Altkatholische Bischöfin nimmt zu Volksbegehren "Karfreitag - Feiertag für Alle" Stellung, das am 15. Juni startet
Wien, 14.06.2026 (KAP) Die altkatholische Bischöfin Maria Kubin hat in einer Erklärung Stellung zum Volksbegehren "Karfreitag - Feiertag für Alle" genommen, das am Montag, 15. Juni, startet. Die Bischöfin begrüßt wichtige Fragen bzw. Anliegen, die hinter dem Volksbegehren stehen, gibt aber zugleich keine dezidierte Empfehlung ab, das Volksbegehren zu unterzeichnen.
Das Volksbegehren stelle Fragen, "die wir als Altkatholische Kirche für wichtig halten: Wie geht eine Gesellschaft mit religiösen Minderheiten um? Welchen Platz räumt sie dem Innehalten, dem Gedenken, der Verschiedenheit ein?", so die Bischöfin. Und sie fügt hinzu, dass sie das Anliegen des Volksbegehrens teile, "soweit es um einen gemeinsamen Moment des Innehaltens und der Menschlichkeit am Karfreitag geht".
Ob das Volksbegehren dafür allerdings der richtige Weg sei, "soll jede und jeder für sich selbst entscheiden: informiert, nachdenklich, im Gespräch mit dem eigenen Gewissen", so die Bischöfin, die das Schreiben in erster Linie an ihre eigenen Kirchenmitglieder gerichtet hat. Nachsatz: "Mündiger Glaube ist uns wichtiger als Gleichschritt."
1955 wurde der Karfreitag für Evangelischen (Lutheraner, Reformierte und Methodisten) sowie Altkatholiken in die Liste der gesetzlichen Feiertage aufgenommen. Im Jahr 2019 wurde dies aber wieder aufgehoben. Anlass war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Ein konfessionsloser Arbeitnehmer hatte geklagt, dass er für seine Arbeit am Karfreitag keinen Feiertagszuschlag bekommt, sein evangelischer Kollege hingegen schon. Der EuGH entschied auf eine Diskriminierung aufgrund der Religion und mahnte eine Änderung ein. Statt den Karfreitag zu einem gesetzlichen Feiertag für alle - unabhängig von der Konfession - zu erklären, wählte die damalige ÖVP-FPÖ-Regierung den umgekehrten Weg: Sie hob den Feiertag auf. Angehörigen der evangelischen und altkatholischen Kirche können seither den Karfreitag als "persönlichen Feiertag" nehmen, müssen dafür aber einen Urlaubstag nehmen.
"Ein Zeichen des Respekts"
Dass der Karfreitag für Evangelische und Altkatholiken von 1955 bis 2018 ein gesetzlich anerkannter Feiertag war, "haben wir als ein Zeichen des Respekts verstanden, denn wir sind eine kleine Kirche, ohne mächtige Strukturen", so Bischöfin Kubin in ihrem Schreiben. Selbst wenn es nun den Feiertag für alle gäbe, bekämen die Altkatholiken diese Anerkennung nicht zurück.
Der Karfreitag sei aber mehr als das, denn er sei für Christinnen und Christen aller Konfessionen "der Tag, an dem wir innehalten. Wir denken an das Leiden von Jesus, aber neben ihm auch an alle anderen unterdrückten und leidenden Menschen der Welt." Wenn das Volksbegehren erreiche, "dass wir als Österreicherinnen und Österreicher gemeinsam alle Leidenden dieser Welt wahrnehmen, dann ist das ein gutes Ergebnis". Dann werde der Karfreitag "zu einem Ort der Stille, der Trauer und der Offenheit füreinander. Ein Ort, der uns miteinander verbindet, weil er das Menschlichste berührt: Leid, Tod, Abschied", so die Bischöfin.