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Trauerort am Wiener Stephansdom für Amokopfer von Graz
Gedenken
Bild Copyright: © kathpress / Johannes Pernsteiner

Telefonseelsorge Graz: Amoklauf-Jahrestag soll Betroffenen gehören

09.06.2026 12:55
Österreich/Kirche/Psychologie/Schule/Gesellschaft, Bevölkerung/Telefonseelsorge/Amoklauf
Leiter der Telefonseelsorge Graz: "Es ist wichtig, Formen des würdigen Gedenkens zu finden, ohne etwas zu beschönigen" - Jahrestage bleiben für viele Betroffene schwierig
Graz, 09.06.2026 (KAP) Ein Jahr nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz bleibt das Geschehene für viele Menschen schwer fassbar. "Es ist wichtig, Formen des würdigen Gedenkens zu finden, ohne etwas zu beschönigen", sagte dazu Christian Ortner, Leiter der Telefonseelsorge der Diözese Graz-Seckau, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Einfache Erklärungen oder einzelne Maßnahmen, mit denen sich derartige Taten verhindern ließen, gebe es nicht. Für das Umfeld von Betroffenen empfiehlt Ortner vor allem ehrliche Anteilnahme. "Traumatisierte berichten, dass es schlimm ist, allein gelassen oder gemieden zu werden." Wichtig seien Gesprächsangebote ohne Druck und Sensationsinteresse. Die Entscheidung, ob über das Erlebte gesprochen wird oder nicht, müsse dabei bei den Betroffenen selbst liegen.

Viele der Betroffenen, Angehörigen sowie Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte litten weiterhin unter den Folgen der Tat und wollten rund um den Jahrestag nicht erneut in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden, meinte Ortner. Erinnerungsdaten wie der Amoklauf-Jahrestag am Mittwoch könnten daher Belastungen und Ängste neu hervorrufen. Betroffene benötigten daher neben psychologischer Unterstützung vielfach auch Ruhe und die Möglichkeit, ihren eigenen Umgang mit dem Erlebten zu finden, betonte Ortner. Selbstfürsorge könne an solchen Tagen etwa bedeuten, bewusst Abstand von Medienberichten zu halten.

Stilles Gedenken

Auf Wunsch der Angehörigen und der Schulgemeinschaft wird es heuer keine öffentliche Gedenkveranstaltung geben. Es sollen keine alten Wunden aufgerissen werden, hieß es dazu vonseiten der Stadt Graz laut Medienberichten. Bereits am Vorabend (9. Juni) findet im Grazer Rathaus eine geschlossene Gedenkfeier für Angehörige statt. Am Jahrestag selbst erinnert die Schulgemeinschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit an die Opfer. Vertreter der steirischen Landesregierung werden zudem im Grazer Dom Blumen niederlegen.

Neben dem Gedenken brauche es aber auch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Ursachen von Ausgrenzung und sozialem Rückzug, sagte Ortner. Die entscheidende Frage sei, "wie schaffen wir es als Gesellschaft, dass wir niemanden verlieren". Es brauche ausreichend Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, mehr Schulsozialarbeit sowie Unterstützung für junge Menschen, die sich zunehmend zurückziehen. Gerade bei Schulverweigerern sei oft eine intensive Begleitung notwendig.

Kritisch äußerte sich der Leiter der Telefonseelsorge auch über den Umgang mit sozialen Medien. Die Gesellschaft habe bislang "noch keinen vernünftigen Umgang gefunden". Diskussionen über Altersbeschränkungen seien deshalb berechtigt. Zugleich warnte Ortner davor, den Täter oder dessen Motive in den Mittelpunkt zu stellen. Täterglorifizierung, wie sie teilweise im Internet zu beobachten sei, dürfe keinen Platz haben.
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