Vilnius: Barmherzigkeits-Weltkongress startet mit Papst-Friedensappell
07.06.202619:13
Litauen/Papst/Kirche/Religion/Glaube/Ökumene
Leo XIV. in Videobotschaft: "Frieden ohne Barmherzigkeit nicht erreichbar" - Angesichts von Kriegen, Gewalt und Spannungen Gottes Barmherzigkeit neu entdecken und umsetzen
Vilnius, 07.06.2026 (KAP) Mit einem eindringlichen Friedensappell von Papst Leo XIV. ist am Sonntag der sechste Apostolische Weltkongress der Barmherzigkeit (WACOM) in Vilnius eröffnet worden. In einer Videobotschaft an die mehreren Tausend Teilnehmer aus rund 50 Ländern rief der Papst dazu auf, angesichts von Kriegen, Gewalt und gesellschaftlichen Spannungen die Barmherzigkeit Gottes neu zu entdecken und in konkretes Handeln umzusetzen. "Gott wird nie müde, seine Barmherzigkeit zu zeigen", betonte Leo XIV.
Das Leitwort des bis 12. Juni dauernden Treffens lautet "Eine Stadt der Barmherzigkeit aufbauen". Veranstaltet wird der Kongress vom vatikanischen Dikasterium für die Evangelisierung gemeinsam mit der Erzdiözese Vilnius. Der Papst begrüßte in seiner Botschaft ausdrücklich den Vilniuser Erzbischof Gintaras Grusas, Litauens Präsidenten Gitanas Nausda sowie den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I.
Leo XIV. erinnerte an ein Wort des Kirchenvaters Augustinus von Hippo aus den "Bekenntnissen", wonach die einzige Hoffnung des Menschen in der Größe der göttlichen Barmherzigkeit liege. Die heutige Welt sei von Ängsten, Kriegen, Spannungen und Gewalt geprägt, die Beziehungen vergifteten und Leben zerstörten. Deshalb müsse die Barmherzigkeit als Weg der Erneuerung wiederentdeckt werden. Frieden sei ohne Barmherzigkeit nicht erreichbar, erklärte Leo XIV.
Zugleich rief der derzeit auf seinem einwöchigen Spanienbesuch befindliche Pontifex dazu auf, das Vertrauen auf Gottes Liebe mit persönlichem Engagement für eine offenere und geschwisterlichere Gesellschaft zu verbinden, beginnend in den Familien und lokalen Gemeinschaften.
Symbolhafter Ort
Der Kongress steht in besonderer Verbindung zur Spiritualität der Göttlichen Barmherzigkeit. Vilnius gilt als einer ihrer wichtigsten Ursprungsorte: Hier lebte die polnische Mystikerin Faustyna Kowalska zwischen 1933 und 1936, hier entstand 1934 das erste Bild des barmherzigen Jesus nach ihren Visionen, und von hier aus verbreitete sich die Verehrung weltweit. Ihr Beichtvater, der selige Michal Sopocko, war einer der ersten Förderer der Botschaft.
Die Weltkongresse gehen auf eine Initiative von Johannes Paul II. zurück, der Faustyna im Jahr 2000 heiligsprach. Seit 2008 finden die Treffen in dreijährigem Rhythmus statt; frühere Austragungsorte waren Rom, Krakau, Bogotá, Manila und 2023 Apia.
Prominente Teilnehmer
Zum Auftakt des Kongresses zogen die Teilnehmer am Fronleichnamstag nach einer Messe auf dem Kathedralplatz in einer eucharistischen Prozession über das Tor der Morgenröte zur Herz-Jesu-Kirche. Das Areal rund um die Kirche ist nach rund 80 Jahren erstmals wieder öffentlich zugänglich und bildet das Zentrum der Veranstaltung. Neben Gottesdiensten, Anbetungszeiten und kulturellen Programmen umfasst das Treffen eine theologische Konferenz, Pilgerwege auf dem "Weg der Barmherzigkeit", Workshops in der Altstadt sowie soziale und karitative Initiativen.
Zu den prominentesten Teilnehmern zählen neben Patriarch Bartholomaios der Krakauer Kardinal Grzegorz Rys, der anglikanische Geistliche Nicky Gumbel sowie die Präsidentin von Caritas Ukraine, Tetiana Stawnychy. Weitere Referenten sind unter anderem der vatikanische Pro-Präfekt Rino Fisichella, die Theologin Donna Orsuto, der ehemalige Londoner Polizist und Menschenhandelsexperte Kevin Hyland sowie zahlreiche Seelsorger, Laien und Glaubenszeugen aus aller Welt.
Barmherzigkeit erfahrbar machen
Die Organisatoren sehen den Kongress als Antwort auf wachsende Gleichgültigkeit und Individualismus. Ziel sei es, Gemeinschaften zu stärken, die den Geist des Evangeliums leben und Barmherzigkeit durch Worte, Gebet und konkrete Hilfe erfahrbar machen. Thematisch widmen sich die einzelnen Kongresstage den Schwerpunkten Erinnerung, Wort Gottes, Gebet, konkrete Werke der Barmherzigkeit und schließlich dem Herzen Christi als Quelle von Frieden und Hoffnung.
Der Abschluss des Weltkongresses ist für den 12. Juni, das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, vorgesehen. Dann soll auch der Austragungsort des nächsten Weltkongresses bekanntgegeben werden.