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Papst wendet sich in Spanien gegen Ideologien und Polarisierungen

06.06.2026 14:40
Spanien/Papst/Geschichte/Diplomatie/Kirche
Ansprache im Königspalast von Madrid mit Appell zur "Anerkennung von Komplexität" als "besondere Berufung für Europa" - Wohlstand durch Begegnung statt Konfrontation schaffen
Madrid, 06.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat Spanier und Europäer aufgerufen, interne Konflikte zu überwinden und nicht populistischen Ideologien zu folgen. In einer Ansprache im Königspalast in Madrid warnte er am Samstag vor der "Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen".

Die katholische Kirche gehe einen anderen Weg. Sie, die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite des Diktators Franco stand und einen hohen Blutzoll zahlte, sei "heute bereit, sich in den Dienst der Zukunft eines Volkes zu stellen, das nach Versöhnung und Frieden sucht".

Weiter sagte der Papst in seiner Rede vor Politikern und Diplomaten: "Ich lade Sie alle ein, aus Liebe zur Wahrheit die spaltenden und polarisierenden Darstellungen Ihrer gesellschaftlichen Realität und ihrer Geschichte hinter sich zu lassen, um von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität zu gelangen." Dies sei eine "besondere Berufung für Europa". Spaniens Geschichte lehre, "dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft".

Das Geschenk Europas an die Welt sei diese Haltung: "Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern."

Diese Aufgabe präsentiere sich im digitalen Zeitalter in einem neuen Rahmen: "In diesem Umfeld verschärfen sich Vorurteile, kritisches Denken wird geschwächt, und übermächtige Interessen säen tödliche Impulse."

Dagegen forderte der Papst einen "Kurswechsel bei den Investitionen in Schulen, Hochschulen und Forschung, in lokale Gemeinschaften und in die Zivilgesellschaft". Sicherheit entstehe nicht aus Waffen und Mauern, sondern "dadurch, dass wir lernen, gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite".

Der Papst bezog auch den Islam ein und sagte: "Die Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel war eine langjährige politische, kulturelle und religiöse Gegebenheit. In dieser Zeit gab es nicht nur Konfrontation, sondern man versuchte auch, einen Raum für Begegnung, Gespräch und Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden über Sinn und Wahrheit zu schaffen."

Ohne Basken und Katalanen beim Namen zu nennen, rief er dazu auf, "die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen". Schließlich sollten die Spanier "den Prozess der europäischen Einigung vorantreiben - nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie".

Die erste Rede des Papstes in Spanien wurde mit stehenden Applaus bedacht, König Felipe VI. erhob sich als erster. Er hatte zuvor in einer Begrüßungsrede an Leo XIV. unter anderem dessen Eintreten gegen den sexuellen Missbrauch in der Kirche gelobt.
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