Sagrada Familia: Mega-Show für ein Wunderwerk aus Kunst und Glaube
11.06.202611:16
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Begleitet von Jubel, Lichtinstallationen und einem Feuerwerk segnete der Papst in Barcelona den höchsten Kirchturm der Welt - Von Kathpress-Korrespondentin Sabine Kleyboldt
Barcelona, 11.06.2026 (KAP) Wortloses Staunen, Jubel und "Viva-el-Papa"-Rufe: Begleitet von einer gigantischen Show ist am Mittwochabend in Barcelona der höchste Kirchturm der Welt eingesegnet worden. Um kurz vor 22 Uhr besprengte Papst Leo XIV. die Geburtsfassade der Basilika Sagrada Familia und damit auch den 172,5 Meter hohen Christusturm mit Weihwasser.
Die Sonne war gerade hinter dem einzigartigen Sakralbau untergegangen, der maßgeblich von Baumeister Antoni Gaudí (1852-1926) entworfen wurde. An dessen Grab in der Krypta hatte Leo XIV. zuvor Blumen niedergelegt und in der anschließenden Messe an den 100. Todestag des Architekten erinnert, für den seit einigen Jahren ein Seligsprechungsprozess läuft.
Papst spricht auch Katalanisch
Auch Spaniens Staats- und Regierungsspitze, das Königspaar und Ministerpräsident Pedro Sánchez, wohnten dem Spektakel bei - zusammen mit rund 9.000 Menschen in und um die Basilika sowie etwa 120.000 im weiteren Umfeld. Nach der Messe verließ der Papst zusammen mit rund hundert Kardinälen, Bischöfen und Priestern in einer langen Prozession die Kirche, um vor der Fassade den Segen zu sprechen; wieder nutzte er neben Spanisch auch Katalanisch.
Plötzlich war die Kirche in mystischen Nebel gehüllt, die vielfarbigen Fenster wurden von innen und die 18 monumentalen Türme von außen im Rhythmus einer hochemotionalen Musik von Orgel, Orchester und Knabenchor illuminiert. Der Clou: An der Choreografie waren auch die vielen Menschen beteiligt, die stundenlang vor der Kirche ausgeharrt hatten: Leuchtstäbe, die sie auf ihren Sitzen vorgefunden hatten, strahlten unvermittelt auf. So wogte eine Inszenierung aus Licht, Musik und Farbe unter Barcelonas Nachthimmel, gekrönt von einem Feuerwerk.
"Eine Bibel aus Stein"
Für Maite Moreno, die mit ihrem Mann und den vier kleinen Kindern bereits seit dem Mittag vor der Sagrada Familia ausgeharrt hatte, eine beeindruckende Feier. "Es bewegt mich wirklich zutiefst, dass der Papst den Christusturm eingeweiht hat und wir an diesem historischen Moment so nah teilnehmen durften", sagte die 40-jährige Katholikin. "Für mich - und wahrscheinlich für alle Katholiken aus Barcelona - ist Gaudí ein Heiliger und seine Kirche ein tiefer Ausdruck des Glaubens. Eine Bibel aus Stein."
Am Ende erschien Gaudis charakteristische Silhouette am Nachthimmel, dazu ein ikonisches Zitat des Katalanen: "Zuerst die Liebe, dann die Technik." Zweifellos wäre die von ihm vor über rund 140 Jahren erdachte Kirche ohne modernste Technik nicht das, was sie heute ist.
Begehbares Kreuz auf Turmspitze
Leuchtendes Beispiel: Das fast 100 Tonnen schwere und begehbare Kreuz aus Stahl und Glas, hoch oben auf dem Christusturm. Voraussichtlich ab 2027 soll es zugänglich sein, so dass die Sagrada Familia, die jährlich rund fünf Millionen Besucher zählt, eine weitere Sehenswürdigkeit zu bieten hat.
Und: Mit der Segnung des höchsten Kirchturms - gut zehn Meter höher als das Ulmer Münster als bisheriger Rekordhalter - ist die Sagrada Familia noch längst nicht fertig. Erst in etwa zehn Jahren wird mit der Vollendung des Hauptportals gerechnet - wenn überhaupt.
Manche Anwohner im Viertel sehen diese Entwicklung mit Sorge, denn die einst eher schlichte Gegend stellt sich mit immer höheren Preisen, mehr Souvenirläden und Restaurants auf weiter wachsenden Tourismus ein.
Auch spanisches Königspaar Felipe und Letizia sowie Ministerpräsident Sánchez bei Gottesdienst in weltbekannter Basilika in Barcelona am 100. Todestag von Architekt Antoni Gaudí