Salzburger Theologe und Erwachsenenbildner Weiß im "Rupertusblatt": Wissen wird nicht einfach vermittelt, sondern im Dialog geteilt - Tag der offenen Tür anlässlich 80-jährigem Jubiläum am 12. Juni
Salzburg, 11.06.2026 (KAP) Angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender sozialer Distanz sieht der Direktor des Katholischen Bildungswerks Salzburg in der Erwachsenenbildung eine wichtige Aufgabe für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Gerade in einer polarisierten Gesellschaft ist dieses echte Begegnen von Lebensrealitäten entscheidend. Es schafft Verständnis und baut Brücken", sagte Andreas G. Weiß im Interview mit der diözesanen Kirchenzeitung "Rupertusblatt" (Ausgabe 14. Juni).
Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft gehöre zu den größten Herausforderungen der Gegenwart. Eine zentrale Aufgabe der Erwachsenenbildung sei es daher, "Menschen zusammenzubringen - besonders jetzt, wo Teile der Gesellschaft auseinanderzudriften drohen", so Weiß. Wissen werde dabei nicht einseitig vermittelt, "sondern im Dialog geteilt".
Dass das Bedürfnis nach persönlicher Begegnung trotz Digitalisierung und zahlreicher Online-Angebote ungebrochen sei, bezeichnete der 39-jährige Theologe, Philosoph und Religionswissenschaftler als bemerkenswert. Während der Corona-Pandemie habe das Bildungswerk auf digitale Formate umgestellt. Die Erfahrung sei jedoch eindeutig gewesen: "Wir haben rasch gemerkt: Die Menschen sehnen sich nach echter Begegnung." Online-Angebote würden weiterhin punktuell eingesetzt, der Schwerpunkt liege aber auf analogen Formaten.
Als besonderes Merkmal kirchlicher Erwachsenenbildung bezeichnete Weiß die Verbindung gesellschaftlicher und existenzieller Themen. Angebote zu Gesundheit, Umwelt oder Familie seien ebenso Teil des Programms wie Fragen nach Sinn, Spiritualität oder Trauer. "Weil unser Glaube das ganze Leben umfasst", sei diese Breite selbstverständlich. Gerade die Verbindung von lebenspraktischen und spirituellen Themen mache das Profil katholischer Bildungsarbeit aus.
"Bildungsfingerabdruck"
Den anhaltenden Erfolg des Bildungswerks führt Weiß vor allem auf das "Alleinstellungsmerkmal" Ehrenamt zurück. Die örtlichen Bildungswerke gestalteten ihre Programme weitgehend eigenständig. Dabei gelte: "Wer sich engagiert, kann seinen eigenen 'Bildungsfingerabdruck' hinterlassen. Wir Hauptamtliche unterstützen, statt zu steuern. Wir grenzen nicht ein, sondern ermöglichen." Ehrenamtliche stellten Zeit und Know-How zur Verfügung, die Hauptamtlichen sorgten im Hintergrund für Subventionen, Werbemittel, Fortbildungen und organisatorische Hilfe.
Trotz rückläufiger finanzieller Mittel aus Kirche und öffentlicher Hand verzeichnete das Katholische Bildungswerk Salzburg zuletzt steigende Teilnehmerzahlen. Nach Angaben von Weiß war 2025 "unser bestes Jahr seit 2010". Dies zeige, dass Bildungsangebote, die auf Austausch, Orientierung und persönliche Begegnung setzen, auch in einer digital geprägten Gesellschaft gefragt bleiben.
Anlass des Interviews war das 80-jährige Bestehen des Katholischen Bildungswerks Salzburg. Gegründet unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, sollte die Einrichtung Menschen Orientierung und Halt durch Bildung vermitteln. Weiss zufolge waren die "echte Visionäre: Nach dem Krieg wollten sie den Menschen helfen, wieder Halt zu finden - durch Bildung, durch geistige und lebenspraktische Impulse". Heute sei es eines der größten Netzwerke katholischer Erwachsenenbildung in Österreich, mit starker regionaler Verankerung in den Pfarren.
Tag der offenen Tür
Zum Jubiläum lädt das Katholische Bildungswerke am Freitag (12. Juni) zu einem Tag der offenen Tür in den "Treffpunkt Bildung" in Elsbethen ein. Besucherinnen und Besucher erhalten dabei Einblicke in die vielfältigen Bildungs- und Begegnungsangebote der Einrichtung und können unterschiedliche Formate vor Ort kennenlernen und ausprobieren. (Infos: https://bildungskirche.at)
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