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Angriff auf Tyros: "Kirche in Not" warnt vor Eskalation

11.06.2026 14:28
Österreich/Libanon/Kirche/Krieg/Christentum/Konflikte
Hilfswerk fordert Schutz von Zivilisten und religiösen Stätten im Süden des Libanon
Wien/Beirut, 11.06.2026 (KAP) Nach den jüngsten Luftangriffen auf die Hafenstadt Tyros im Süden des Libanon hat die geschäftsführende Präsidentin des internationalen katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" (ACN), Regina Lynch, vor einer weiteren Eskalation gewarnt. Lynch rief die Verantwortlichen auf beiden Seiten dazu auf, "alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um weiteres Leid, Vertreibung und Zerstörung zu verhindern". Zivilisten müssten geschützt und religiöse Stätten vor weiterer Zerstörung bewahrt werden.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei einem Luftangriff auf Tyros am 9. Juni mindestens acht Menschen getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt. Erstmals war auch das historische christliche Viertel der Stadt von Evakuierungsaufrufen betroffen. Israel hatte Tyros in den vergangenen Monaten wiederholt beschossen und das mit Angriffen auf Stellungen der Hisbollah begründet. In der Stadt leben mehr als 130.000 Menschen.

Auslöser der ACN-Stellungnahme am Donnerstag war ein Appell des melkitischen griechisch-katholischen Erzbischofs von Tyros, Georges Iskandar, der gemeinsam mit weiteren Kirchenvertretern vor einer Gefährdung der Altstadt und ihrer christlichen Gemeinden gewarnt hatte.

Sorge um Erhalt der christlichen Präsenz

"In diesem kritischen Moment bringen wir unsere Solidarität mit der Ortskirche und mit allen Zivilisten zum Ausdruck, die in der Stadt geblieben sind - besonders mit Familien, Kindern, älteren Menschen und den Schutzbedürftigsten", erklärte Lynch. Besondere Sorge gelte "der Sicherheit der Bewohner des christlichen Viertels und dem Erhalt einer christlichen Präsenz, die seit apostolischer Zeit in Tyros verwurzelt ist".

Tyros nehme einen besonderen Platz in der Geschichte des Christentums und im geistlichen Erbe des Libanon ein, erklärte die geschäftsführende Präsidentin von "Kirche in Not". Die Gotteshäuser und historischen Viertel seien "lebendige Zeugnisse jahrhundertelangen Glaubens, des Zusammenlebens und der Widerstandskraft". Jede Bedrohung von Zivilisten, religiösen Stätten oder kulturellem Erbe erfülle sie mit großer Sorge.

Lynch verwies zugleich auf die langjährige Verbundenheit von "Kirche in Not" mit den Christen in Tyros und im Süden des Libanon: "Wir kennen diese Gemeinden persönlich. Wir haben ihre Häuser besucht, in ihren Kirchen gebetet und ihre Entschlossenheit erlebt, trotz zahlreicher Herausforderungen die christliche Präsenz in dieser historischen Stadt aufrechtzuerhalten."

Abschließend bekräftigte die geschäftsführende Präsidentin die Unterstützung für die Arbeit der Kirche im Libanon und die verbliebenen Christen: "Wir beten um Frieden, Sicherheit und Stabilität und bekräftigen unsere Verpflichtung, an der Seite der Ortskirche zu stehen, während sie weiterhin den von Angst, Unsicherheit und Konflikt betroffenen Menschen dient." Die Erklärung endet mit den Worten: "Möge Gott die Menschen von Tyros schützen, den Libanon bewahren und der Region Frieden schenken."

Das internationale katholische Hilfswerk wurde 1947 gegründet.
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