Leo XIV. besucht am Mittwoch die Schwarze Madonna von Montserrat
09.06.202611:43
Spanien/Papst/Kirche/Orden/Geschichte/Katalonien
Benediktinerkloster ist ein in den Fels gehauenes Symbol für Nationalstolz und Unabhängigkeitsstreben Kataloniens - Hintergrundbericht von Manuel Meyer (KNA)
Montserrat/Barcelona, 09.06.2026 (KAP/KNA) Der Barcelona-Part der einwöchigen Spanienreise von Papst Leo XIV. lässt wegen der Vielzahl von Terminen in der Mittelmeermetropole wenig Freiraum. Dennoch will er sich Zeit nehmen, um am Mittwoch (10. Juni) das rund 40 Kilometer entfernte Bergkloster Montserrat zu besuchen.
In der zuständigen Diözese Sant Feliu de Llobregat ist man indes wenig überrascht. "Das Kloster Montserrat hat Glauben und Kultur in Katalonien geprägt wie kaum ein anderer Ort", sagte Bischof Xabier Gómez voller Stolz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei die "religiöse und kulturelle Wiege Kataloniens" und einer der wichtigsten Pilgerorte in Spanien. Jährlich besuchen 2,5 Millionen Gläubige und Touristen den Wallfahrtsort, der wie ein Adlernest in 720 Meter Höhe in einer bizarren Felswand zu hängen scheint.
Tausendjährige Geschichte
2025 feierte das Benediktinerkloster sein tausendjähriges Bestehen. Doch die Geschichte des mythischen Ortes ist noch älter. Bereits um 880 nach Christus fanden Hirten der Überlieferung nach hier in den Bergen in einer Felsgrotte eine schwarze Madonnenstatue, wie Bernat Juliol, der Subprior von Montserrat, erklärt. Sie wollten die Figur ins Tal bringen. Doch plötzlich sei die Statue so schwer geworden, dass sie nicht mehr habe fortbewegt werden können. Das sah man als Zeichen, dass die Muttergottes an diesem Ort bleiben wollte.
Es dauerte nicht lange, bis die Madonnen-Figur "La Moreneta", inzwischen offiziell Schutzpatronin Kataloniens, Pilgerscharen anzog. 1522 übernachtete auch der heilige Ignatius von Loyola in Montserrat. Nach seiner Lebensbeichte vor der Jungfrau legte er im Kloster sein Schwert nieder, gab sein Leben als Ritter auf und gründete später den Jesuitenorden. So kreuzen sich heute in Montserrat der Ignatius- und der Jakobsweg.
Dass Montserrat zur Wiege Kataloniens wurde, hat neben den Pilgermassen aber auch mit dem Klostergründer zu tun. Abt Oliba (971-1046) war kein gewöhnlicher Mönch. Er war Abt von drei verschiedenen Benediktinerklöstern in Katalonien, Bischof von Vic und stammte aus der Dynastie der Grafen von Barcelona. Damit hatte Montserrat schon früh großen politischen Einfluss in der Region.
Symbol der Unabhängigkeit
Nach der Zerstörung durch Napoleon 1811 verwandelte sich das neu errichtete Kloster im Zuge der damaligen "Renaixenca", der Wiedergeburt Kataloniens, zum Symbol eines erwachenden nationalen Selbstwertgefühls der bis heute nach Unabhängigkeit strebenden Region.
Während der Diktatur (1939-1975) festigte Montserrat durch den Widerstand gegen General Franco seine Rolle als Keimzelle des katalanischen Nationalismus. Das Kloster begann, politisch Verfolgten Unterschlupf zu geben. "In diesem Sinne sehe ich den Besuch von Papst Leo XIV. auch als eine Art Anerkennung für den Beitrag der dortigen Benediktinergemeinde zur Evangelisierung und kulturellen Entwicklung Kataloniens", sagt Bischof Xabier Gómez.
10.000 Besucher erwartet
Leo XIV. wird am Mittwoch zur Mittagszeit in Montserrat erwartet. Er will einen Rosenkranz zu Ehren der Schwarzen Madonna beten, vom Balkon aus die Pilger segnen und anschließend mit der Benediktinergemeinde zu Mittag essen und das Kloster besichtigen. Erwartet werden bis zu 10.000 Besucher.
Noch am Nachmittag geht es zurück nach Barcelona. In der Kirche Sant Agustí im Raval-Viertel trifft der Papst Vertreter von 90 Organisationen, die im Bereich der Armutsbekämpfung tätig sind. Danach fährt er zur Sagrada Família, um den höchsten Kirchturm der Welt zu segnen.
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