Bischofskonferenz-Vorsitzender Saje begrüßt bei Gottesdienst an Karsthöhle im Gottscheer Hornwald vom Parlament beschlossene Gesetzesnovelle zur würdigen Bestattung von Opfern der kommunistischen Tito-Partisanen am Ende des Zweiten Weltkriegs - Saje: "Versöhnung ist nicht der Sieg der einen über die anderen"
Ljubljana, 08.06.2026 (KAP) Sloweniens Bischofskonferenz-Vorsitzender Andrej Saje hat die Bemühungen um die würdige Bestattung von Opfern der von kommunistischen Tito-Partisanen am Ende des Zweiten Weltkriegs begangenen Massenhinrichtungen und eine jüngst dazu vom Parlament in Ljubljana beschlossene Gesetzesnovelle begrüßt. Ein würdevoller Umgang mit den Toten stärke das soziale Vertrauen und die Versöhnung, betonte er am Wochenende bei der jährlichen Gedenkfeier am Massengrab der Karsthöhle Macesnova gorica im Gottscheer Hornwald (Kocevski rog). Neben zahlreichen Vertretern aus Zivilgesellschaft und Kirche nahm auch Ministerpräsident Janez Jansa teil.
Macesnova gorica gilt als eine der größten Stätten verborgener Massengräber in Slowenien. 2022 wurden dort die sterblichen Überreste von 3.450 Opfern exhumiert, überwiegend Slowenen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Gerichtsverfahren getötet worden waren. Laut der am 26. Mai unter Führung von Jansas neuer Mitte-Rechts-Koalition im Parlament beschlossenen Novelle des Gesetzes über Kriegsgräber und Opferbestattungen sollen sie auf dem Zentralfriedhof in Ljubljana beigesetzt werden. Auch die katholische Kirche in Slowenien hatte sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt.
Das Parlament führte zudem den 17. Mai als Gedenktag für die Opfer kommunistischer Gewalt wieder ein. Den 2022 von der damaligen Jansa-Regierung erstmals ausgerufenen Gedenktag hatte die bis vor wenigen Wochen amtierende linksliberale Koalition unter Robert Golob 2023 wieder abgeschafft.
Opfer der Massenhinrichtungen vor 80 Jahren, die in der Regel ohne ein rechtliches Verfahren stattgefunden haben, waren in erster Linie Wehrmachtssoldaten und uniformierte slowenische, kroatische oder serbische Verbände, die auf der Seite NS-Deutschlands kämpften. Es gab auch zahlreiche zivile Opfer, denen pauschal Verrat und Kollaboration vorgeworfen wurde. Dazu zählten auch die Angehörigen der deutschsprachigen Minderheiten ("Volksdeutsche") im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.
"Versöhnung ist nicht der Sieg der einen über die anderen"
Bischof Saje bezeichnete Macesnova gorica in seiner Predigt am 6. Juni als einen Ort, an dem die slowenische Geschichte die grundlegenden Fragen der Menschenwürde, der Wahrheit und des Sinns des Lebens berühre. Viele der Getöteten seien jahrzehntelang ohne Namen im öffentlichen Gedächtnis und ohne Grabstätte geblieben, an der ihre Angehörigen beten konnten. Die Achtung vor den Verstorbenen sei ein wesentliches Merkmal menschlicher Kultur, betonte der Diözesanbischof von Novo mesto. Das Recht auf ein Grab und eine würdige Bestattung sei Ausdruck des Respekts vor jedem Menschen.
Einen besonderen Schwerpunkt legte Saje auf das Thema Versöhnung. Diese sei nicht in erster Linie ein politisches oder historisches Projekt, sondern ein geistlicher Weg der Läuterung des Gedächtnisses, der Heilung von Wunden und der Wiederentdeckung der Brüderlichkeit. "Versöhnung ist nicht der Sieg der einen über die anderen. Sie ist der Sieg des Guten, der es dem Menschen ermöglicht, im anderen wieder einen Bruder zu erkennen", sagte der Bischof. Zugleich rief er dazu auf, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden als Grundlage für die Zukunft des slowenischen Volkes zu fördern.
Im Gedenkprogramm nach dem Gottesdienst bezeichnete der ehemalige Verfassungsrichter Klemen Jaklic die Nachkriegstötungen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sprach sich für eine klare Verurteilung aller totalitären Systeme aus. Die staatliche Ombudsfrau für Menschenrechte, Simona Drenik Bavdek, erinnerte an die Verpflichtung des Staates, die Opfer zu identifizieren, würdig zu bestatten und ihren Angehörigen das Recht auf Wahrheit zu gewährleisten.