Kirchenoberhaupt mahnt Spitzen der katholischen Kirche in Spanien zu "Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention"
Madrid, 08.06.2026 (KAP) Zu einem entschlossenen Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt von Geistlichen an Minderjährigen und Schutzbefohlenen hat Papst Leo XIV. die spanischen Bischöfe aufgerufen. Bei einer Begegnung mit den rund 120 Mitgliedern der Spanischen Bischofskonferenz in Madrid nannte der Papst am Montag den sexuellen Missbrauch eine "Pest" (plaga).
Er rief die Kirche dazu auf, "darauf mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge zu reagieren". Weiter sagte der Papst: "Allen verletzten Personen muss ehrlich Gehör geschenkt werden, sie müssen Annahme und Schutz erfahren und ihnen müssen echte Wege der Heilung ermöglicht werden."
Einigung über Opfer-Entschädigung
Hintergrund der Papstworte sind jahrelange Auseinandersetzungen zwischen Kirche, Politik und Justiz in Spanien um die Aufarbeitung der Verbrechen und Entschädigungszahlungen für die Betroffenen. Kirchenvertreter und Regierung hatten sich erst im Jänner dieses Jahres auf ein provisorisches Verfahren zur finanziellen Wiedergutmachung geeinigt. Die Höhe der zu zahlenden Summen wird dabei im Streitfall von einer unabhängigen Stelle entschieden. Neben Opfern von Geistlichen können sich auch andere Betroffene sexuellen Missbrauchs an die zuständige Kommission wenden.
Pläne für ein Treffen des Papstes mit Missbrauchsbetroffenen im Rahmen seiner Spanienreise hatte der Vatikan erst am Tag vor der Abreise des Papstes nach Madrid bestätigt. Sprecher von Opferverbänden kritisierten bis zuletzt die Auswahl der Gesprächsteilnehmer durch kirchliche Stellen. Es handele sich um handverlesene Personen, die repräsentativen Betroffenen-Vereinigungen blieben außen vor, kritisierten sie Montagfrüh bei einem Protest und einer Pressekonferenz vor der Vatikanbotschaft in Madrid, wo sich der Papst zeitgleich mit Ministerpräsident Pedro Sánchez traf.
Bei dem Protest wurde eine rechtliche Anerkennung der Opfer, lebenslange psychologische Betreuung sowie angemessene Entschädigung und Wiedergutmachung verlangt. "Wir wollen kein Foto mit dem Papst. Wir wollen Rechte und Wiedergutmachung für alle", so die Opferverbände.
Missbrauch "noch immer eine offene Wunde"
Laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung "El Pais" meinen 70 Prozent der Spanier, die Kirche decke immer noch Täter. König Felipe VI. erinnerte den Papst am Samstag beim Empfang im Königspalast daran, dass der durch Kirchenmitglieder verursachte Schmerz "mit Klarheit und Festigkeit" aufgearbeitet werden müsse.
Auf dem Flug von Rom nach Madrid hatte Leo XIV. zuvor im Gespräch mit Journalisten unterstrichen, dass sexueller Missbrauch in der Kirche "noch immer eine offene Wunde" sei, die er weiter bekämpfen wolle, wie er es sein Leben lang getan habe. Leider sei es ihm unmöglich, sich mit allen Opfern zu treffen, die darum bitten.