Entwicklungsorganisation fordert zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit mehr Verantwortung entlang globaler Lieferketten
Wien, 08.06.2026 (KAP) Anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni hat die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt auf das weiterhin hohe Ausmaß von Kinderarbeit weltweit hingewiesen. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind derzeit rund 138 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren von Kinderarbeit betroffen, davon etwa 54 Millionen in besonders gefährlichen Tätigkeiten. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist jünger als zwölf Jahre.
Jugend-Eine-Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer verwies auf die enge Verbindung zwischen Armut, fehlender Bildung und ausbeuterischer Arbeit. Bei Projektbesuchen in Ländern wie Sierra Leone und Äthiopien habe er Kinder erlebt, die unter schwierigen Bedingungen in Steinbrüchen arbeiteten oder stundenlang Wasser transportieren müssten. Viele von ihnen hätten den Wunsch, eine Schule besuchen zu können, um der Armut zu entkommen. Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstütze die Organisation deshalb Bildungs- und Berufsausbildungsprojekte sowie Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Kinder.
Teufelskreis
Kinderarbeit sei zugleich Ursache und Folge eines Teufelskreises, betonte Heiserer. Wer schon in jungen Jahren arbeiten müsse, habe oft keinen Zugang zu ausreichender Schulbildung und damit später geringe Chancen auf ein existenzsicherndes Einkommen. Dies führe häufig dazu, dass auch die nächste Generation auf Kinderarbeit angewiesen sei.
Besonders verbreitet sei Kinderarbeit in Bereichen wie Bergbau, Landwirtschaft, Textilproduktion oder Haushaltsarbeit. Betroffen seien unter anderem Rohstoffe und Produkte wie Kakao, Kaffee, Baumwolle, Gold, Zucker, Tabak oder Kleidung, die weltweit gehandelt würden. Laut der vom US-Arbeitsministerium geführten Liste mutmaßlich unter Kinderarbeit hergestellter Güter umfasst diese derzeit mehr als 200 Produkte aus über 80 Ländern.
Heiserer rief Konsumentinnen und Konsumenten dazu auf, beim Einkauf auf unabhängige Zertifizierungen wie das Fairtrade-Siegel zu achten. "Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden beruhen", erklärte er. Jugend Eine Welt engagiert sich gemeinsam mit weiteren Organisationen in der Initiative "Kinderarbeit stoppen" und setzt sich für wirksame gesetzliche Regelungen entlang internationaler Lieferketten ein. (Infos: www.jugendeinewelt.at bzw. www.kinderarbeitstoppen.at)