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Leo XIV. in Barcelona am "Höhe-Punkt" seiner Reise

10.06.2026 16:52
Spanien/Papst/Kirche/Gesellschaft/Soziales
Nach dem Schwerpunkt Politik in Madrid geht es für Leo XIV. im zweiten Teil seiner Spanienreise in Katalonien vor allem um Kultur, Brauchtum und Soziales - Aber der Papst liefert auch andere Bilder und Schlagzeilen - Von Kathpress-Korrespondentin Sabine Kleyboldt
Barcelona, 10.06.2026 (KAP) Mit weit aufgerissenen Augen wie ein kleiner Bub thront der Mann in Weiß im Flugzeug-Cockpit. Über das schwarze Headset grüßt er die Besatzung des spanischen Kampfjets 15-31, der den Papstflieger von Madrid nach Barcelona begleitet. Aufgekratzt lässt sich Leo XIV. von Pilot und Pilotin die Technik im Airbus A320 erklären.

Seit Dienstagabend geht das Video der Fluggesellschaft Iberia viral, in Konkurrenz zu den vielen pastoralen und sozialen Terminen, die Leo XIV. auf seiner Spanienreise absolviert. Hier blitzt hinter dem Kirchenoberhaupt der Mensch Robert F. Prevost (70) hervor, studierter Mathematiker und Physiker und brennend interessiert an Rennautos, Weltraumteleskopen und Flugzeugen.

Als Papst liegt sein Augenmerk bei seiner zweiten Etappe Katalonien eindeutig auf den Themen Versöhnung und Einheit. Ein kurzes Treffen mit Latin-Rapper Bad Bunny in Madrid, das ebenfalls für Furore sorgt, passt in die Linie, verschließt sich doch der gebürtige Chicagoer kaum einer Begegnung.

Besuch im Gefängnis und im Kloster

Mittwochvormittag besucht er Menschen im Gefängnis, betet mit ihnen und macht deutlich, dass auch sie auf ein besseres, erfülltes Leben hoffen dürfen. Der Papst muss eigentlich nicht viel tun. Allein, dass er sich für sie interessiere, sei ein wunderbares Zeichen, sagte eine Insassin schon im Vorfeld.

Auch in Katalonien schlägt dem fließend Spanisch sprechenden Gast aus dem Vatikan allenthalben Zuneigung entgegen. Doch auf den Straßen Barcelonas ist der lächelnde Leo nicht ganz so präsent wie in der Hauptstadt Madrid. Statt seines Konterfeis prangen Friedenstauben auf den blauen Transparenten mit dem Willkommensgruß "Benvingut, Papa Lleó XIV" - auf Katalanisch. Die Menschen in der Region sind stolz auf ihre jahrhundertealte Sprache, die lange verboten war.

Als der Papst am Dienstagmittag die Menschen in der Kathedrale Santa Eulalia auf Katalanisch grüßt, hat er auch die Herzen in diesem Teil Spaniens erobert - auch, wenn sein Katalanisch einen leicht portugiesischen Akzent hat.

40.000 im Olympiastadion von Barcelona

Am Abend spricht er erneut vor gigantischer Kulisse, diesmal im Olympiastadion von Barcelona. Wieder schiere Begeisterung, als Leo XIV. fast 20 Minuten lang im Papamobil winkend durch die Reihen fährt und dabei das ebenso rätselhafte wie angesagte Zeichen "Six-Seven" zeigt.

Rund 40.000 meist junge Menschen erleben die berühmten katalanischen "Menschentürme", Unesco-Welterbe und akrobatische Meisterleistung, bei der sich jeder Kletterer auf den anderen verlassen muss; wieder eine Metapher für Einigkeit und Zusammenhalt, auf die Leo immer wieder verweist. Bei der anschließenden Gebetswache ermutigt er junge Erwachsene, die selbst schwere Schicksale wie Depression, Suizidversuche oder häusliche Gewalt in der Familie erlebt haben.

Die Stimmung ist andächtig, viele Jugendliche halten Rosenkränze. "Es gibt wohl wirklich immer mehr praktizierende Katholiken unter Spaniens Jugend", so Pablo Vehí Roca (21), einer der vielen Freiwilligen im Stadion. "Dass der Papst hier zu uns kommt, ist toll, auch weil er ein Staatsoberhaupt ist. Und einer der wenigen glaubwürdigen Personen, der die vielen Probleme in der Welt anspricht", sagt der Student.

"Papst Leo, wir lieben dich"

Als Leo XIV. am Mittwochmittag nach seinem Gefängnisbesuch in die berühmte Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat fährt, warten dort schon Tausende auf ihn, von Schulklassen bis Senioren. In dem traditionsreichen Kloster, eingebettet zwischen schroffen Felsen im Hinterland von Barcelona, hält Leo XIV. nach dem Rosenkranzgebet eine kurze Ansprache, wiederum teils auf Katalanisch.

Anschließend spricht er auf dem Balkon kurz zu den rund 7.000 Menschen, die Vatikanflaggen, Spanienfähnchen, katalanische Streifenflaggen und selbst gebastelte Transparente mitgebracht haben. Ana und ihre Familie haben ein Bild mit Leo, Auge in Auge mit einem Löwen, gestaltet; Anspielung auf die Bedeutung des Papstnamens. "Papst Leo, wir lieben dich!", erschallen Sprechchöre.

Dann entschwindet Leo XIV. samt seiner Entourage wieder. Denn am Mittwochabend steht ein echter "Höhe-Punkt" auf seiner Agenda: Die Segnung des höchsten Kirchturms der Welt an der berühmten Basilika Sagrada Familia. Mehr geht fast nicht, höchstens ein Cockpit-Besuch in 10.000 Meter Höhe.
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