondern ihre bewusste Wahrnehmung. "Wenn Trauer, Wut, Enttäuschung oder Angst einen Platz bekommt, verändert das etwas", sagte die Expertin. Die Bindungsanalyse wolle dafür einen geschützten Raum schaffen. Der Zugang zum Kind führe dabei immer über die Mutter "Deshalb beginnt die Bindung nicht beim Baby, sondern bei der Frau selbst."

Auch generationenübergreifende Erfahrungen könnten eine Rolle spielen. Die Epigenetik beschäftige sich mit der Frage, wie Erlebnisse früherer Generationen Spuren hinterlassen können. Eine belastete Familiengeschichte werde jedoch nicht automatisch weitergegeben, betonte Reiter-Horngacher. Vielmehr gehe es darum, mögliche Muster zu erkennen und besser zu verstehen, "welche Geschichte sich möglicherweise hinter körperlichen oder emotionalen Prozessen verbirgt".

Zu wissenschaftlichen Untersuchungen über die Bindungsanalyse äußerte sich die Therapeutin zurückhaltend. Zwar gebe es Hinweise auf positive Effekte wie niedrigere Kaiserschnittraten oder weniger Schwangerschaftskomplikationen. Sie wolle daraus jedoch "keine einfachen Ursache-Wirkungs-Formeln ableiten". Entscheidend sei für sie die intensive Beschäftigung werdender Eltern mit sich selbst und ihrem Kind. Ihr wichtigster Rat an Schwangere und ihre Partner lautet daher: "Spürt euch selbst. Sprecht über eure Gefühle. Gebt ihnen Raum."

Teil der Schwangerschaftsberatung

Die Bindungsanalyse wurde von den ungarischen Psychoanalytikern György Hidas und Jenö Raffai entwickelt und wird in Österreich häufig als "vorgeburtliche Beziehungsförderung" bezeichnet. Über die individuelle Begleitung hinaus hat die Methode auch Eingang in die Arbeit mehrerer kirchlicher und kirchennaher Einrichtungen gefunden.

So bietet die österreichweite Aktion Leben Österreich Bindungsanalyse als Teil ihrer Schwangerschaftsberatung an und bildet Fachkräfte in diesem Bereich aus. Auch die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien setzt die Methode in der Begleitung Schwangerer ein. Beide Einrichtungen verweisen insbesondere auf ihren präventiven Charakter, etwa bei der Bewältigung belastender Schwangerschaftserfahrungen, nach Fehlgeburten oder in schwierigen Lebenssituationen. Zudem werden werdende Väter ausdrücklich in den Prozess einbezogen.
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