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Piusbruderschaft überrascht über Schweigen des Papstes

09.06.2026 13:22
Schweiz/Vatikan/Kirche/Konflikte/Piusbruderschaft
Generalobere Pagliarani will Leo XIV. noch vor den für 1. Juli geplanten verbotenen Bischofsweihen treffen
Econe, 09.06.2026 (KAP/KNA) Die traditionalistische Piusbruderschaft zeigt sich überrascht über das Schweigen von Papst Leo XIV. zu ihrer drohenden Exkommunikation. Es sei sein "aufrichtigster Wunsch", den Papst noch vor den für 1. Juli geplanten verbotenen Bischofsweihen zu treffen, sagte der Generalobere der mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehenden Priesterbruderschaft, Davide Pagliarani, dem eigenen Pressedienst "FSSPX.Actualités". Es gebe jedoch bislang weder eine Antwort noch eine persönliche Reaktion von Leo XIV.

Pikant: Pagliarani erinnert in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus (2013-2025), der der vorkonziliaren Liturgie mit kirchendisziplinarischer Härte entgegengetreten war und dessen Amtsführung und Programm der Pius-Obere insgesamt als eine "Katastrophe" bezeichnet. Es sei wohl "nur ein Detail, aber als ich um ein Treffen mit ihm im Vatikan bat, erhielt ich binnen 24 Stunden eine Audienz, und er zeigte sich besonders freundlich", so Pagliarani.

Nein zu Reformen des Konzils

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) will am 1. Juli in Écône im Schweizer Wallis vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Da der Papst die Weihe wegen lehrmäßiger Differenzen mit den Piusbrüdern nicht erlaubt hat, droht den Kandidaten sowie dem weihenden Bischof nach dem Kirchenrecht die von selbst eintretende Exkommunikation.

Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab, etwa zu Ökumene und Religionsfreiheit. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.

Keine theologische Einigung zu erzielen

Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten exkommuniziert worden. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hob die Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber trotz langer Verhandlungen nicht. Von den vier 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch Alfonso de Galarreta (69) und der frühere Obere Bernard Fellay (68). Ihre Weihen und Weihehandlungen sind nach dem Kirchenrecht unerlaubt, aber gültig.

Der aktuelle Generalobere Pagliarani betonte in dem Gespräch: "Bevor man eine Gemeinschaft mit mehr als 1.000 Mitgliedern, die für Hunderttausende Gläubige weltweit einen Bezugspunkt darstellt, vielleicht für schismatisch erklärt, wäre es vielleicht wünschenswert, jene persönlich kennenzulernen, über die geurteilt werden soll." Die geplante Sanktion betreffe nicht nur eine Institution, sondern auch "Menschen, die dem Papst und der Kirche zutiefst verbunden sind".

Bei den nun in sozialen Medien geposteten Aussagen Pagliarinis handelt es sich um Auszüge eines bereits vor Wochen geführten Gespräches. Es erhält nun neue Aktualität durch den herannahenden Weihetermin. Bislang hat sich lediglich die vatikanische Glaubensbehörde in Person von Glaubenspräfekt Kardinal Víctor Manuel Fernandez zu Wort gemeldet, nicht aber der Papst selbst.
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