Experten diskutieren in Wien über Treue, Freiheit und das christliche Eheverständnis
Wien, 08.06.2026 (KAP) Ist die lebenslange Bindung an einen einzigen Menschen heute noch zeitgemäß? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Veranstaltung des Instituts für Ehe und Familie (IEF) am 16. Juni im Stephanisaal in Wien. Unter dem Titel "Für immer Du" diskutieren Fachleute aus Wissenschaft, Psychotherapie und Kirche über die Bedeutung exklusiver und dauerhafter Partnerschaft in einer Gesellschaft, die zunehmend von Individualisierung und vielfältigen Beziehungsmodellen geprägt ist.
Ausgangspunkt der Tagung ist die Beobachtung, dass sich viele junge Menschen zwar eine stabile und dauerhafte Beziehung wünschen, zugleich aber die Herausforderungen langfristiger Bindungen deutlich wahrnehmen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem Verhältnis von Liebe und Freiheit, nach den Voraussetzungen gelingender Partnerschaften sowie nach der Orientierungskraft des christlichen Eheverständnisses.
Impulse liefern der Familienforscher Wolfgang Mazal, der Psychotherapeut und Existenzanalytiker Alfried Längle sowie der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Im anschließenden Podiumsgespräch kommen auch Erfahrungen aus der Praxis zur Sprache. Moderiert wird der Abend von der Psychotherapeutin und Psychologin Susanne Pointner.
Entscheidung als Ausdruck der Freiheit
Im Vorfeld der Veranstaltung verweist das IEF auf aktuelle Debatten über Ehe und Partnerschaft. Hintergrund ist unter anderem das im November 2025 veröffentlichte Vatikan-Dokument "Una caro - Lobpreis der Monogamie", das die Bedeutung lebenslanger und exklusiver Bindung angesichts von Phänomenen wie Polygamie, offenen Beziehungen oder Polyamorie thematisiert. Das Dokument versteht die Ehe als Gemeinschaft zweier Personen, die aus freier Entscheidung ein gemeinsames "Wir" bilden und darin ein Abbild göttlicher Liebe verwirklichen.
In der begleitenden philosophischen Reflexion betont die IEF-Mitarbeiterin Sabrina Montanari, dass Freiheit nicht nur als Unabhängigkeit oder als Wahl zwischen möglichst vielen Optionen verstanden werden könne. Die christliche Tradition sehe vielmehr in der bewussten Entscheidung für einen anderen Menschen einen Ausdruck menschlicher Freiheit. Bezug genommen wird dabei unter anderem auf den orthodoxen Theologen Ioannis Zizioulas sowie den Philosophen Sören Kierkegaard, die den Menschen wesentlich als Beziehungswesen verstehen.
Krisen Teil der Wirklichkeit
Zugleich plädiert das Institut für einen realistischen Blick auf die Ehe. Schwierigkeiten und Krisen gehörten zur Wirklichkeit jeder Partnerschaft. Entscheidend sei nicht Fehlerlosigkeit, sondern die Bereitschaft, eine gemeinsame Lebensentscheidung immer wieder neu zu bekräftigen.
Dass die Sehnsucht nach verbindlicher Liebe weiterhin stark ausgeprägt ist, zeigen auch Umfragen: Laut der Ö3-Jugendstudie sehen sich zwei Drittel der jungen Menschen künftig verheiratet, während Treue für fast drei Viertel als wesentlicher Bestandteil einer Partnerschaft gilt. (Infos zur Tagung: https://www.ief.at/fuer-immer-du)