Erste deutsche Übersetzung der Papst-Enzyklika zu KI im Handel
11.06.202615:40
Deutschland/Österreich/Papst/Enzyklika/Buchhandel
Insgesamt drei Verlage veröffentlichen "Magnifica humanitas" in diesen Tagen in Buchform
Stuttgart, 11.06.2026 (KAP/KNA) Zweieinhalb Wochen nach der Veröffentlichung der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV. ist jetzt die erste deutsche Übersetzung in gebundener Ausgabe im Buchhandel erhältlich. Die Verlagsgruppe Patmos hat den ursprünglich für den 15. Juni geplanten Erscheinungstag auf den 11. Juni vorgezogen. "Da die Druckerei schneller geliefert hat, ist der Erscheinungstag bereits heute", teilte eine Verlags-Pressesprecherin am Donnerstag auf Anfrage der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.
Neben Patmos hatten auch die Verlage Herder und St. Benno angekündigt, das päpstliche Lehrschreiben noch im Juni in der verbindlichen deutschen Übersetzung herauszubringen. Der Verlag Herder in Freiburg hat mittlerweile den 20. Juni als Erscheinungstag angekündigt, da dies im Produktionsprozess möglich geworden sei. Zunächst war hier der 29. Juni genannt worden.
Kommentierte Ausgabe der Enzyklika
Zudem will Herder im September eine kommentierte Ausgabe von "Magnifica humanitas" herausbringen. Dabei werde die Enzyklika aus theologischer, sozialer und gesellschaftlicher Sicht eingeordnet. Autoren dieser Beiträge seien der Benediktiner und Leiter der Vorarlberger Propstei St. Gerold, Pater Martin Werlen, der evangelische Theologe und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, die deutsche Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa und die Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer.
Eine Pressesprecherin des St. Benno Verlags in Leipzig hatte Anfang Juni mitgeteilt, die Enzyklika auf Deutsch solle Mitte Juni, wahrscheinlich schon am 11. Juni, erscheinen. Die Ausgabe befinde sich bereits seit Mai im Druck. Am Donnerstag sagte die Benno-Verlagssprecherin der KNA, dass der Termin nicht zu halten sei. "Der Titel wird laut Druckerei nächsten Mittwoch (17. Juni) bei uns angeliefert." Vorbestellungen sind aber wie bei Herder jetzt schon möglich.
Philosoph über KI und Menschenwürde
In einer Einführung zur deutschen Übersetzung im Patmos-Verlag betont der Jesuit und Philosoph Godehard Brüntrup, "Magnifica humanitas" habe einen "bleibenden Wert weit über die katholische Welt hinaus". Die Enzyklika über die Gefahren und Chancen der KI stelle die entscheidende Frage: "Kann die Humanität und die Würde des Menschen gewahrt werden, wenn Maschinen immer mehr von dem übernehmen, was bislang dem Menschen vorbehalten war?"
Eine abschließende Antwort auf diese Frage gebe der Papsttext zwar nicht. "Was er gibt, sind Maßstäbe, Orientierung und eine Richtung: das Bild des Menschen, der nicht durch grenzenlose Steigerung, sondern durch personale Beziehung, durch Verantwortung und gerade durch die Annahme seiner Grenzen zu sich selbst findet und sogar über sich hinauswächst."
"Papst stellt Machtverhältnisse zur Debatte"
Die größte gedankliche Leistung des päpstlichen Lehrschreibens sei eine Neuorientierung des Blicks: "Nicht die Technik als solche steht zur Debatte, sondern die Machtverhältnisse, unter denen sie entworfen und eingesetzt wird", betont Brüntrup. "Damit begleitet dieser päpstliche Text die Menschheit an einer wirklichen Zeitenwende."
Die Enzyklika stehe bewusst in der Tradition der Soziallehre der Kirche. "Der Text überträgt das Erbe der jüngeren Soziallehre von Papst Franziskus - die Kritik an der Herrschaft der bloßen Effizienz, die Verbindung von sozialer und ökologischer Frage, das Leitbild der Geschwisterlichkeit - auf das neue Feld der Künstlichen Intelligenz", so der Jesuit.
"Technische Sachkenntnis und geistige Tiefe"
Die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. tue dies "mit einer technischen Sachkenntnis und einer geistigen Tiefe, die erfreulich weit über den populären Kulturpessimismus hinausgehen".
Der Jesuitenpater Godehard Brüntrup ist emeritierter Professor für Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München und Visiting Professor an der Saint Louis University in den USA.
Erste Sozialenzyklika vor 135 Jahren
Seine am Pfingstmontag, 25. Mai, vorgestellte Enzyklika "Magnifica humanitas" hatte Papst Leo XIV. bereits am 15. Mai unterschrieben, dem 135. Jahrestag der Veröffentlichung der wegweisenden Sozialenzyklika "Rerum novarum". Mit der 1891 von Papst Leo XIII. veröffentlichten Enzyklika wurde der Grundstein für die katholische Soziallehre gelegt.
Laut Brüntrup war dies "die erste große Antwort der Kirche auf die Industrielle Revolution". Die Wahl dieses Datums durch den aus den USA stammenden Papst Leo sei mehr als eine schöne Geste. Es unterstreiche, "dass die Künstliche Intelligenz einen Einschnitt von vergleichbarem oder gar höherem Rang bedeutet: eine Umwälzung der Arbeit, der sozialen Machtverhältnisse und möglicherweise sogar des Selbstverständnisses des Menschen".