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Priester radelt bei Race Across America für trauernde Kinder

10.06.2026 14:47
Deutschland/Vatikan/USA/Kirche/Soziales/Sport/Leute
4.800 Kilometer in zwölf Tagen - Rückenwind durch Papst und Bischof - Von Sabine Kleyboldt
Bremen/Rom, 10.06.2026 (KAP) Voriges Jahr holte sich "Rennrad-Pfarrer" Pawel Nowak den Segen von Papst Leo. Dann qualifizierte er sich für das wohl härteste Radrennen der Welt: Beim Race Across America (RAAM) will er 4.800 Kilometer in zwölf Tagen und fast ohne Schlaf bewältigen - als erster katholischer Priester. Ab 16. Juni wird er tage- und nächtelang auf seinem Rennrad sitzen.

"Ich starte in der Solo-Kategorie, aber ich bin nicht allein", so der gebürtige Pole, der seit 2014 in der deutschen Diözese Hildesheim arbeitet: "Ich habe ein Team aus sieben tollen Leuten, die mich in zwei Begleitfahrzeugen unterstützen."

Segen von Papst Leo

Mehr noch: Der Priester aus Bremen-Blumenthal fährt mit dem Segen des Papstes, den er im vergangenen Sommer im Vatikan besuchte - natürlich per Rennrad. Das Selfie mit Leo XIV. auf dem Petersplatz hütet er wie einen Schatz. "Ich schaue es mir oft auf meinem Handy an und erinnere mich gerne", sagt der 40-Jährige.

Und kürzlich holte er sich noch das "Go" seines Chefs, des scheidenden Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer: "Ich finde das großartig, wie Pastor Nowak unterwegs ist, ein wunderbarer Seelsorger, ganz nah bei den Menschen", so Wilmer in einem von Nowaks zahlreichen Social-Media-Beiträgen.

Besonders lobt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass Nowak mit seiner Aktion wieder Geld sammeln will für Kinder, diesmal für die Bremer Initiative "Trauerland". "Sie haben meine volle Unterstützung, meine Sympathie", so Wilmer, der bald seinen Dienst als neuer Bischof von Münster antritt. "Vergelts Gott, Ihnen gute Beine, gute Muskeln, und kommen Sie gut und gesund wieder", so Wilmer in dem Video.

Rückenwind für 52.000 Höhenmeter

Mit so viel Rückenwind dürfte Nowak geradezu über die bevorstehenden 52.000 Höhenmeter hinwegfegen, darunter die Rocky Mountains und die Appalachen. Auch wird er bei seiner Tour durch 13 US-Bundesstaaten vier der längsten Flüsse Amerikas, darunter den Colorado und den Mississippi, sowie mehrere Wüsten passieren.

Los geht's am 16. Juni in Oceanside in Kalifornien, Ziel ist Atlantic City im Ostküsten-Staat New Jersey am 28. Juni - ein ziemlich irres Abenteuer: "Viele machen so etwas Verrücktes nicht mal mit dem Auto", schmunzelt der drahtige Geistliche.

Am 8. Juni sind Nowak, seine drei Fahrräder und sein Team Richtung USA geflogen: vier Frauen und drei Männer, darunter sein Bruder Rafal, sein Englischlehrer und die RAAM-Siegerin von 2025, die polnische Ultrafahrerin Aneta Lamik. Von ihr erhofft sich Nowak Coaching, aber auch Insiderwissen über Regelwerk und besondere Streckenabschnitte.

Vier Nationen auf dem Trikot

Nowak selbst startet für Deutschland, doch vereint er mit seiner Teilnahme mehrere Nationalitäten: Das Team um den Mann mit der Startnummer 716 besteht komplett aus Polen, auf seinem Leibchen sind die deutsche, die polnische und die US-Flagge zu sehen, und die azurblaue Trikotfarbe erinnert an Italien.

Doch am meisten springt der bunte Schriftzug "Trauerland" ins Auge, eine Initiative für Kinder und Jugendliche, die einen nahen Menschen verloren haben. "Wir Christen glauben an ein Wiedersehen im Ewigen Leben. Wir trauern also anders, das können wir auch zeigen", erläutert der Theologe. Vergangenes Jahr kamen bei seiner Rom-Radtour über 16.000 Euro für ein Kinderhospiz zusammen.

Apropos Geld: Die rund 50.000 Euro für sein RAAM-Abenteuer samt Flügen, Unterkunft, Verpflegung für sich und die Crew, die beiden Leihfahrzeuge, seine Räder, die ausgefeilte Technik sowie 3.500 Euro Startgebühr zahlt Pawel Nowak aus eigener Tasche - auch dank einer großzügigen Leihgabe seiner Familie.

Standleitung nach ganz oben

Im Sattel pflegt der Pfarrer eine Standleitung nach ganz oben. "Die vorgeschriebenen Stundengebete und die Heilige Messe kann ich in dieser Zeit natürlich nicht einhalten. Aber ich denke, das ist keine so große Sünde, denn ich bin auf dem Rad eigentlich immer in Kontakt mit Gott."

Das hilft vielleicht auch dabei, den inneren Schweinehund zu überwinden, wenn die nächste krasse Steigung ansteht, Temperaturunterschiede von mitunter 40 Grad an der Kondition zehren und die Beine schwer werden. "Das Wichtigste ist, dass der Kopf mitspielt", sagt Pawel Nowak. "Wenn alles gut läuft und ich ans Ziel komme, dann kann ich sagen: Ich bin in zwölf Tagen mit dem Rad quer durch Amerika gefahren. Davon werde ich ewig zehren."

(Spendenaktion für Trauerland: www.trauerland.org/unterstuetzer-werden/spendenaktion-ultracycling-pawel-nowak/)
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