Papst ruft Madrids Jugend zu Menschlichkeit und Glaubenszeugnis auf
06.06.202622:16
Spanien/Papst/Kirche/Jugendliche/Glaube/Musik
Leo XIV. wirbt bei spätabendicher Jugendvigil in Madrid für Stille, Wahrheit und Nächstenliebe, erinnert an prägende Jahre in Peru und nennt Vorbilder seines Glaubenswegs
Madrid, 06.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die Jugendlichen bei einer Gebetsvigil in Madrid zu Menschlichkeit, Glaubenszeugnis und gesellschaftlichem Engagement aufgerufen. Sie sollten sich dem Gleichgültigkeitsdenken, der Gewalt und der Lüge entgegenstellen und "eine neue Menschlichkeit" verkörpern, sagte der Papst am Samstagabend auf der Plaza de Lima. "Seid menschlich", lautete sein eindringlicher Appell an die hunderttausenden versammelten Jugendlichen. Zugleich warb er für die Suche nach Stille und Wahrheit sowie für einen Glauben, der sich in tätiger Nächstenliebe verwirklicht.
Bei der Begegnung mit den Jugendlichen gab Leo XIV. auch Einblicke in seinen persönlichen Werdegang als Christ. Auf die Frage nach für ihn prägenden Gestalten nannte er den Kirchenvater Johannes Chrysostomos (344-407), den spanischen Bischof Thomas von Villanova (1486-1555) und den spanischen Peru-Missionar Toribio de Mogrovejo (1538-1606).
Alle drei haben Eigenschaften und Stationen in ihrer Biografie, die Gemeinsamkeiten mit dem heutigen Papst erkennen lassen. Über Chrysostomos sagte er: "Das Wort Gottes im Herzen tragend, gab er es an alle weiter und bezeugte konsequent die Wahrheit des Evangeliums angesichts der Häresien seiner Zeit. Besonders beeindruckt haben mich seine großartigen Katechesen, die die Liebe zur Wahrheit mit einem rechtschaffenen Leben verbinden, ebenso wie sein Mut, vor dem Kaiser zu sprechen und stets die Wahrheit zu sagen."
Zu Villanova bemerkte der Papst: "Er war ein Augustiner, der dazu berufen war, ein Hirte der Kirche zu werden. (...) Als Bischof von Valencia nahm er eine intensive Reform der Kirche, vor allem des Klerus, in Angriff und ermahnte seine Mitbrüder zu Ausdauer im Gebet, in der Keuschheit und im Gehorsam. Seine glühende Nächstenliebe hat mich in Zeiten der Prüfung ermutigt."
Über den Heiligen Toribio sagte Leo XIV.: "Er verband ein intensives Gebetsleben mit dem Einsatz für Gerechtigkeit, insbesondere angesichts der Missstände und der Verdorbenheit seiner Zeit. Deshalb ist er für mich ein Vorbild des Einsatzes für die Menschen, besonders die Ärmsten, im Namen Christi."
"Wenn sie dazu fähig waren, warum sollte ich es nicht sein?"
Was diese Vorbilder in ihm auslösten, beschrieb Papst Leo so: "Als ich das Leben dieser Heiligen betrachtete, sagte ich mir wie der heilige Augustinus: Wenn sie dazu fähig waren, warum sollte ich es dann nicht sein?" Die Jugendlichen rief er auf, sich ebenfalls Vorbilder für ein gutes Leben zu wählen.
Papst Leo XIV. blickte bei der Gebetsvigil zudem auf seine Jahre als Missionar und Bischof in Peru zurück. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm "das Glaubenszeugnis der Menschen", die trotz zahlreicher Schwierigkeiten von Hoffnung geprägt gewesen seien. Die Begegnung mit den "Wunden und Freuden des Volkes" habe seinen eigenen Weg der Nachfolge Christi vertieft, sagte der Papst. Während er das Evangelium verkündet habe, sei er selbst von dessen Botschaft verwandelt worden. Das Wort Gottes bringe Frieden in Konfliktsituationen und werde zu einer Quelle von Versöhnung und Gerechtigkeit.
Stille als Weg zur Wahrheit
In seinen Antworten auf Fragen der Jugendlichen betonte Leo XIV. die Bedeutung der Stille für das geistliche Leben. Wer die Stimme Gottes erkennen wolle, müsse lernen, sich von der "Geräuschkulisse tausender Stimmen" zu lösen. In der Stille werde deutlich, dass Ideologien vergänglich seien, "während die Wahrheit bleibt". Zugleich warnte der Papst vor Stimmen, die Wünsche nur vortäuschten oder Menschen für eigene Interessen vereinnahmten.
Mit Blick auf die Rolle der jungen Generation rief Leo XIV. dazu auf, der Gesellschaft neue Orientierung zu geben. Christen seien zwar Kinder ihrer Zeit, dürften aber nicht zu Gefangenen wechselnder Trends werden. "In Christus sind wir frei", sagte der Papst. Um die Welt zu verbessern, sollten die Jugendlichen auf die ersten Christen schauen, die in einem heidnischen Umfeld lebten. "Folgt ihrem Beispiel und seid Missionare des Evangeliums angesichts der materiellen und geistigen Armut unserer Zeit, in dem vollen Bewusstsein, dass unser Glaube eine Lebensweise ist, die sich in der Liebe verwirklicht", so Leo. "Sie ist die Tugend, die die Geschichte mehr als jede andere verändert."
Erster Höhepunkt des Spanienbesuchs
Die Gebetsvigil auf der Plaza de Lima bildete den Höhepunkt des ersten Besuchstags von Papst Leo XIV. in Spanien. Nach Angaben der spanischen Regierungsvertretung nahmen rund 500.000 Menschen an der Veranstaltung teil.
Das Gelände rund um die Plaza de Lima sowie angrenzende Bereiche des Paseo de la Castellana waren bereits Stunden vor Beginn dicht gefüllt. Der Papst legte die letzten Kilometer zur Vigil im Papamobil zurück. Entlang der Strecke warteten Tausende Gläubige, viele hielten Fahnen, Transparente oder Bilder des Papstes in die Höhe. Wiederholt wurden ihm Kinder zur Segnung gereicht. Auf der Bühne wurde das Programm von musikalischen Beiträgen, Glaubenszeugnissen und Gesprächsrunden mit Jugendlichen gestaltet.
Die Atmosphäre wechselte im Verlauf des Abends zwischen jugendlichem Großevent und geistlicher Feier. Vor dem Eintreffen des Papstes wurden unter anderem Ausschnitte aus dem Musical "Godspell" aufgeführt, später folgten Auftritte spanischer Musiker. Während der Begegnung mit Leo XIV. skandierten die Jugendlichen wiederholt "Esta es la juventud del Papa" ("Das ist die Jugend des Papstes"). Zugleich waren die Teilnehmenden zu bemerkenswerter Ruhe bereit: Bei der abschließenden eucharistischen Anbetung mit dem Papst herrschte auf dem weitläufigen Veranstaltungsgelände über längere Zeit nahezu vollständige Stille.
Besuch in Sozialzentrum
Vor dem Jugendtreffen hatte der Papst das Sozialzentrum CEDIA in Madrid besucht, wo die Caritas Menschen ohne festen Wohnsitz hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Der Papst zeigte sich beeindruckt von der dort geleisteten Arbeit und dankte allen Mitarbeitenden der Caritas von Madrid in einer kurzen Ansprache.