Papst segnete Christusturm der Sagrada Familia - Höchster Kirchturm der Welt
10.06.202622:24
Spanien/Papst/Kirche/Architektur/Sagrada.Familia
Auch spanisches Königspaar Felipe und Letizia sowie Ministerpräsident Sánchez bei Gottesdienst in weltbekannter Basilika in Barcelona am 100. Todestag von Architekt Antoni Gaudí
Barcelona, 10.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat den höchsten Kirchturm der Welt gesegnet: In einem feierlichen Akt segnete er am Mittwochabend den 172,5 Meter hohen Christusturm der Basilika Sagrada Família in Barcelona. Der 10. Juni ist zugleich der 100. Todestag von Antoni Gaudí (1852-1926), Baumeister des Wahrzeichens der katalanischen Hauptstadt.
Den zentralen Turm des Monumentalbauwerks krönt ein fast 100 Tonnen schweres Kreuz aus Stahl und Glas, das am Abend hell erleuchtet war. Mit dem begehbaren Kreuz überragt die Kirche das Ulmer Münster, das mehr als 135 Jahre den höchsten Kirchturm der Welt vorweisen konnte, um rund elf Meter. Für die Öffentlichkeit soll das Kreuz ab 2027 zugänglich sein.
Vor der eigentlichen Segnung am Vorplatz der Sagrada Familia hatte Leo XIV. eine Messe in der Basilika gefeiert, an der auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez teilnahmen. Zudem besuchte er die Krypta mit dem Grab Gaudís. In seiner Predigt sagte der Papst, das Gotteshaus sei ein "sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, zu dessen Ehre ihre Türme emporragen".
Mit dem Bau der Kirche Sagrada Família wurde 1882 begonnen. Architekt Gaudí starb nach 40 Jahren Arbeit nach einem Straßenbahn-Unfall in der Nähe der Baustelle. Seit 2000 läuft für ihn ein Seligsprechungsverfahren. Die Fertigstellung des Gotteshauses, seit 2005 Unesco-Welterbe, soll in den 2030er Jahren erfolgen. Papst Benedikt XVI. (2013-2025) hatte das ungewöhnliche Gotteshaus mit den 18 Türmen im Jahr 2010 in den Rang einer Basilika erhoben.
Papst: Die Basilika als Verpflichtung, Nein zum Krieg
"Die Basilika Sagrada Família ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist bis heute ein Bauwerk im Entstehen, das uns daran erinnert, dass das christliche Leben stets ein Weg ist, denn es handelt sich um ein Projekt, das Gott verwirklicht", sagte Papst Leo. Die Unvollkommenheit der weiterhin im Bau befindlichen Kirche sei "kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern drückt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen".
Durch seine Menschwerdung werde Gott für die Menschen "zur Quelle der Gnade und der Vergebung, des Heils und des neuen Lebens", erinnerte der Papst. "Meine Lieben, wir können nicht an Jesus glauben und Krieg führen. Wir können nicht an Jesus glauben und Unschuldige töten. Wir können nicht an Jesus glauben und diejenigen im Stich lassen, die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen", sagte Leo XIV.
Ausdrücklich forderte der Papst mehr Aufmerksamkeit für die armen und leidenden Menschen auf der Welt. Das Kreuz auf der Spitze des Christusturms sei auch "das Kreuz der Letzten, die die Ersten werden, der Sünder, die Heilige werden, der Toten, die auferstehen werden".
Gaudi-Porträt im Nachthimmel über Barcelona
"Wir wissen, dass wir in schwierigen Zeiten leben, doch wir wollen keine Untergangspropheten sein, sondern Hoffnungsträger", sagte der Erzbischof von Barcelona Kardinal Juan José Omella am Ende des Gottesdienstes. Die Sagrada Familia und der Christusturm ermutigten dazu, "den Blick auf das Licht zu richten, das von diesem Turm mit dem Kreuz Christi ausstrahlt und Christus in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen".
Am Ende der Segnung des Kirchturms erleuchteten Lichter und ein Feuerwerk die Fassade der Basilika. In einer Lichtershow mit Drohnen wurde zudem das Porträt Antoni Gaudis in den nächtlichen Himmel über Barcelona gezeichnet.