Papst spricht in Barcelona Katalanisch und wirbt für Einheit
09.06.202614:54
(zuletzt bearbeitet am 09.06.2026 um 16:01 Uhr)
Spanien/Papst/Kirche/Sprache
Mittagsgebet in der Kathedrale von Barcelona - Leo XIV.: "Zerstörung der Einheit nicht zulassen"
Barcelona, 09.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat bei seinem ersten Gottesdienst in Barcelona am Dienstag Katalanisch gesprochen. Nach einem teils lateinisch, teils katalanisch gesungenen Mittagsgebet in der gotischen Kathedrale der Stadt sagte er den ersten Satz und mehrere Absätze seiner Ansprache auf Katalanisch.
Den Rest verlas er auf Spanisch, das er seit seinen Jahren als Missionar in Peru fließend beherrscht. Zuvor hatte der Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan José Omella, das Kirchenoberhaupt in beiden Landessprachen begrüßt. Unmittelbar vor der Begegnung war Leo XIV., von Madrid kommend, in der katalanischen Metropole eingetroffen.
Papst spricht über die Einheit
In seiner Ansprache beim Mittagsgebet widmete sich der Papst dem Thema der Einheit. Er erinnerte an die "vielen Brüder und Schwestern, die sich hier bei euch jenseits aller Polarisierung für Harmonie und Gemeinschaftsbildung eingesetzt haben, und das auch weiterhin tun".
Weiter betonte er, dass in der Kirche "Menschen aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern" durch das Wirken desselben Geistes zur gleichen Heiligkeit berufen seien.
"Zerstörung der Einheit nicht zulassen"
"Im Reichtum der empfangenen Gaben sind wir stark, weil wir vereint sind und wir sind vereint, weil wir vom selben Geist beseelt sind", so Leo XIV. An die Gläubigen gewandt, sagte er weiter: "Es ist für jeden von uns wichtig, dass wir nicht zulassen, dass die Einheit zerstört wird, in der Gott uns geschaffen hat und zu deren Fülle er uns Tag für Tag führt."
Die Einwohner Barcelonas und die Katalanen hätten eine "besondere Berufung und Verantwortung, mit Gottes Hilfe zu Baumeistern der Einheit zu werden". In einer von Kriegen und Spaltungen zerrissenen Welt, in einer zunehmend fragmentierten und individualistischen Gesellschaft sollten die Christen sich bewähren als "Zeugen und Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens".
Der Papst beendete seine Ansprache auf Katalanisch mit einer Anrufung Marias als "Mutter der Einheit". Danach begab er sich in die Krypta der Kathedrale, um dort am Grab der Heiligen Eulalia, der Schutzpatronin von Barcelona, zu beten.
Katalanisch mit wechselvoller Geschichte
Das Katalanische ist seit dem Mittelalter eine eigene romanische Sprache. Die spanische Zentralregierung in Madrid verbot ihren amtlichen Gebrauch im 18. und 19. Jahrhundert sowie erneut während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1978.
Seit Katalonien im demokratischen Spanien ab 1979 den Status einer "autonomen Gemeinschaft" erhielt, ist das Katalanische faktisch zur vorherrschenden Amtssprache in der Region geworden. Versuche katalanischer Separatisten, eine vollständige staatliche Loslösung von Spanien durchzusetzen, scheiterten jedoch.
Auftritt im Olympiastadion
Am Dienstagabend wird der Papst zu einem Abendgebet im Olympiastadion von Barcelona erwartet. Anlass seines Aufenthalts in der Mittelmeermetropole ist die Segnung des höchsten Kirchturms der Welt an der Basilika Sagrada Família am Mittwoch. Ihr Architekt Antoni Gaudí verstarb genau 100 Jahre zuvor.
Für Mittwochmittag ist überdies ein Besuch des Berg-Klosters Montserrat geplant, das als historische Hochburg der katalanischen Sprache und Kultur gilt. Die katholische Kirche hat die kulturellen Autonomiebestrebungen der Region im Nordwesten Spaniens meist unterstützt. Die Bemühungen radikaler katalanischer Separatisten um eine Loslösung von Spanien hat sie jedoch nicht aktiv gefördert.
Goldene Rose für die "Jungfrau von Almudena"
Den dritten Tag seiner Spanienreise hatte Papst Leo XIV. am Montagabend mit zwei innerkirchlichen Auftritten in Madrid beendet. Zunächst leitete er einen Wortgottesdienst mit Marienverehrung in der Almudena-Kathedrale. Danach stand eine Begegnung mit rund 80.000 Katholikinnen und Katholiken der Erzdiözese Madrid im Bernabeu-Stadion des Fußballvereins Real Madrid auf dem Programm.
Die in der Hauptstadt-Kathedrale verehrte "Jungfrau von Almudena" zeichnete der Papst bei seinem Besuch mit der "Goldenen Rose", einer besondere päpstliche Auszeichnung für Marienkirchen, aus. Im Beisein von Königin Sofia, der 87-jährigen Mutter des amtierenden Königs Felipe, erinnerte der Papst in seiner Ansprache in der Kathedrale daran, dass die tausendjährige Marienverehrung ein Zeichen für die christlichen Wurzeln Spaniens sei. Die Gläubigen forderte er auf, in der Nächstenliebe und im Bezeugen des Glaubens und der christlichen Hoffnung nicht nachzulassen.
Mit 80.000 Katholiken im Bernabeu-Stadion
Thema der Begegnung des Papstes mit Geistlichen und kirchlich engagierten Laien im Bernabeu-Stadion waren die besonderen Herausforderungen einer modernen Großstadt für Seelsorge und Verkündigung der katholischen Kirche. Der Papst machte den Katholiken in einem schwieriger werdenden gesellschaftlichen Umfeld Mut und forderte sie auf, Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource zu verstehen und Synodalität in die Praxis umzusetzen.
Vor den 80.000, die ihn begeistert empfingen, sagte Leo, er wolle an diesem Abend "die Beziehungen einer so schönen kirchlichen Familie" stärken, "die die Kunst der Polyphonie lernt, das heißt der Einheit in der Vielfalt". Auch Madrids Erzbischof Kardinal José Cobo Cano trat ans Rednerpult und beschwor eine offene Kirche, die in Zeiten der Zerrissenheit geeint wandelt, zuhört, erkennt und sich vom Heiligen Geist leiten lässt.
Der Papst ging auch auf Berichte über eine wachsende Zahl von Taufen ein, gegenläufiger Trend zur abnehmenden Quote praktizierender Katholiken in Spanien. "Vertraut auf die immer offensichtlicher werdende Tatsache, dass man auch im Erwachsenenalter zum Glauben zurückkehren oder ihn zum ersten Mal entdecken kann. Seid bereit, Neuanfänge nicht als Ausnahme, sondern als Regel der Missionierung anzunehmen", sagte Leo XIV.
Am Ende der ausgelassenen Feier mit viel Musik und zahlreichen Erfahrungsberichte, die das vielfältige Leben und den solidarischen Einsatz von Kirche und Gläubigen widerspiegelten, segnete der Papst die Grundsteine für 17 neue Kirchen in Zuzugsvierteln Madrids.
Im katholisch geprägten Madrid hat die Kirche seit einigen Jahren mit einem Rückgang der Zahl der Gottesdienstbesucher zu kämpfen. Auch die Nachfrage nach kirchlichen Trauungen und Taufen ist rückläufig. Dennoch ist Madrid im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten mit einem Katholikenanteil von offiziell 79 Prozent eine Hochburg der Kirche.
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