Linz: Neue slowakische griechisch-katholische Gemeinde im Entstehen
09.06.202610:38
(zuletzt bearbeitet am 09.06.2026 um 15:14 Uhr)
Österreich/Kirche/Kath.Ostkirchen
Gemeinde feierte ersten Gottesdienst im Alten Dom mit Bischof Pacak - Rumänische griechisch-katholische Gemeinde in Wien Kagran beging zehnjähriges Bestehen mit Festgottesdienst - 20.000 Gläubige verschiedener katholischer Ostkirchen leben in Österreich
Linz/Wien, 09.06.2026 (KAP) In Linz ist eine neue slowakische griechisch-katholische Gemeinde im Entstehen. Am Sonntag wurde im Alten Dom erstmals die byzantinische Göttliche Liturgie in slowakischer Sprache gefeiert. Ihr stand der slowakische Bischof Marian Andrej Pacak vor. Mit ihm konzelebrierte P. Juraj Potocky Terek, Seelsorger für die Gläubigen der Slowakischen Griechisch-Katholischen Kirche in Österreich. Die slowakische Gemeinde war zu Gast bei der Ukrainischen Griechisch-katholischen Gemeinde, die seit einiger Zeit in der Kirche beheimatet ist. Die eigentlich römisch-katholische Jesuitenkirche im Zentrum von Linz war von 1785 bis 1909 Bischofskirche der Diözese Linz und wird daher auch Alter Dom genannt. Sie ist seit einigen Jahren eine Rektoratskirche.
Ostkirchengeneralvikar Yuriy Kolasa zeigte sich gegenüber Kathpress zuversichtlich, dass der Gottesdienst ein guter Startschuss für die Bildung und Entwicklung einer Gemeinde der Slowakischen Kirche war.
"Als ukrainische Gemeinde freuen wir uns, unseren Brüdern und Schwestern aus der Slowakei dienen zu können, damit sie in ihrer Muttersprache und in ihrer geistlichen Tradition beten können", hielt zudem P. Andrii Kityk gegenüber Kathpress fest: "Auf diese Weise bezeugen wir immer wieder die Einheit der Kirche Christi, die sich in der Vielfalt und im Reichtum verschiedener Völker, Sprachen und Kulturen entfaltet." Dankbar zeigte sich auch P. Terek über die Gastfreundschaft und das Engagement örtlicher Gläubiger der Slowakischen Kirche, die sich um die Bildung der Gemeinde bemühen.
Rumänische Katholiken feiern Jubiläum
Auf eine bereits zehnjährige Geschichte kann die rumänische griechisch-katholische Gemeinde Wien-Kagran zurückblicken. Am Sonntag feierte die Gemeinde ihr Jubiläumsfest, das zugleich auch das Patroziniumsfest war. Dem Gottesdienst stand Bischof Cristian Dumitru Crisan, Apostolischer Visitator für die rumänischen griechisch-katholischen Gläubigen in Westeuropa, vor. Gemeinsam mit Generalvikar Kolasa sowie zahlreichen rumänischen Priestern zelebrierte der Bischof die Göttliche Liturgie. In seiner Predigt betonte der Bischof die Bedeutung der lebendigen Gemeinschaft und des Glaubenszeugnisses der rumänischen Christen in der Diaspora.
In der Gemeinde Wien-Kagran sind in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche pastorale, kulturelle und gemeinschaftliche Initiativen entstanden. Dazu gehörten eine rumänische Schule für Kinder, die Vorbereitung auf die feierliche Erstkommunion, Konzerte, Buchpräsentationen, Kirchweihfeste und viele Begegnungen für Familien und Jugendliche. Der Chor "Armonia" bringt die rumänische spirituelle und musikalische Tradition über die Gemeinde hinaus einem breiten Publikum näher.
23 katholische Ostkirchen
Als katholische Ostkirchen werden eigenständige Kirchen ("Ecclesiae sui iuris"- Kirchen eigenen Rechts) bezeichnet, die aus Ortskirchen des östlichen Christentums entstanden sind, also aus orthodoxen oder orientalisch-orthodoxen Kirchen, und im Laufe der Zeit mit Rom eine Union eingegangen sind. Alle 23 katholischen Ostkirchen anerkennen den Papst als Oberhaupt, sie besitzen aber zugleich unterschiedlich ausgeprägte innerkirchliche autonome Rechte. Sie haben ihr eigenes Kirchenrecht, festgehalten im 1990 erschienenen Codex Canonum Ecclesiarum Orientalum (CCEO) und erweitert um jeweils spezifische eigene Regelungen.
Die katholischen Ostkirchen feiern ihre Gottesdienste nach ihrem eigenen Ritus. Dieser kann byzantinisch, westsyrisch, ostsyrisch, koptisch oder armenisch sein. In fast allen katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester, die Sakramentenpraxis unterscheidet sich in einigen Details von jener in der römisch-katholischen Kirche, teilweise gibt es auch unterschiedliche theologische Lehrinhalte.
Gerade durch die Migrationsbewegungen der letzten zehn Jahre - ausgelöst vor allem auch durch die dramatische Situation im Nahen Osten und in der Ukraine - sind viele Gläubige katholischer Ostkirchen in den Westen gekommen, was große Herausforderungen für diese Kirchen in der sogenannten Diaspora mit sich gebracht, zugleich aber auch ihre Bekanntheit gesteigert hat.
Ostkirchenordinariat in Österreich
Das Ostkirchenordinariat in Österreich zählt rund 20.000 Gläubige unterschiedlicher Kirchen. Die Ukrainische Griechisch-katholische Kirche ist die mit Abstand größte byzantinische katholische Ostkirche in Österreich. Es gibt zudem auch Gemeinden der Rumänischen, Slowakischen und Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche sowie vereinzelt Gläubige der Griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, der Griechisch-katholischen Kirche in Serbien (Eparchie Sankt Nikolaus Ruski Krstur) sowie der griechisch-katholischen Eparchie von Mukachevo (Ukraine).
Zu den byzantinischen katholischen Ostkirchen kommen in Österreich auch noch einige orientalische katholische Ostkirchen (Maronitische Kirche, Armenisch-Katholische Kirche, Chaldäische Kirche, Syro-Malankarische Kirche, Syro-Malabarische Kirche, und äthiopisch-katholische Kirche).
Dem Ostkirchenordinariat gehören derzeit rund 85 Priester an. Es gibt die Zentralpfarre St. Barbara in Wien und rund 35 Seelsorgestellen, verteilt auf ganz Österreich. Der jeweilige Erzbischof von Wien - derzeit Kardinal Christoph Schönborn - steht den katholischen Ostkirchen als Ordinarius vor. Er trägt damit die bischöfliche Letztverantwortung. Generalvikar des Ordinariats ist Erzpriester Yuriy Kolasa, der der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche angehört.