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Gaudí auf dem Weg zur Ehre der Altäre

06.06.2026 11:04
Spanien/Architektur/Kirche/Religion/Glaube/Leute/Papst
Postulator des Sagrada-Familia-Architekten, Blanquet, hebt dessen Armut, Frömmigkeit und Demut hervor
Madrid/Würzburg, 06.06.2026 (KAP) Zum 100. Todestag von Antonio Gaudi, dem im Prozess der Seligsprechung befindlichen Schöpfer der Sagrada Familia in Barcelona, hat dessen Postulator die geistlichen Motive des katalanischen Architekten hervorgehoben. In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" (6. Juni) betonte P. Josep M. Blanquet, dass bei Gaudí nicht allein sein architektonisches Werk, sondern vor allem sein persönliches Leben im Mittelpunkt des kirchlichen Verfahrens stehe. Der neu vollendete Christus-Turm der Sagrada Familia wird am 10. Juni, Gaudís Todestag, von Papst Leo XIV. im Rahmen von dessen Barcelona-Besuchs eingeweiht.

Blanquet verwies darauf, dass bereits kurz nach Gaudís Tod 1926 erste Stimmen von dessen Heiligkeit gesprochen hätten. Neun Tage nach seinem Tod sei in einer katalanischen Zeitschrift ein Artikel unter der Überschrift "Er war ein Heiliger" erschienen. Menschen aus dem Umfeld der Baustelle hätten sich von ihm verabschiedet, indem sie seine Hand berührten und dieselben Worte wiederholt hätten.

Als herausragende Tugend nannte der Postulator die freiwillig gelebte Armut. Gaudí, der 1852 im südkatalanischen Reus geboren wurde und seit 1883 die Bauleitung der Sagrada Família innehatte, sei "als Stararchitekt im Armenhospital gestorben und hatte das auch so gewollt". Als die Spenden für die Basilika zeitweise zurückgingen, habe er auf sein Honorar verzichtet, damit die Arbeiten fortgesetzt werden konnten. Auch nach einem gewonnenen Gerichtsverfahren habe er eine hohe Entschädigungszahlung für Arme gespendet. "Bei Gaudi, der reich hätte werden können, entspricht die Armut dem Evangelium, weil er sie freiwillig und in franziskanischem Geist lebte", erklärte Blanquet.

Neben der Armut hob der Ordensmann auch Gaudis Enthaltsamkeit und Demut hervor. Nachdem eine junge Frau seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte, habe Gaudí darin einen Hinweis auf seine eigentliche Berufung gesehen. Die Sagrada Família sei für ihn zur Lebensaufgabe geworden. Zugleich habe er akzeptiert, dass andere sein Werk vollenden würden. "Welcher Architekt arbeitet sein Leben lang an einer Kirche - in dem Wissen, dass er den Abschluss der Bauarbeiten nicht mehr erleben wird?", fragte Blanquet.

Der Glaube Gaudís sei in Familie, Schule und kirchlichem Umfeld gewachsen. Der Architekt habe täglich die Messe besucht und über Jahrzehnte regelmäßig die Kommunion empfangen. Auch geistliche Begleiter, Priester und Heilige seiner Zeit hätten ihn geprägt. Heiligkeit bedeute dabei nicht Fehlerlosigkeit: Gaudí habe selbst eingeräumt, seinen Jähzorn nie ganz überwunden zu haben, "er arbeite aber weiter an sich".

Auf die Frage nach Gaudís liturgischem Profil meinte Blanquet, der Architekt wirke heute "auf den ersten Blick wie ein Traditionalist". Tatsächlich habe er jedoch manche Reformen des Zweites Vatikanisches Konzil vorweggenommen. So sei die Sagrada Família mit nur einem zentralen Altar geplant worden. Zudem habe Gaudí die liturgischen Erneuerungsbewegungen der Benediktiner von Abtei Montserrat aufmerksam verfolgt.

Auch die ursprüngliche Idee der Sagrada Família als Sühnekirche sei für Gaudí wichtig gewesen. Spenden sollten nach seinem Verständnis ein persönliches Opfer darstellen. Wer ohne Verzicht gab, erfüllte diesen Gedanken nicht. "Wenn es Sie nichts kostet, ist es kein Sühneopfer", habe Gaudí zu Spendern gesagt. Heute finanziert sich die Basilika vor allem durch Eintrittsgelder und andere Zuwendungen. Am 7. Juni 1926 wurde Gaudí von einer Straßenbahn erfasst; drei Tage später starb er im Armenspital Santa Creu und wurde in der Krypta seines Lebenswerks beigesetzt.
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